Volkmar Baur von der Commerzbank bringt die politische Lage in Japan mit den Bewegungen des japanischen Yen in Verbindung. Der deutliche Wahlsieg von Premierministerin Sanae Takaichi und die Zweidrittelmehrheit eröffnen Spielraum für eine expansive, aber „verantwortungsvolle und proaktive“ Fiskalpolitik, einschließlich einer befristeten Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel. An den Märkten dürfte die Nervosität wegen steigender Defizite anhalten, während die Commerzbank Japans Netto-Schulden- und Vermögensposition als stabilisierend einstuft.

Reformen, Haushaltsrisiken und Marktunruhe

„Premierministerin Takaichis Liberaldemokratische Partei (LDP) gewann bei den Neuwahlen am 8. Februar 316 von 465 Sitzen. Das ist mehr als jemals zuvor in der Nachkriegszeit seit 1955.“

„Dank der Zweidrittelmehrheit wird die LDP künftig auch die volle Kontrolle über alle Ausschüsse im Repräsentantenhaus haben, einschließlich des Haushaltsausschusses. Die LDP wird ihre Vorstellung einer ‚verantwortungsvollen und proaktiven‘ Fiskalpolitik daher ohne Kompromisse mit anderen Parteien umsetzen können.“

„Nach dem Wahlsieg betonte Takaichi, sie wolle ihr Versprechen einhalten, die Mehrwertsteuer auf Lebensmittel für zwei Jahre auszusetzen. Schätzungen zufolge könnte dies rund 5 Billionen Yen pro Jahr kosten, was etwa 0,8 % des japanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht.“

„Der Markt ist daher nervös, dass ein weiterer deutlicher Anstieg des Haushaltsdefizits zu einer nicht tragfähigen Finanzlage führen könnte. Wir beurteilen die Situation jedoch etwas gelassener.“

„Insgesamt ergibt sich daraus eine Nettoverschuldung von knapp 70 % des BIP, wodurch Japans Schulden deutlich weniger besorgniserregend erscheinen.“

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