Der Goldpreis meldet sich zurück. Nach dem deutlichen Rücksetzer vom Vortag legte das Edelmetall am Donnerstag im asiatischen Handel wieder zu. Der Grund: Anleger wittern eine leichte Entspannung im Nahen Osten, gleichzeitig warten sie auf neue Signale vom US-Arbeitsmarkt. Genau diese Daten könnten jetzt darüber entscheiden, ob Gold weiter steigt oder erneut unter Druck gerät.
Der Spot-Goldpreis kletterte um 0,6 % auf 4.460,3 US-Dollar je Unze. Die US-Gold-Futures stiegen um 0,5 % auf 4.486,53 US-Dollar je Unze. Das klingt zunächst nach einer ruhigen Bewegung. Doch der Hintergrund ist alles andere als ruhig. Denn am Vortag war der Goldpreis noch um mehr als 1 % gefallen, weil ein stärkerer US-Dollar das Edelmetall belastete.
Jetzt stellt sich die entscheidende Frage: War das nur eine kurze Gegenbewegung? Oder baut sich beim Goldpreis gerade die nächste große Bewegung auf?
Goldpreis zwischen Hoffnung und Angst
Gold steht derzeit im Zentrum zweier mächtiger Kräfte. Auf der einen Seite gibt es die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten. Solche Risiken treiben Anleger traditionell in sichere Häfen. Und Gold ist genau dieser klassische sichere Hafen, wenn die Lage an den Märkten unübersichtlich wird.
Auf der anderen Seite stehen die Zinsen in den USA. Genau hier liegt das Problem. Wenn die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen länger hoch hält, wird Gold für viele Investoren weniger attraktiv. Der Grund ist einfach: Gold wirft keine Zinsen ab. Staatsanleihen oder andere verzinste Anlagen können in einem Hochzinsumfeld plötzlich interessanter wirken.
Für dich als Anleger bedeutet das: Der Goldpreis hängt im Moment nicht nur an politischen Schlagzeilen aus dem Nahen Osten. Er hängt auch an jeder neuen Zahl aus den USA. Und genau deshalb blicken die Märkte jetzt so nervös auf die kommenden Arbeitsmarktdaten.
Waffenruhe im Nahen Osten: Reicht das wirklich?
Washington kündigte am späten Mittwoch eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon an. Das sorgte zunächst für etwas Entspannung am Markt. Allerdings ist diese Vereinbarung alles andere als sicher. Sie hängt davon ab, dass die Hisbollah ihre Feindseligkeiten einstellt.
Genau deshalb bleiben Investoren vorsichtig. Denn während die diplomatische Nachricht nach Entspannung klingt, sieht die militärische Realität weiterhin angespannt aus. Am Mittwoch gab es Berichte über iranische Raketenangriffe auf Kuwait und Bahrain. Gleichzeitig führten die USA Angriffe auf die iranische Insel Qeshm nahe der Straße von Hormus durch.
Auch Israel verschärfte in den vergangenen Tagen seine militärischen Operationen im Süden des Libanon. Ziel waren Gebiete, die von der Hisbollah kontrolliert werden. Das zeigt: Von einer echten Beruhigung kann noch keine Rede sein.
Für den Goldpreis ist diese Lage brisant. Denn sobald Anleger das Gefühl bekommen, dass der Konflikt wieder eskaliert, kann die Nachfrage nach Gold schnell steigen. Umgekehrt können Nachrichten über eine mögliche Waffenruhe den Druck aus dem Markt nehmen. Genau dieses Hin und Her macht den Goldpreis aktuell so schwer berechenbar.
Ölpreise geben nach und nehmen etwas Druck von der Inflation
Ein weiterer wichtiger Faktor war der Ölmarkt. Die Ölpreise gaben am Donnerstag im asiatischen Handel nach, nachdem sie zuvor drei Handelstage in Folge gestiegen waren. Das ist für die Märkte wichtig, weil steigende Energiepreise die Inflation wieder anheizen können.
Und genau davor hatten viele Anleger zuletzt Angst. Wenn Öl teurer wird, steigen häufig auch Transportkosten, Produktionskosten und am Ende möglicherweise die Verbraucherpreise. Für die Fed wäre das ein Grund, vorsichtiger mit Zinssenkungen zu sein.
Der Rückgang der Ölpreise nahm deshalb kurzfristig etwas Druck von den Inflationssorgen. Für den Goldpreis ist das aber kein einfaches Signal. Weniger Inflation kann Gold als Inflationsschutz etwas weniger attraktiv machen. Gleichzeitig könnten niedrigere Inflationssorgen der Fed mehr Spielraum für spätere Zinssenkungen geben. Und das wäre wiederum positiv für Gold.
