Bitcoin (BTC) ist am Mittwoch weiter unter die Marke von 65.000 US-Dollar gefallen. Onchain-Daten von Glassnode deuten darauf hin, dass sich der Markt fest in einer Bärenphase befindet. Durch den jüngsten Rückgang ist der Kurs wieder in einen wichtigen Bewertungsbereich zwischen dem Realized Price und dem True Market Mean zurückgefallen.

Glassnode verwies zudem auf eine bedeutende Veränderung der Marktstruktur. Die Kostenbasis kurzfristiger Anleger (Short-Term Holder, STH) liegt nun erstmals seit Januar 2022 unter dem True Market Mean. Dies gilt als Hinweis auf eine nachlassende Überzeugung neuerer Investoren.

„Diese Konstellation zeigt, dass neue Käufer unterhalb des zentralen durchschnittlichen Bewertungsniveaus des Marktes akkumulieren. Das ist ein typisches Merkmal einer fortgeschrittenen Bärenmarktphase, in der die Dauer des Kursrückgangs zunehmend auf die Überzeugung der Anleger drückt“, schrieb Glassnode.

Profitabilitätskennzahlen deuten auf zunehmende Kapitulation hin

Auch die Profitabilitätskennzahlen haben sich eingetrübt. Das Sieben-Tage-Mittel des Verhältnisses von realisierten Gewinnen zu Verlusten fiel von 3,16 auf 0,29. Dies spiegelt einen raschen Wechsel von Gewinnmitnahmen hin zur Realisierung von Verlusten wider.

Gleichzeitig schnellten die täglich realisierten Verluste auf 1,35 Milliarden US-Dollar nach oben. Langfristige Anleger entfielen dabei auf rund 770 Millionen US-Dollar, da sie Positionen auflösten, die sie in der Nähe früherer Zyklushochs aufgebaut hatten.

„Mit zunehmender Reife des Bärenmarktes ist dieses Muster der Kapitulation langfristiger Anleger, bei dem Angebot zu niedrigeren Preisen in neue Hände übergeht, ein wiederkehrendes und notwendiges Merkmal von Bodenbildungsprozessen. Das derzeitige Tempo der Verlustrealisierung deutet jedoch darauf hin, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist“, heißt es in dem Bericht.

ETF-Abflüsse und schwache Kassanachfrage erhöhen den Druck

Der jüngste Erholungsversuch von Bitcoin stieß zudem im Bereich von 83.000 US-Dollar auf starken Widerstand. Dieses Kursniveau entspricht in etwa der aggregierten Kostenbasis der US-Spot-Bitcoin-ETFs. Damit hat sich die Marke zu einer wichtigen Hürde auf der Oberseite entwickelt, während viele ETF-Anleger inzwischen im Minus liegen.

Die gescheiterte Erholung fiel mit ETF-Abflüssen von rund 4,21 Milliarden US-Dollar in den vergangenen drei Wochen zusammen. Dies stellt die bislang größte Serie von Mittelabzügen in diesem Jahr dar und signalisiert eine sinkende Nachfrage institutioneller Investoren.

Glassnode sieht darüber hinaus eine Abschwächung der Bedingungen am Kassamarkt. Das Sieben-Tage-Maß der Spot Volume Delta ist deutlich ins Negative gedreht. Dies deutet darauf hin, dass Verkäufer nach dem gescheiterten Ausbruch die Handelsaktivität dominieren.

„Ein anhaltend negativer Spot Volume Delta geht häufig entweder mit Kapitulationsereignissen oder den frühen Phasen einer umfassenderen Trendwende einher“, ergänzte Glassnode.

An den Derivatemärkten spiegelt die Positionierung zwar Vorsicht wider, jedoch keine ausgeprägte Panik. Die implizite Volatilität setzt ihren Abwärtstrend fort, während die Volatilitätsrisikoprämie auf Niveaus nahe Dreimonatshochs gestiegen ist. Dies deutet darauf hin, dass Optionshändler trotz der zuletzt ruhigen Marktphase mit stärkeren Kursbewegungen rechnen.

Zusätzlichen Druck erzeugen die übergeordneten makroökonomischen Rahmenbedingungen. Steigende Renditen von US-Staatsanleihen, Erwartungen weiterer Straffungen der Geldpolitik durch die US-Notenbank sowie ein stärkerer US-Dollar haben die Finanzierungsbedingungen verschärft. Nach Einschätzung von Glassnode reagiert Bitcoin im aktuellen Umfeld empfindlicher auf diese Belastungsfaktoren als andere risikobehaftete Anlageklassen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wurde Bitcoin bei 64.879 US-Dollar gehandelt. Das entspricht einem Minus von 3,9 Prozent. Auf Wochensicht beläuft sich der Kursverlust inzwischen auf mehr als 13 Prozent.


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