Es geschehen noch Zeichen und Wunder: In einem Marktumfeld, in dem die Anleger über das Problem der hohen Inflation und der Abschöpfung von Liquidität durch die Notenbanken stolpern, beschließt die Bank of England ein neues Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing). Die Notenbank hat damit nichts anderes als eine 180-Grad-Wende in ihrer Geldpolitik aufs Parkett gelegt. 

Zuvor hatte sich der Internationale Währungsfonds (IWF) in das Fiskalpaket der britischen Regierung eingemischt und es dahingehend kritisiert, dass es die Einkommensungleichheit weiter vergrößere. Zudem müsste es noch einmal nachgeschärft werden, da es die Neuverschuldung zu stark erhöhe. Macht das Beispiel aus Großbritannien Schule, könnte ein neues Kapitel an den Märkten beginnen: Wenn die Regierungen Verschuldung und Inflation akzeptieren und Steuern senken, während die Notenbanken dies durch eine expansive Geldpolitik begleiten, wäre das so ziemlich genau das Gegenteil dessen, worauf sich der Aktienmarkt gerade eingestellt hat. 

Das ist der Grund für den Short Squeeze, der gestern die Börsen um die Mittagszeit heimgesucht hat. Der US-Technologieindex Nasdaq stand wenige Minuten vor der Ankündigung durch die Bank of England davor, ein neues Jahrestief auszubilden. Wenn man als Leerverkäufer eine Short-Position in so einem heiklen Moment hält, will man ein neues Jahrestief sehen, um sich in seiner Einschätzung fallender Kurse bestätigt zu sehen. Wenn dann aber eine Nachricht wie jene aus Großbritannien über die Ticker läuft, gilt es so schnell wie möglich, aus seiner Position auszusteigen. Genau das ist gestern nach 12 Uhr geschehen. 

Nach dem Short Squeeze konnte man aber auch ein wenig schon den Aufbau von weiteren Long-Positionen beobachten, die eine andere Erwartungshaltung repräsentieren könnten. Jene nämlich, dass es auch andere Notenbanken der Bank of England gleichtun und den schwierigen geldpolitischen Straffungskurs verlassen werden.

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