Vergangene Woche löste die US-Notenbank heftige Verwerfungen an den (Edelmetall-) Märkten aus. Es gibt natürlich weiterhin positive Stimmen zu Gold- und Silber, doch glauben einige Analysten auch, dass es einige Zeit dauern könnte, bis Gold den Verkaufsdruck abgearbeitet hat.

Die wöchentliche Umfrage des Brancheninformationsdienstes Kitco News zeigt jedenfalls, dass sich das Sentiment am Edelmetallmarkt nach dem jüngsten Absturz drastisch geändert hat. Schließlich verzeichnete das gelbe Metall die schwächste Wochenperformance seit März 2020 als die Finanzmärkte auf Grund der Corona-Krise in die Knie gingen. Laut dem Bericht ist zudem das Sentiment unter Privatanlegern auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang April angekommen, als der Goldpreis seine zweimonatige Rallye aufnahm.

Die Analysten von SIA Wealth Management sind laut Kitco der Ansicht, dass die Abwärtsbewegung im Goldpreis zwar signifikant sei, aber nicht überraschend komme. Charttechnisch gesehen, sei Gold vor dem Fed-Meeting überkauft gewesen, während der US-Dollar überverkauft gewesen sei.

SIA Wealth sieht die jüngste Preisveränderung deshalb als eine große Korrekturbewegung der überspannten Positionierung an allen Finanzmärkten an. Der gesamte Markt habe auf einen Anlass gewartet, sich auszubalancieren und diesen in dem Treffen der Notenbanker gefunden. Die Experten sehen noch etwas Abwärtspotenzial im Goldpreis, sind aber der Ansicht, dass eine Bewegung bis an die Marke von 1.700 USD eine große Zahl von Käufern anlocken würde.

In der letzten Kitco-Umfrage zum Goldpreis nahmen 18 Wall Street-Analysten teil, von denen zehn, oder 56%, mit einem fallenden Goldpreis rechneten. Auf einen bullishen oder neutralen Ausblick entfielen dabei jeweils vier Stimme oder 22%. Die Wall Street-Analysten sind also kurzfristig negativ für Gold gestimmt, doch betrachten dem Bericht zufolge viele Experten auch den Verkaufsdruck als vorübergehend und glauben, dass der Markt noch zurückkommen kann.

Gleichzeitig wurden von Marktbeobachtern und anderen Experten 2.174 Stimmen in der jüngsten Umfrage abgegeben, von denen 52% diese Woche einen Goldpreisanstieg erwarten, während 31% mit sinkenden Preisen rechnen.

Viele Analysten glauben, dass, obwohl potenzielle Zinserhöhungen noch zwei Jahre entfernt sind, die Änderung des Sentiments ausreiche, um die breite Anlegerschaft aufzuschrecken. Überhaupt, hieß es von SIA Wealth Management weiter, gehe es nicht um die tatsächliche Zinsprognose der Fed. Man berücksichtige keine solchen Prognosen, die zwei Jahre in die Zukunft reichen. Es sei aber klar geworden, dass die Fed darüber nachzudenken beginnt, wie sie die lockere Geldpolitik beenden könne. Schließlich könne man nicht für immer Geld drucken.

Einige Analysten betrachten laut Kitco die Reaktion des Goldmarktes auf die Fed als übertrieben. Wenn sich der Staub lege, hieß es, würde der niedrigere Preis eine Kaufgelegenheit darstellen. Man habe auf diese Korrektur gewartet und beginne nun langsam zu kaufen, so zum Beispiel die Analysten von Blue Line Futures laut Kitco. Man wolle sich für ein schwächeres Wirtschaftswachstum und eine höhere Inflation im zweiten Halbjahr in Stellung bringen, hieß es.

Bei Adrian Day Asset Management, rechnet man schon kurzfristig wieder mit einem höheren Goldpreis. Schlussendlich habe Fed-Chef Jerome Powell zugegeben, dass die Notenbanker keine Ahnung hätten, wie sie aus der Ecke wieder herauskommen sollten, in die sie sich selbst manövriert hätten. Die Fed habe zudem gesagt, dass es in den kommenden zwei Jahren keine Zinserhöhung geben werde und dass man „beginnen werde, darüber zu reden, wann man vielleicht darüber reden könnte, vielleicht zu beginnen, die lockere Geldpolitik zurückzunehmen“, so die Analysten. Das sei eigentlich sehr positiv für Gold, doch der Markt oder die Computeralgorithmen hätten nur gehört „steigende Zinsen voraus“. Adrian Day Asset Management vermutet, dass sich das Narrativ in den kommenden Tagen ändern und die Stimmung der Anleger von Panik auf bullish drehen werde.

 


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