Seit Ende vergangenen Jahres argumentieren Bullen am US-Aktienmarkt, dass eine der wichtigsten Entwicklungen für steigende Kurse im Jahr 2026 die anstehende Saison der Steuerrückzahlungen sein dürfte. Doch erste Daten zu den Rückerstattungen zeichnen ein deutlich weniger eindrucksvolles Bild als erwartet – und stellen diese optimistische Annahme infrage.
Die Phase der Steuerrückzahlungen ist die Zeit, in der die US-Steuerbehörde Internal Revenue Service (IRS) Steuerzahlern Geld erstattet, wenn sie im vergangenen Jahr mehr Steuern gezahlt haben als tatsächlich geschuldet.
In diesem Jahr wurde erwartet, dass die Rückerstattungen deutlich höher ausfallen würden. Hintergrund ist Präsident Donald Trumps „One Big Beautiful Bill Act“ (OBBBA), der Mitte 2025 Steuersenkungen einführte. Da das Gesetz rückwirkend galt und Steuerzahler ihre Abgaben für 2025 zunächst weiterhin nach den alten Sätzen entrichteten, gingen viele Beobachter davon aus, dass die Rückzahlungen in diesem Jahr besonders hoch ausfallen würden. Analysten von Piper Sandler vermuteten sogar, dass die durchschnittliche Rückerstattung um 1.000 Dollar über dem Vorjahreswert liegen könnte.
Doch bislang bestätigt die Datenlage diese Erwartungen nicht.
Steuerrückzahlungen steigen weniger stark als zunächst erwartet
Während der Haushaltsausschuss des US-Repräsentantenhauses zunächst geschätzt hatte, dass Amerikaner zusätzliche 191 Milliarden Dollar an Rückerstattungen erhalten würden – ein Plus von rund 33 Prozent im Jahresvergleich –, zeigen die jüngsten Daten bislang lediglich einen Anstieg von 9 Prozent seit Jahresbeginn.
Die Denkfabrik Tax Foundation geht davon aus, dass die durchschnittliche Rückzahlung eher um 748 Dollar steigen wird und nicht um 1.000 Dollar.
Aktuelle Daten der Steuerbehörde zeigen, dass bis zum 27. Februar 2026 insgesamt 136,6 Milliarden Dollar an Steuerzahler zurückgezahlt wurden. Das entspricht einem Anstieg von 9,4 Prozent gegenüber dem Wert ein Jahr zuvor. Grund dafür ist, dass die Zahl der Rückerstattungen im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent gesunken ist, während die durchschnittliche Rückzahlung mit 3.742 Dollar um etwa 10 Prozent gestiegen ist.

Möglicherweise auch infolge der von Trump angeordneten Abschiebungen sowie einer höheren Arbeitslosenquote erwartet die IRS inzwischen, dass insgesamt 164 Millionen individuelle Steuererklärungen eingereicht werden. Im Jahr 2025 waren es noch 165,8 Millionen.
Zu gering, um den Aktienmarkt anzuschieben
Morgan Stanley schätzt, dass die zusätzlichen Rückerstattungen an Privatpersonen eher bei rund 55 Milliarden Dollar liegen dürften. Das sei zwar weiterhin positiv, allerdings dürfte ein großer Teil dieses Geldes zur Schuldentilgung verwendet werden – was weder das Bruttoinlandsprodukt noch den Aktienmarkt direkt stützt. Der verbleibende Teil dürfte eher für Lebensmittel und andere grundlegende Ausgaben verwendet werden.
Hinzu kommt, dass im Zuge des Kriegs mit dem Iran die Ölpreise bereits um mehr als 50 Prozent gestiegen sind, was einen erheblichen Teil der zusätzlichen finanziellen Spielräume durch die Rückerstattungen aufzehren könnte.
Selbst bei einer großzügigen Schätzung könnten lediglich etwa 5 bis 10 Prozent der zusätzlichen Rückzahlungen in den Aktienmarkt fließen. Das entspräche nur rund 5 Milliarden Dollar – eine Summe, die für sich genommen kaum ausreichen dürfte, um den S&P 500 auf neue Höchststände zu treiben. Der Aktienmarkt wird daher auf einen anderen Impuls warten müssen.
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