Genau deshalb ist die aktuelle Lage so spannend: Gute Nachrichten können für den Goldpreis schlecht sein. Schlechte Nachrichten können ihn stützen. Und manchmal wirkt beides gleichzeitig.
Jetzt schaut alles auf den US-Arbeitsmarkt
Der wichtigste Termin der Woche steht noch bevor. Am Freitag wird der Bericht zu den Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft veröffentlicht, die sogenannten Nonfarm Payrolls. Dieser Arbeitsmarktbericht zählt zu den wichtigsten Datenpunkten für die Federal Reserve.
Warum? Weil ein starker Arbeitsmarkt der Fed zeigt, dass die US-Wirtschaft weiterhin robust ist. In diesem Fall müsste die Notenbank die Zinsen nicht schnell senken. Das wäre eher negativ für Gold. Ein schwächerer Arbeitsmarkt hingegen könnte die Erwartungen an Zinssenkungen wieder verstärken. Das könnte dem Goldpreis neuen Rückenwind geben.
Bereits am Mittwoch gab es einen Vorgeschmack. Der Arbeitsmarktdienstleister ADP meldete, dass private Arbeitgeber in den USA im Mai 122.000 neue Stellen geschaffen haben. Das lag über den Erwartungen der Ökonomen und war besser als der Zuwachs im Vormonat.
Für die Börse ist das auf den ersten Blick eine solide Nachricht. Für Gold ist es aber komplizierter. Denn ein robuster Arbeitsmarkt kann bedeuten, dass die Fed länger hart bleibt. Und länger hohe Zinsen sind genau das, was Gold normalerweise belastet.
Inflationssignal aus dem Dienstleistungssektor schreckt Anleger auf
Noch ein Punkt macht die Lage für den Goldpreis heikel. Die ISM-Umfrage vom Mittwoch zeigte, dass ein Maß für die von US-Dienstleistungsunternehmen gezahlten Preise auf den höchsten Stand seit 2022 gestiegen ist. Auslöser waren höhere Kosten für Erdölprodukte und andere Rohstoffe.
Das ist ein Warnsignal. Denn wenn Unternehmen mehr für Vorprodukte, Energie und Rohstoffe zahlen, können diese Kosten später an Kunden weitergegeben werden. Genau daraus kann neuer Inflationsdruck entstehen.
Für die Federal Reserve ist das ein heikler Mix: ein robuster Arbeitsmarkt und gleichzeitig steigende Preissignale im Dienstleistungssektor. Das verstärkt die Erwartung, dass die Fed die Zinsen länger auf erhöhtem Niveau halten könnte.
Für den Goldpreis ist das der zentrale Gegenwind. Solange Anleger glauben, dass die Zinsen länger hoch bleiben, hat Gold es schwerer, eine klare Rallye zu starten. Doch sobald Zweifel an dieser Zinspolitik aufkommen, kann sich das Bild sehr schnell drehen.
Der Dollar bleibt der heimliche Gegner des Goldpreises
Auch der US-Dollar spielte wieder eine wichtige Rolle. Der US-Dollar-Index gab am Donnerstag um 0,1 % nach, nachdem er in der vorherigen Sitzung auf ein Zweimonatshoch gestiegen war.
Das half Gold etwas. Denn ein schwächerer Dollar macht Gold für Käufer außerhalb der USA günstiger. Dadurch kann die Nachfrage steigen. Genau deshalb bewegt sich Gold häufig entgegengesetzt zum Dollar.
Aber hier solltest du genau hinschauen. Der kleine Rückgang des Dollar-Index ändert nichts daran, dass der Dollar zuletzt stark war. Sollte der Dollar wieder anziehen, könnte der Goldpreis erneut unter Druck geraten. Vor allem dann, wenn die US-Daten am Freitag stärker ausfallen als erwartet.
Auch Silber und Platin ziehen an
Nicht nur der Goldpreis konnte zulegen. Auch andere Edelmetalle waren gefragt. Silber stieg um 0,5 % auf 73,11 US-Dollar je Unze. Platin gewann 0,7 % und notierte bei 1.875,60 US-Dollar je Unze.
Das zeigt, dass die Bewegung nicht nur auf Gold beschränkt war. Der gesamte Edelmetallsektor bekam etwas Unterstützung. Trotzdem bleibt Gold der wichtigste Gradmesser für die Stimmung der Anleger. Denn Gold reagiert besonders stark auf geopolitische Risiken, Zinserwartungen und Bewegungen beim US-Dollar.
