Mit der für heute in Moskau geplanten Zeremonie zur Unterzeichnung der Abkommen zur Annexion der vier russisch kontrollierten Regionen tritt der im Februar begonnene Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine in eine neue Phase ein. Dass es so kommen würde, zeichnete sich in den vergangenen Tagen schon ab, so dass die formelle Umsetzung der international nicht anerkannten Scheinreferenden an der Börse nicht mehr viel anrichten dürfte. Interessanter ist da schon die geplante Rede des russischen Präsidenten, die Hinweise darauf geben könnte, wozu der Kreml diesen Schritt nutzen wird, um seine bislang nicht erreichten Kriegsziele durchzusetzen.

Die große Gefahr ist, dass Russland nun einen nuklearen Schutzschirm aufspannt und in den kommenden Tagen noch offensiver mit dem Einsatz von Atomwaffen droht, sollte es zu einem Angriff auf die nun annektierten und damit russischen Staatsgebiete geben. Derzeit noch schwer zu glauben, könnte der heutige Schritt aber auch der erste zu einer diplomatischen Öffnung sein. Die Schäden, die aus der gegenseitigen Sanktionspolitik entstanden sind, liegen jetzt offen auf dem Tisch. Wenn es auch nur einen kleinen Hinweis auf die Möglichkeit einer solchen Annäherung Russlands und des Westens und eines Kriegsendes gäbe, könnte das auch zu einem Kursfeuerwerk im Deutschen Aktienindex führen.

Dieser hat gestern ein neues Jahrestief gerade noch so vermieden und zog danach erneut über die Marke von 12.000 Punkten an. Zum einen aber dürften diese Kursgewinne nicht sehr stabil sein, da sie erneut aus einer Zwangslage der Leerverkäufer heraus entstanden sind, die ihre kurzfristigen Positionen glattstellen mussten. Hinter der abendlichen Rally verbarg sich Not, aber kein echtes Kaufinteresse. Sie zeigt aber auch, dass auf dem aktuellen Niveau sehr hohe Short-Positionen vorhanden sind. Das wiederum bedeutet, dass bei einer guten Nachricht die Kurse stark steigen könnten. Einen Vorgeschmack darauf gab die Kursreaktion auf die Ankündigung der Bank of England, Staatsanleihen aufkaufen zu wollen. Saisonal betrachtet müsste das Jahrestief im DAX entweder heute oder am Dienstag erfolgen. Anschließend beginnt statistisch gesehen eine starke Phase für den Markt. Saisonalität ist allerdings keine Garantie, aber eine Orientierung. 

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