Der Silberpreis steht vor einer Entscheidung, die es in sich hat. Nach der kräftigen Erholung aus dem Bereich um 56 US-Dollar notiert der Silber-Future (SI1!) aktuell bei 69,22 US-Dollar. Damit fehlen nur noch gut zwei Dollar bis zu einer Widerstandszone, an der die Käufer zuletzt regelmäßig ausgebremst wurden. Genau hier könnte sich entscheiden, ob Silber den nächsten Anlauf in Richtung 78,50 oder sogar 85 US-Dollar startet – oder ob die Rally zunächst wieder in sich zusammenfällt.
Für die kurzfristige Silberpreis Prognose ist deshalb vor allem eine Marke entscheidend: 71,50 US-Dollar. Dort treffen gleich zwei technisch wichtige Faktoren aufeinander. Neben dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt verläuft in diesem Bereich auch das 23,6-Prozent-Fibonacci-Retracement.
Das klingt zunächst ziemlich technisch. Dahinter steckt aber eine einfache Frage: Schaffen es die Käufer durch diese Zone, oder reicht ihre Kraft nach der jüngsten Rally nicht mehr aus?

Beim Silberpreis wird es jetzt richtig spannend
Die Ausgangslage könnte kaum interessanter sein. Auf der Unterseite wartet zwischen 64 und 65 US-Dollar eine kurzfristig wichtige Unterstützungszone. Auf der Oberseite steht bei 71,50 US-Dollar die große Hürde.
Silber steckt damit genau zwischen zwei Bereichen fest, die für die nächsten Handelstage entscheidend werden könnten.
Noch haben die Bullen dabei einige Argumente auf ihrer Seite. Der Silberpreis notiert klar oberhalb seines gleitenden 20-Tage-Durchschnitts, der aktuell bei rund 64,40 US-Dollar verläuft. Solange dieser Bereich hält, bleibt der kurzfristige Trend grundsätzlich intakt.
Auch der MACD spricht noch für steigende Kurse. Der Indikator liegt bei 2,06 und damit oberhalb seiner Signallinie von 1,51. Das Momentum zeigt also weiter nach oben.
Doch genau hier beginnt das Problem.
Denn während der Silberpreis steigt, nimmt das Handelsvolumen ab. Das muss nicht automatisch das Ende der Rally bedeuten. Es zeigt allerdings, dass hinter den höheren Kursen zunehmend weniger Überzeugung steckt. Für Momentum-Trader ist das ein erstes Warnsignal.
Hinzu kommt der Relative-Stärke-Index. Der RSI ist inzwischen auf 64,15 gestiegen und nähert sich damit der überkauften Zone. Silber ist technisch also noch nicht überhitzt, aber eben auch längst nicht mehr so günstig positioniert wie zu Beginn der Erholung.
Die Käufer haben das Momentum. Aber sie müssen jetzt liefern.
71,50 Dollar werden zur Schicksalsmarke
Genau deshalb dürfte der Bereich um 71,50 US-Dollar so wichtig werden.
Das Besondere daran ist nicht nur der Kurs selbst. Dort kommen gleich mehrere technische Signale zusammen. Der gleitende 200-Tage-Durchschnitt und das 23,6-Prozent-Fibonacci-Retracement liegen praktisch auf derselben Höhe.
Solche Überschneidungen sind an der Börse besonders interessant. Nicht weil irgendein einzelner Indikator den Kurs magisch drehen kann. Sondern weil viele Marktteilnehmer gleichzeitig dieselben Marken beobachten.
Trendfolger achten auf gleitende Durchschnitte. Andere Trader orientieren sich an Fibonacci-Niveaus. Treffen beide in einem engen Bereich zusammen, kann sich dort entsprechend viel Kauf- und Verkaufsinteresse bündeln.
Für die Silberpreis Prognose bedeutet das: Rund um 71,50 US-Dollar dürfte es ernst werden.
Ein nachhaltiger Anstieg über diesen Bereich würde die Ausgangslage für die Bullen deutlich verbessern. Oberhalb von 72,50 US-Dollar wären die aktuell diskutierten Short-Szenarien technisch sogar hinfällig.
Dann würden als nächste Ziele zunächst 78,50 US-Dollar und anschließend 85,00 US-Dollar in den Fokus rücken.
Scheitert Silber dagegen erneut bei 71,50 US-Dollar, könnte genau diese Zone zum Ausgangspunkt für die nächste größere Korrektur werden.
Das wäre das bullische Szenario beim Silberpreis
Wer auf weiter steigende Silberpreise setzt, hat nach der aktuellen technischen Analyse grundsätzlich zwei Möglichkeiten.
Die aggressivere Variante wäre ein Rücksetzer in Richtung 64,50 US-Dollar. Dort würde Silber wieder in die Nähe seines 20-Tage-Durchschnitts zurückkommen. Der Einstieg erfolgt damit nicht mitten in der aktuellen Bewegung, sondern an einer technisch wichtigen Unterstützung.
Als Absicherung dient in diesem Szenario ein Niveau von rund 60,50 US-Dollar. Diese Marke liegt unterhalb des SuperTrend-Indikators.
