Wie üblich gehen zu Jahresbeginn die Goldpreisprognosen weit auseinander. Was aber könnte den Unterschied zwischen einer Goldpreisrallye zurück über die Marke von 2.000 USD pro Unze und einem Absturz des gelben Metalls auf unter 1.600 USD je Unze ausmachen?

Die Analysten von RBC Capital Markets haben diese Szenarien – Positiv- und Negativausblick – durchgespielt. Im positiven Szenario erwarten sie 2022 einen Anstieg des Goldpreises auf mehr als 2.024 USD pro Unze – im Durchschnitt. Im negativen Szenario rechnen Sie mit einem Rückgang in den Bereich von 1.576 USD pro Unze.

Den Unterschied zwischen den Prognosen macht aus, wie sich die Corona-Krise entwickelt und wie die Aktienmärkte dieses Jahr laufen.

Im Positivszenario für Gold, so RBC, würde die Inflation sich festsetzen und die Wirtschaft schlechter laufen als erwartet. Was bedeuten würde, dass die Risikobereitschaft der Anleger abnimmt, so die Analysten.

Das Basisszenario der Bank liegt nahe am Negativszenario, da sich der Ausblick zur US-Wirtschaft und zur Vorgehensweise der Federal Reserve ähneln. RBC rechnete im Basisszenario dieses Jahres mit einem durchschnittlichen Goldpreis von 1.695 USD pro Unze. Der Höchstwert würde demzufolge mit 1.749 USD im laufenden ersten Quartal verzeichnet und der niedrigste Durchschnittspreis mit 1.633 USD je Unze im vierten Quartal.

Laut RBC liegen das niedrige Szenario und das Basisszenario enger zusammen, da man glaubt, dass das Umfeld angesichts der vergangenen zwei Jahr nicht mehr viel risikoaverser werden könne. Zudem wachse die Wirtschaft vergleichsweise gut und auch die Situation am Arbeitsmarkt verbessere sich, hieß es.

Damit Gold in eine positive Spur kommen könne, müssten zwei „Gamechanger“-Faktoren auftreten, so die Experten. Sollte die COVID19-Krise wieder stärker ausbrechen und die Aktienmärkte hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnte dies das Interesse der Anleger wieder verstärkt auf Anlageklassen wie Gold lenken, glaubt RBC. Man gehe über das Jahr 2022 hin von steigenden Aktienmärkten aus, so die Analysten weiter. Sollte das aber nicht eintreten, könnte der Goldsektor möglicherweise Mittelzuflüsse verbuchen. Dann würde das obere Szenario greifen, glaubt RBC. Das Basisszenario sei das aber nicht.

Da die Fed plane, eventuell sogar schon im März mit den angekündigten Zinserhöhungen zu beginnen und da dieses Jahr mit drei Zinsanhebungen gerechnet werde, sei Gold weiter unter Druck, so RBC. Auch die Analysten selbst gehen von drei Zinserhöhungen im Jahr 2022 aus und davon, dass die Inflation hoch bleiben wird. Damit sei die Tür für eine erste Zinsanhebung im März offen. Fed-Chef Jerome Powell habe die US-Wirtschaft als viel stärker und näher an der Vollbeschäftigung beschrieben, was zur Aussicht auf drei Zinserhöhungen dieses Jahr passe.

Eine der größten Hürden, denen sich Gold im vergangenen Jahr gegenübergesehen habe, sei das mangelnde Interesse der Anleger, so RBC weiter. Damit Gold signifikant steigen kann, müsse sich das ändern. Und sollte das tatsächlich geschehen, dann sei ein Goldpreisanstieg wahrscheinlicher.

Allerdings sieht RBC eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Gold 2022 einen ähnlichen Verlauf nehmen wird wie 2021. Keiner der Faktoren, der im Verlauf des vergangenen Jahres eine Rolle gespielt habe, werde kurzfristig verschwinden. Sollte es keine wirklich große Veränderung im Makroausblick geben, so RBC, seien auch keine großen Sprünge bei Gold zu erwarten.

 


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