Der Bitcoin ist am Donnerstag zeitweise in Richtung der Marke von 58.000 US-Dollar gefallen. Belastet wurde die Kryptowährung von zunehmender makroökonomischer Unsicherheit, einer nachlassenden Überzeugung kurzfristiger Anleger sowie umfangreichen Liquidationen gehebelter Positionen, die den Verkaufsdruck am Kryptomarkt verstärkten.

Der Rückgang erfolgte parallel zu einer kräftigen Kehrtwende an den US-Aktienmärkten, bei der der S&P-500-Index rund 1 Billion US-Dollar an Börsenwert einbüßte. Gleichzeitig fiel der Bitcoin erstmals seit 21 Monaten kurzzeitig auf 58.000 US-Dollar.

Dynamik bei kurzfristigen Anlegern schwächt sich weiter ab

Nach Angaben von CryptoQuant mehren sich die Anzeichen für eine nachlassende spekulative Nachfrage. So ist die Kennzahl zur Jahresveränderung des Realized Price kurzfristiger Anleger (Short-Term Holder, STH) weiter in den negativen Bereich gerutscht.

Der Wert fiel von rund minus 2,4 Prozent Mitte März auf etwa minus 24 Prozent am Dienstag. Das deutet darauf hin, dass jüngere Käufer deutlich niedrigere Einstiegsniveaus aufweisen als Investoren vor einem Jahr.

CryptoQuant erklärte, die anhaltende Verschlechterung spiegele die sinkende Beteiligung kurzfristig orientierter Marktteilnehmer wider. Allerdings liege der aktuelle Wert noch über den Niveaus früherer Bärenmarktphasen, in denen die Kennzahl typischerweise auf minus 55 bis minus 65 Prozent gefallen sei.

„Diese Niveaus fielen mit Phasen einer massiven Neubewertung der Einstandskosten kurzfristiger Anleger zusammen, nach denen sich die Marktbedingungen schließlich wieder verbesserten“, schrieb der CryptoQuant-Analyst Zizcrypto.

Zwar könnte sich der Bitcoin-Kurs bereits erholen, bevor sich der Indikator dreht. Nach Einschätzung des Analysehauses gibt es derzeit jedoch noch keine Hinweise auf eine nachhaltige Rückkehr des Vertrauens kurzfristiger Anleger.

Inflationssorgen lösen breiten Ausverkauf aus

Das schwache Onchain-Bild fiel mit einem deutlichen Ausverkauf an den traditionellen Finanzmärkten zusammen. Der Börsenbrief The Kobeissi Letter führte die Verluste auf neu aufflammende Inflationssorgen sowie Bedenken über die steigenden Kosten für den Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz zurück.

Zunächst hatten die Märkte die US-Daten zu den privaten Konsumausgaben (PCE) weitgehend ignoriert, obwohl diese für Mai einen Anstieg der Inflation auf 4,1 Prozent und damit den höchsten Stand seit April 2023 auswiesen. Kurz darauf gerieten die Aktienmärkte jedoch deutlich unter Druck. Die Apple-Aktie verlor fast 6 Prozent, nachdem der Konzern Preiserhöhungen für seine Produkte angekündigt hatte.

Die allgemeine Flucht aus risikoreichen Anlagen griff anschließend auch auf digitale Vermögenswerte über. Innerhalb von rund einer Stunde wurden gehebelte Long-Positionen auf Bitcoin im Volumen von etwa 500 Millionen US-Dollar liquidiert, was den Rückgang der Kryptowährung in Richtung 58.000 US-Dollar zusätzlich beschleunigte.

Schwäche bei STRC belastet Finanzierungsausblick von Strategy

Zusätzliche Unsicherheit entstand laut Arkham Intelligence durch wachsende Sorgen um die unbefristeten STRC-Vorzugsaktien von Strategy.

Nach Einschätzung des Unternehmens spiegelt der Kursrückgang der STRC-Aktien um rund 25 Prozent unter ihren Nennwert von 100 US-Dollar vor allem Zweifel daran wider, ob Strategy die jährlichen Dividendenzahlungen von 1,2 Milliarden US-Dollar dauerhaft aufrechterhalten kann. Ein unmittelbar bevorstehender Zusammenbruch werde daraus jedoch nicht abgeleitet.

Anders als beim algorithmischen Stablecoin-Modell von Terra verfüge STRC weder über einen Mechanismus für Zwangsliquidationen noch über eine verpflichtende Dividendenzahlung, die eine Abwärtsspirale auslösen könnte.

Arkham warnte jedoch, dass eine anhaltende Schwäche der Vorzugsaktien künftige Kapitalaufnahmen erschweren könnte. Sollte das Interesse der Investoren weiter nachlassen, könnte dies die langfristige Strategie von Strategy zum Aufbau weiterer Bitcoin-Bestände bremsen.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte der Bitcoin bei 59.770 US-Dollar und damit knapp 2 Prozent unter dem Niveau des Vortages.


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