Die möglichen Ziele bleiben klar definiert. Zunächst müsste Silber erneut die 71,50-US-Dollar-Marke überwinden. Danach wären 78,50 US-Dollar und schließlich 85,00 US-Dollar denkbar.
Je nachdem, welches dieser Ziele erreicht wird, liegt das Risiko-Chance-Verhältnis zwischen ungefähr 1 zu 1,75 und 1 zu 5,1. Die technische Überzeugung für dieses Szenario wird derzeit als mittel eingestuft.
Etwas vorsichtiger könnten Anleger erst bei rund 65,50 US-Dollar aktiv werden. Der Gedanke dahinter ist simpel: Erst soll sich bestätigen, dass sich der Bereich um den 20-Tage-Durchschnitt tatsächlich als Unterstützung behaupten kann.
Auch hier liegt die Absicherung bei etwa 60,50 US-Dollar. Die Kursziele ändern sich ebenfalls nicht: 71,50, 78,50 und 85,00 US-Dollar.
Für mich liegt der entscheidende Punkt dabei weniger in den exakten Einstiegskursen als in der Struktur. Die Bullen brauchen einen stabilen Rücksetzer oder einen klaren Ausbruch. Einfach bei 69 US-Dollar hinterherzulaufen, während wenige Dollar darüber ein massiver Widerstand wartet, bietet derzeit kein besonders attraktives Verhältnis zwischen Chance und Risiko.
Doch auch die Bären bekommen ihre Chance
Genau umgekehrt sieht die Rechnung für Anleger aus, die mit einem erneuten Scheitern der Rally rechnen.
Das aggressive bärische Szenario setzt auf einen Richtungswechsel direkt im Bereich um 71,50 US-Dollar. Genau dort wartet der 200-Tage-Durchschnitt und damit der zentrale Widerstand der aktuellen Bewegung.
Die Absicherung läge bei 75,25 US-Dollar. Diese Marke entspricht ungefähr dem 1,5-Fachen der aktuellen Average True Range oberhalb des Einstiegs.
Fällt Silber tatsächlich wieder zurück, wären zunächst 64,50 US-Dollar ein mögliches Ziel. Darunter folgen 61,50 und schließlich 58,00 US-Dollar.
Das Risiko-Chance-Verhältnis bewegt sich damit je nach Kursziel zwischen ungefähr 1 zu 1,8 und 1 zu 3,6. Auch dieses Setup erhält derzeit lediglich eine mittlere technische Überzeugung.
Die konservativere Variante wartet dagegen erst auf einen bestätigten Abpraller und sieht einen möglichen Einstieg bei etwa 71,00 US-Dollar vor. Der Stopp bleibt bei 75,25 US-Dollar, ebenso die möglichen Ziele bei 64,50, 61,50 und 58,00 US-Dollar.
Auch hier gilt jedoch eine klare Grenze: Steigt der Silberpreis über 72,50 US-Dollar, verliert das Short-Szenario seine technische Grundlage.
Eine Sache würde das bullische Bild zerstören
So vielversprechend die Erholung des Silberpreises bislang aussieht: Auch die Käufer haben eine Marke, die sie besser nicht verlieren sollten.
Bei 61,54 US-Dollar verläuft aktuell der SuperTrend. Ein Rückfall unter dieses Niveau würde die bullischen Szenarien deutlich beschädigen und die bisherige Aufwärtsstruktur infrage stellen.
Damit entsteht ein recht klares Bild.
Oberhalb von 72,50 US-Dollar gewinnen die Bullen deutlich an Argumenten. Unterhalb von 61,54 US-Dollar würde sich die Lage dagegen spürbar eintrüben.
Und dazwischen?
Genau dort liegt momentan das Problem.
Insbesondere im Bereich zwischen 67 und 70 US-Dollar ergibt sich laut der technischen Analyse aktuell kein überzeugender Vorteil für eine der beiden Seiten. Silber steht zwar nahe am Widerstand, hat ihn aber noch nicht erreicht beziehungsweise überwunden. Gleichzeitig ist der Kurs zu weit von der wichtigsten kurzfristigen Unterstützung entfernt, um dort bereits ein besonders attraktives bullisches Setup zu liefern.
Manchmal ist an der Börse eben auch Nichtstun eine Position.
Der Silber-Chart sendet bereits ein Warnsignal
Dazu passt auch die Kerzenstruktur vom 26. August. Im Tageschart ist ein Doji entstanden.
Bei einem Doji liegen Eröffnungs- und Schlusskurs relativ eng beieinander. Das zeigt, dass sich Käufer und Verkäufer während des Handelstages weitgehend die Waage hielten.
Direkt unter einem entscheidenden Widerstand ist das durchaus bemerkenswert. Denn nach der starken Bewegung nach oben schaffen es die Käufer momentan nicht, den Silberpreis einfach weiter durchzudrücken.
Das bedeutet nicht automatisch, dass eine Korrektur bevorsteht. Es zeigt aber sehr deutlich, dass die Leichtigkeit der vorherigen Aufwärtsbewegung nachlässt.
