Viele Leser achten besonders auf den EUR/USD-Wechselkurs. Dass er gestern und heute Morgen so stark gestiegen ist, könnte leicht als Folge der gestrigen EZB-Entscheidung interpretiert werden. Doch das wäre ein Fehler, meint Ulrich Leuchtmann, Leiter FX und Commodity Research bei der Commerzbank.
USD-Short-Positionen dürften attraktiver werden
„Die EUR/USD-Bewegung seit vorgestern Abend war ausschließlich USD-Schwäche. Der EUR hat sich überhaupt nicht bewegt. Der Grund für die Schwäche des Greenback liegt meines Erachtens auf der Hand: Jedem ist klar, dass ein Zinsschritt der Fed um 50 Basispunkte am kommenden Mittwoch eine ernsthafte Möglichkeit ist. Einige Marktteilnehmer haben einen Zinsschritt von 50 Basispunkten lange Zeit für unwahrscheinlich gehalten“.
"Weil der Arbeitsmarkt noch nicht in einer so dramatischen Situation ist, wie es normalerweise der Fall ist, wenn die Fed einen größeren Zinsschritt vornimmt, weil Zinserhöhungen während eines Präsidentschaftswahlkampfs ohnehin heikel sind, und ein großer Zinsschritt noch dazu, weil die Fed wahrscheinlich nicht die extrem niedrigen Inflationserwartungen des Marktes teilen wird, die wohl eher von Rezessionsängsten getrieben sind als von einer kühlen Wirtschaftsanalyse.
„Für den Devisenmarkt gibt es noch ein weiteres Argument: Diejenigen, die auf den USD setzen, weil sie erwarten, dass die Fed die Zinsen mittelfristig langsam senken wird, würden durch einen Zinsschritt von 50 Basispunkten am Mittwoch sofort eines Besseren belehrt. Diejenigen, die auf den USD setzen, weil sie mittelfristig schnelle Zinssenkungen erwarten, müssten aber auch nicht kapitulieren, wenn es am Mittwoch nur 25 Basispunkte wären. Die Risiken von USD-Positionen dürften in der kommenden Woche asymmetrisch sein. Für risikoaverse Anleger, die zwischen 25 und 50 Basispunkten schwanken, dürften USD-Short-Positionen attraktiver erscheinen als USD-Long-Positionen. Dies schwächt den USD bereits.
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