Die Strategen der Société Générale halten den Ausverkauf an den globalen Anleihemärkten im Juli für überzogen. Besonders in Westeuropa seien die Renditen zweijähriger und zehnjähriger Staatsanleihen innerhalb von vier Wochen um rund 30 Basispunkte gestiegen. Während eine weitere Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) im September nach Einschätzung der Experten bereits eingepreist ist, halten sie einen dritten Schritt auf 2,75 Prozent bis Februar für ambitioniert. Dafür müssten sich sowohl das Wirtschaftswachstum im Euroraum als auch die Zweitrundeneffekte der Inflation deutlich verstärken.
Ausverkauf am Anleihemarkt überzogen
„Ist der Ausverkauf an den globalen Anleihemärkten im Juli zu weit gegangen? Und besteht nun das Risiko, dass stark bearische Positionierungen durch Eindeckungen von Leerverkäufen eine Gegenbewegung bei den Renditen bis zum Monatsende auslösen?“
„Aus technischer Sicht hat sich das Bild in den wichtigsten Industrieländern nach dem Ausbruch in der vergangenen Woche deutlich eingetrübt. Besonders ausgeprägt ist die Entwicklung jedoch in Westeuropa. Dort sind die Renditen zweijähriger und zehnjähriger Staatsanleihen in den vergangenen vier Wochen im Durchschnitt um rund 30 Basispunkte gestiegen - sowohl in den Kernländern als auch in den sogenannten Semi-Core-Staaten.“
„Diese Entwicklung ist weitgehend eingepreist. Ein dritter Zinsschritt bis Februar auf 2,75 Prozent, der ebenfalls bereits berücksichtigt wird, könnte jedoch zu weit gehen - es sei denn, die Wirtschaft gewinnt deutlich an Dynamik und die Zweitrundeneffekte der Inflation werden Realität.“
„Damit läge die Geldpolitik um etwa 50 Basispunkte im restriktiven Bereich. Das würde den Euro gegenüber dem US-Dollar zusätzlich stützen - vorausgesetzt, eine von Warsh geführte US-Notenbank verschärft die Geldpolitik nicht weiter und die Ölpreise geben wieder nach.“
„Bislang ist beides jedoch ausgeblieben. Solange die Konjunkturdaten nicht in eine andere Richtung weisen, dürften Anleihen und Zinsswaps nach dem Anstieg der Rendite zweijähriger Staatsanleihen auf 2,83 Prozent reif für eine Erholung sein.“
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