• Der Handlungsspielraum der Europäischen Zentralbank ist angesichts der Coronavirus-Krise begrenzt.
  • Der Euro wird fallen, wenn die EZB zusätzliche geldpolitische Impulse gibt.
  • Ein Rückgang ist auch dann wahrscheinlich, wenn Lagarde den Ball einfach an die Politiker abgibt. 

Die Staats- und Regierungschefs der EU sind die einzigen, die die Macht haben, den Euro mit massiven fiskalischen Ausgaben anzukurbeln. 
Es wird für die Präsidentin Christine Lagarde nicht einfach werden, wenn sie in Anbetracht der Coronavirus Gesundheitskrise versucht, die Wirtschaft zu entlasten. 

Lange bevor die Welt von Covid-19 hörte, lag der Zins der Bank bei -0,50% - tief im negativen Bereich und schadete den Banken. Die EZB erhöhte auch die Liquidität, indem sie monatlich Anleihen im Wert von 20 Milliarden Euro kauft - wenn auch unter dem Höhepunkt des Quantitative Easing-Programms, das 80 Milliarden Euro erreicht hatte. 

Trotz all dieser Anreize war das Wirtschaftswachstum der Eurozone im Jahr 2019 langsam, während die Inflation - die die EZB auf etwa 2% bringen will - kaum über 1% lag. 

Die Coronavirus-Krise hat den italienischen Verkehr und die italienische Wirtschaft zum Stillstand gebracht, da die Zahl der Todesopfer auf über 600 gestiegen ist und die Zahl der Fälle über 10.000 kletterte. Deutschland, Frankreich und Spanien haben jeweils mehr als 1.000 Infizierte bestätigt und verschiedene Einschränkungen vorgenommen. 

Die Federal Reserve und die Bank of England haben die Kreditkosten um eine doppelte Dosis von 50 Basispunkten gesenkt - und das außerhalb ihrer geplanten Sitzungen. Die EZB verzichtete darauf, Notfallmaßnahmen anzukündigen, aber die Präsidentin hat zweifellos Alarm geschlagen.

In einer Telekonferenz mit den Staats- und Regierungschefs der EU warnte Lagarde vor einer Krise wie im Jahr 2008, falls Europa nicht handelt. Der Aufruf an die Regierungen zum Handeln ist keine Neuheit - Mario Draghi, Lagardes Vorgänger, macht das schon seit Jahren, vergebens. Die Krise bietet jedoch eine Chance. 

Die Investoren strömen in Anleihen und treiben die Kreditkosten der Regierungen auf dem alten Kontinent in den negativen Bereich. Die deutsche Renditekurve liegt deutlich unter 0% - das heißt, es kostet Geld, Berlin Geld zu leihen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, sie werde "alles Notwendige" tun, aber viele sind skeptisch und wollen harte Fakten sehen. 

Solange das nicht geschieht, sind die EZB und der Euro in einer Lose-Lose-Situation. In Großbritannien kam die überraschende Zinssenkung der BoE nur wenige Stunden vor der Einführung eines neuen Haushalts der Regierung.

Unter der Annahme, dass dies in der Eurozone nicht geschieht, hier die Lose-Lose-Szenarien der EZB:

1) Keine Maßnahmen - EUR/USD fällt

In diesem Fall räumt die EZB ein, dass zusätzliche geldpolitische Impulse der Wirtschaft nicht helfen, und beschließt keine Änderung vorzunehmen, auch um so zu versuchen die Regierungen zum Handeln zu zwingen. Das würde die Falken im EZB-Rat erfreuen und den Euro theoretisch steigen lassen.

Es würde jedoch einen Mangel an Koordination in Europa zeigen, das Vertrauen der Investoren erschüttern und den Euro möglicherweise belasten.

Dieses Szenario hat eine mittlere Wahrscheinlichkeit. Einerseits hätten zusätzliche Maßnahmen der EZB nur eine begrenzte Wirkung. Andererseits möchte die EZB nicht so gesehen werden, als würde sie ihre Rolle nicht wahrnehmen. 

2) Zinssenkung um 10 Basispunkte - EUR/USD fällt deutlich

Wenn Lagarde den Vorgaben der Anleihenmärkte folgt und die Zinssätze um 10 Basispunkte auf -0,60% senkt, würde dies die Bilanzen der Geschäftsbanken stärker schädigen und nicht viel helfen. Darüber hinaus würden die Investoren möglicherweise denken, dass dies das Maximum ist, was die EZB tun kann, was die Bedenken noch verstärkt.

In diesem Fall hat der Euro Raum für deutlichere Kursverluste. Dieses Szenario hat eine hohe Wahrscheinlichkeit, da es den Markterwartungen entsprechen würde. 

3) Anhebung der QE - EUR/USD stürzt ab, könnte sich aber erholen

Die EZB kann beschließen, "alles zu tun, was nötig ist", und so gesehen werden, dass sie ihre Rolle unabhängig von Regierungsmaßnahmen erfüllt. Wenn Lagarde die Falken davon überzeugt, das Tempo der Anleihenkäufe der Bank zu erhöhen - vor allem, wenn es 50 Milliarden Euro oder mehr pro Monat werden - würde auch der Euro fallen.

Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass der Euro später einen Aufschwung erfährt, da einige glauben, dass diese Maßnahme der EZB den fiskalischen Anreizen der Regierungen vorausgehen könnte. 

Dieses Szenario hat eine geringe Wahrscheinlichkeit, da es für die Falken das Fass zum Überlaufen bringen könnte.

Schlussfolgerung

Die Instrumente der EZB waren bereits vor der Coronavirus-Krise erschöpft, und die Rolle der Regierungen ist bei der Eindämmung der wirtschaftlichen Folgen viel größer. Die EZB hat drei Optionen und alle sind für den Euro negativ, zumindest kurzfristig. 

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