Bitcoin (BTC) ist am Donnerstag unter die Marke von 64.000 US-Dollar gefallen. Nachlassende Nachfrage am Markt und zunehmender Verkaufsdruck durch kurzfristig orientierte Anleger belasteten die größte Kryptowährung. In einem insgesamt risikoscheuen Marktumfeld rutschte der Kurs zeitweise in Richtung von 63.000 Dollar. Mehrere Kennzahlen deuten dabei auf eine der schwierigsten Phasen des aktuellen Marktzyklus hin.
Bitcoin-Nachfrage fällt auf schwächsten Stand des laufenden Zyklus
Die weltweite Nachfrage nach Bitcoin ist auf den niedrigsten Stand seit dem vorherigen Bärenmarkt gesunken. Das deutet auf eine Abschwächung der Aktivitäten sowohl am Kassamarkt als auch im Derivatehandel hin, schrieb der CryptoQuant-Analyst Darkfost am Donnerstag in einem Marktkommentar.
Nach Angaben des Analysten ist die Spot-Nachfrage auf kumulierter 30-Tage-Basis auf minus 272.000 BTC gefallen und befindet sich bereits seit dem Großteil des Jahres im negativen Bereich. Auch die Nachfrage nach Futures-Kontrakten ging zurück und erreichte minus 229.000 BTC. Insgesamt summiert sich der Nachfragerückgang damit auf rund 501.000 BTC. Die Zahlen deuten darauf hin, dass der Verkaufsdruck trotz zeitweiser institutioneller Käufe weiterhin stärker ist als die Nachfrage.

Bitcoin: Wachstum der Spot- und Perpetual-Futures-Nachfrage (30-Tage-Summe). Quelle: CryptoQuant
Als Ursache für die Schwäche nennt der Analyst ein schwieriges makroökonomisches Umfeld mit hohen Anleiherenditen, anhaltendem Inflationsdruck sowie wachsender geopolitischer Unsicherheit rund um die Straße von Hormus.
„In diesem Umfeld fließt die verfügbare Liquidität verstärkt in Aktienmärkte, die von Technologie- und KI-Werten angetrieben werden, oder auch in den Devisenmarkt und Edelmetalle“, schrieb Darkfost.
Kurzfristige Anleger kapitulieren in großem Stil
Auch kurzfristig orientierte Bitcoin-Investoren verzeichneten ihre bislang größte Kapitulationsphase des Jahres. Laut einem weiteren CryptoQuant-Kommentar des Analysten MorenoDV wurden rund 53.800 BTC mit Verlust an Börsen transferiert, während Zuflüsse aus profitablen Positionen auf null zurückgingen. Das Ungleichgewicht verdeutlicht die zunehmende Nervosität unter jüngeren Marktteilnehmern, deren Buchverluste weiter anwachsen.
Der Analyst betonte jedoch, dass solche Kapitulationsereignisse zwar häufig in der Nähe lokaler Tiefpunkte auftreten, aber nicht als eigenständiges Signal für eine Trendwende betrachtet werden sollten.
„Historisch gesehen häufen sich Spitzen bei verlustgetriebenen Zuflüssen kurzfristiger Anleger rund um lokale Kapitulationsereignisse. Sie markieren das Ausscheiden schwacher Marktteilnehmer und die Übertragung des Angebots von stark gehebelten Späteinsteigern auf überzeugtere Investoren – eine Form von Stress, die häufig einem lokalen Tief vorausgeht, dieses aber niemals garantiert“, schrieb MorenoDV.
Gleichzeitig warnte der Analyst, dass anhaltende Abflüsse die laufende Korrektur verlängern könnten, falls sich die Nachfrage nicht wieder erhole.

Bitcoin: Gewinn- und Verlustbilanz kurzfristiger Anleger bei Börsenzuflüssen binnen 24 Stunden. Quelle: CryptoQuant
Verluste bei Strategy erhöhen den Marktdruck
Zusätzlichen Druck erhielt der Markt, nachdem Strategy am Montag seinen ersten Bitcoin-Verkauf seit mehr als vier Jahren bekanntgegeben hatte. Das Unternehmen veräußerte 32 BTC für rund 2,5 Millionen US-Dollar, um Dividendenzahlungen für Vorzugsaktien zu finanzieren. Dies belastete die Stimmung am Markt zusätzlich.
Nach Angaben des Finanzdienstes The Kobeissi Letter weist die Bitcoin-Position des Unternehmens inzwischen den höchsten nicht realisierten Verlust seiner Geschichte auf. Dieser wird laut einem Beitrag auf der Plattform X vom Donnerstag auf rund 10,8 Milliarden US-Dollar geschätzt. Demnach liegt Strategy nach sechs Jahren kontinuierlicher Bitcoin-Käufe mit seiner Gesamtposition derzeit etwa 17 Prozent im Minus, während der S&P-500-Index im selben Zeitraum rund 116 Prozent zugelegt hat.
Bitcoin-Ausblick: Wichtige Unterstützung bei 62.520 Dollar im Fokus
Im Tageschart setzt Bitcoin seine Korrektur unterhalb der exponentiellen gleitenden Durchschnitte der vergangenen 20, 50 und 100 Handelstage fort. Diese bilden nun zwischen rund 72.900 und 75.800 US-Dollar einen gestaffelten Widerstandsbereich und sprechen kurzfristig weiterhin für ein negatives Marktbild.
Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt mit einem Wert von rund 18 tief im überverkauften Bereich. Auch der stochastische Oszillator signalisiert eine überverkaufte Marktlage. Dies deutet darauf hin, dass die Abwärtsdynamik bereits weit fortgeschritten sein könnte, auch wenn die genannten Durchschnittslinien den Kurs weiterhin deckeln.
BTC/USDT-Tageschart
Auf der Oberseite liegt ein erster Widerstand bei rund 65.103 US-Dollar. Darüber folgt ein Bereich um den 20-Tage-Durchschnitt bei 72.874 Dollar sowie das Kursniveau von 74.012 Dollar. Anschließend rücken der 50-Tage-Durchschnitt bei 74.769 Dollar und der 100-Tage-Durchschnitt bei 75.796 Dollar in den Fokus. Ein Tagesschlusskurs oberhalb dieser Zone wäre erforderlich, um den derzeitigen Abwärtsdruck spürbar zu verringern.
Auf der Unterseite gilt die Marke von 62.520 US-Dollar als unmittelbare Unterstützung. Weitere Auffangzonen liegen bei 59.058 und anschließend bei 55.770 Dollar. Dort müssten Käufer verstärkt eingreifen, um zu verhindern, dass sich die aktuelle Korrektur zu einer tiefergehenden Abwärtsbewegung ausweitet.
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