Auf der anderen Seite steht das bereits abgeschlossene V-Bottom-Muster. Silber hatte zuvor im Bereich um 56 US-Dollar einen markanten Boden ausgebildet und sich von dort kräftig erholt. Diese V-förmige Gegenbewegung gilt laut Chartanalyse inzwischen als vollständig vollzogen.
Genau deshalb ist die Situation jetzt eine andere als noch am Tief.
Die einfache Erholungsstory ist gespielt. Nun muss Silber beweisen, ob daraus ein neuer nachhaltiger Aufwärtstrend werden kann.
Die sinkenden Umsätze könnten zum Problem werden
Besonders aufmerksam würde ich derzeit auf die Handelsumsätze schauen.
Denn obwohl der Silberpreis gestiegen ist, nehmen die Volumina ab. Für eine starke Rally ist das nicht ideal.
Steigende Kurse sind normalerweise überzeugender, wenn immer mehr Marktteilnehmer bereit sind, auf höheren Niveaus zu kaufen. Läuft der Preis dagegen nach oben, während das Volumen zurückgeht, kann das darauf hindeuten, dass der Bewegung langsam die Käufer ausgehen.
Noch ist das lediglich ein Warnsignal. Aber in Verbindung mit dem nahenden Widerstand bei 71,50 US-Dollar und einem RSI von 64,15 bekommt es zusätzliches Gewicht.
Hinzu kommt die weiterhin enorme Schwankungsbreite.
Die Average True Range, kurz ATR, liegt aktuell bei 2,51 US-Dollar. Das entspricht rund 3,6 Prozent des aktuellen Silberpreises.
Anders gesagt: Bewegungen von mehreren Dollar innerhalb kurzer Zeit sind derzeit nichts Außergewöhnliches.
Das ist gerade bei der Interpretation technischer Marken wichtig. Silber kann einzelne Kursniveaus kurzfristig überschießen oder unterschreiten, ohne dass damit sofort ein neuer Trend entstanden sein muss. Ein echter Ausbruch sollte deshalb idealerweise bestätigt werden.
Genau das können Anleger aus der aktuellen Lage lernen
Die derzeitige Situation beim Silberpreis zeigt sehr schön, warum einzelne technische Indikatoren selten isoliert betrachtet werden sollten.
Der gleitende 20-Tage-Durchschnitt liefert aktuell eine wichtige kurzfristige Unterstützung. Weiter oben trifft der 200-Tage-Durchschnitt bei rund 71,50 US-Dollar auf das 23,6-Prozent-Fibonacci-Retracement.
Genau diese Konvergenz macht die Zone so interessant.
Wenn verschiedene Indikatoren nahezu dasselbe Kursniveau markieren, beobachten besonders viele Marktteilnehmer diesen Bereich. Dadurch kann aus einer rein mathematischen Marke ein psychologisch wichtiger Preisbereich werden.
Das ist letztlich auch der Grund, weshalb Unterstützung und Widerstand überhaupt funktionieren können. Nicht weil ein gleitender Durchschnitt weiß, wohin Silber als Nächstes steigt oder fällt. Sondern weil genügend Marktteilnehmer auf dieselbe Marke reagieren.
Die kommenden Handelstage könnten dafür ein besonders gutes Praxisbeispiel liefern.
Mein Fazit zur Silberpreis Prognose
Der Silberpreis hat seit dem Tief um 56 US-Dollar eine beeindruckende Erholung hingelegt. Der kurzfristige Trend zeigt weiterhin nach oben, der MACD bleibt positiv und der Kurs notiert deutlich oberhalb seines 20-Tage-Durchschnitts.
Doch ausgerechnet jetzt kommen mehrere Warnzeichen zusammen.
Der RSI nähert sich der überkauften Zone, die Handelsumsätze gehen zurück und nur wenig oberhalb des aktuellen Kurses wartet mit 71,50 US-Dollar eine technisch außergewöhnlich wichtige Hürde. Dazu kommt der Doji im Tageschart, der zeigt, dass sich Käufer und Verkäufer zunehmend neutralisieren.
Deshalb würde ich aktuell vor allem auf eines achten: die Reaktion bei 71,50 US-Dollar.
Schafft Silber den nachhaltigen Ausbruch und steigt anschließend über 72,50 US-Dollar, verbessert sich das Chartbild deutlich. Dann könnten 78,50 und später sogar 85 US-Dollar in Reichweite rücken.
Scheitert der Silberpreis dagegen erneut an diesem Widerstand, wären 64,50 sowie 61,50 US-Dollar die nächsten entscheidenden Marken. Im stärkeren Abwärtsszenario würde sogar der Bereich um 58 US-Dollar wieder ins Blickfeld rücken.
Die vermutlich schlechteste Position liegt momentan genau dazwischen. Zwischen 67 und 70 US-Dollar bietet der Chart weder Bullen noch Bären einen klaren Vorteil.
Die große Bewegung könnte also unmittelbar bevorstehen. Nur die Richtung muss Silber jetzt noch zeigen.
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