Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihren Einlagensatz im Oktober zunächst bei 2,50 Prozent belassen. Für Dezember rechnen die Ökonomen der Commerzbank allerdings mit einer weiteren Zinserhöhung auf 2,75 Prozent. Ausschlaggebend ist die anhaltend hohe Inflation im Euroraum. Da das aktuelle Zinsniveau bereits als leicht restriktiv eingeschätzt wird und die Teuerung bis Ende 2027 voraussichtlich wieder in Richtung des Inflationsziels zurückgeht, erwarten die Experten für das gesamte Jahr 2027 einen unveränderten Einlagensatz von 2,75 Prozent.

EZB-Zinsprognose: Erhöhung im Dezember, danach längere Zinspause

„Wir gehen davon aus, dass sich die Öllieferungen aus der Region trotz der jüngsten Rückschläge wieder normalisieren werden. Bereits in den vergangenen Monaten hatten diese durch sogenannte ‚Dark Transits‘, also schwer nachverfolgbare Schiffspassagen, deutlich zugenommen. Mittelfristig dürften die Ölpreise und damit auch die Energiepreise deshalb wieder sinken.“

„Angesichts der weiterhin hohen Inflation im Euroraum erwarten wir, dass die EZB ihre Leitzinsen im Dezember noch einmal anhebt und sie anschließend im gesamten Jahr 2027 unverändert lässt.“

„Nach Einschätzung einiger Mitglieder des EZB-Rats ist die Geldpolitik bereits beim aktuellen Leitzins von 2,5 Prozent leicht restriktiv. Aus den Äußerungen zum neutralen Zinsniveau, die wir in den vergangenen Monaten zusammengetragen haben, lässt sich ableiten, dass auch die Mehrheit der Ratsmitglieder einen Einlagensatz von 2,75 Prozent als leicht restriktiv einstufen dürfte.“

„Gegen weitere Zinserhöhungen im kommenden Jahr sprechen der von uns erwartete Rückgang der Ölpreise, die dämpfende Wirkung höherer Anleiherenditen sowie die Einschätzung vieler Notenbanker, dass die Leitzinsen bis dahin bereits eine restriktive Wirkung entfalten werden.“

„Obwohl geldpolitischer Handlungsbedarf besteht, werden weder die US-Notenbank Fed noch die EZB in der kommenden Woche ihre Leitzinsen verändern. Dafür sprechen unter anderem die jüngsten Äußerungen von Vertretern beider Zentralbanken.“

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