Mein Fazit zum Goldpreis
Der Goldpreis steht an einem entscheidenden Punkt. Die leichte Erholung am Donnerstag sieht auf den ersten Blick unspektakulär aus. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Eine mögliche Waffenruhe im Nahen Osten nimmt zwar etwas Angst aus dem Markt. Gleichzeitig zeigen neue militärische Spannungen, dass die Lage jederzeit wieder eskalieren kann.
Noch wichtiger wird jetzt aber der Blick auf die USA. Der Arbeitsmarktbericht am Freitag könnte die nächste große Richtung vorgeben. Starke Daten würden die Erwartung stützen, dass die Fed die Zinsen länger hoch hält. Das wäre Gegenwind für Gold. Schwächere Daten könnten dagegen neue Zinssenkungsfantasie auslösen und dem Goldpreis helfen.
Für Anleger heißt das: Beim Goldpreis ist jetzt Geduld gefragt. Die großen Treiber sind klar. Nahost, Inflation, US-Dollar und Fed-Zinsen bestimmen die Richtung. Wer Gold beobachtet, sollte deshalb nicht nur auf den aktuellen Kurs schauen, sondern auf die Signale dahinter. Denn genau dort entscheidet sich, ob die Erholung trägt oder ob der nächste Rücksetzer folgt.
Risikohinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt weder Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien, Rohstoffen und anderen Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.
Es wird alles unternommen, um genaue und vollständige Informationen bereitzustellen. Doch mit den Tausenden zur Verfügung gestellten Dokumenten, die oft innerhalb kurzer Zeit hochgeladen werden, können wir nicht garantieren, dass keine Fehler auftreten. Jede Wiederveröffentlichung oder Weiterverbreitung von FXStreet Inhalten ist ohne die vorherige schriftliche Zustimmung von FXStreet verboten. Der Handel mit Devisen auf Margin (Verrechnungskonto) trägt ein hohes Risiko und ist möglicherweise nicht für alle Investoren geeignet. Der hohe Hebel kann gegen Sie, sowie für Sie arbeiten. Vor der Entscheidung am Devisenmarkt zu handeln, sollten Sie sorgfältig Ihre Anlageziele, Erfahrung und Risikobereitschaft prüfen. Es besteht die Möglichkeit, dass Sie einen Verlust einiger oder aller Ihrer Investitionen erleiden und deshalb sollten Sie kein Geld investieren, dass Sie sich nicht leisten können zu verlieren. Sie sollten sich aller Risiken bewusst sein, die mit dem Devisenhandel verbunden sind und konsultieren Sie einen unabhängigen Finanzberater, wenn Sie irgendwelche Zweifel haben. Alle Meinungen, Nachrichten, Forschungen, Analysen, Kurse oder andere Informationen, welche diese Informationen enthalten, die von FXStreet, seinen Angestellten, Mitarbeitern oder Partnern bereit gestellt werden, sind als allgemeine Marktkommentare zu verstehen und bieten keine Anlageberatung. FXStreet übernimmt keine Haftung für irgendwelche Verluste oder Schäden, einschließlich, ohne Beschränkung auf entgangene Gewinne, die direkt oder indirekt mit der Verwendung oder im Vertrauen auf diese Informationen entstehen.
NEUESTE NACHRICHTEN
Autor wählen
XRP News: Ripple kämpft sich zurück – Anleger bleiben dennoch vorsichtig
Ripple (XRP) hat sich am Mittwoch zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts von der Unterstützung bei 1,20 US-Dollar gelöst und ist wieder über 1,23 US-Dollar gestiegen. Damit macht die Kryptowährung einen Teil der Verluste wett, die der breite Kryptomarkt infolge der zunehmenden Spannungen im Nahen Osten verzeichnet hatte. Die Risikobereitschaft an den Finanzmärkten bleibt insgesamt gedämpft.
Silberpreis explodiert: HSBC hebt Prognose deutlich an – aber warnt vor genau diesem Risiko
Goldpreis steigt wieder: Jetzt entscheidet ein einziger US-Bericht über die nächste Bewegung
Hyperliquid: ETF-Nachfrage, Kapitalrotation treiben HYPE-Rallye an, während Bitcoin einbricht
Der Hyperliquid-Preis hält am Donnerstag einen Aufwärtstrend in der Nähe seines Allzeithochs von 75,76 USD aufrecht, nachdem er im Mai um 80 % gestiegen ist, während Bitcoin (BTC) unter 65.000 USD zurückfällt und eine marktweite Panik auslöst