Ohne die jüngste Aufwertung der Gemeinschaftswährung wäre die geldpolitische Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag zu einer Art Non-Event verkommen. Seit Januar kauft die EZB weniger Anleihen auf. Statt für 60 Milliarden Euro im Monat kauft sie nur noch Anleihen von Euro-Staaten und von Unternehmen im Wert von 30 Milliarden Euro. Auf diesem Niveau werden die Käufe bis mindestens September 2018 fortgesetzt werden. Nach der Veröffentlichung der Protokolle zur vergangenen Sitzung im Dezember waren Spekulationen unter Marktteilnehmern hochgekocht, wonach die Währungshüter das Anleihekaufprogramm weiter abschmelzen lassen.
Wir wissen mit Sicherheit, dass sich der konjunkturelle Ausblick in den vergangenen Monaten für die Euro-Zone weiter aufgehellt hat und dass die EZB schon mehrfach ihre Wachstumsprognosen für den Euroraum angehoben hat. Der positive Wachstumsausblick wurde außerdem durch den Weltwirtschaftsausblick des Internationalen Währungsfonds bestätigt. Die Experten rechnen laut aktueller Prognose 2018 mit einer Steigerung der Wirtschaftsleistung um 2,1 Prozent (+0,3 Prozent) und 2019 dann um weitere 2,0 Prozent (+0,3 Prozent). Die guten Wachstumsaussichten sind laut der Nachrichtenagentur Bloomberg ein triftiger Grund für ein weiteres Abschmelzen des Anleihekaufprogramms. Ich persönlich sehe jedoch keinen Grund, der für solch ein Vorgehen sprechen würde.
1. Vorhersage: Vielmehr glaube ich, dass EZB-Präsident Mario Draghi den Zeitpunkt einer weiteren Reduzierung oder Verlängerung des Anleihekaufprogramms auf der Pressekonferenz diskutieren wird.
Statt über die künftige Kommunikation der EZB im Rahmen ihres geldpolitischen Ausblicks zu spekulieren, wird Mario Draghi die Gelegenheit im Rampenlicht nutzen, um den Euro schwach zu reden. Sollte sich der Aufwärtstrend der Gemeinschaftswährung fortsetzen, macht das den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik kompliziert. Denn ein höherer Wechselkurs drückt die Inflation im Euro-Raum. Während die Währungshüter die guten Wachstumsaussichten loben, sehen sie immer noch einen gedämpften Preisdruck. Insofern dürfte die EZB stimmgewaltig intervenieren.
2. Vorhersage: Draghi wird mit seinen Lippen den Kurs der Gemeinschaftswährung bewegen. Sein gesamtes Handeln während der Pressekonferenz wird darauf ausgerichtet sein, den Euro zu schwächen.
Das Unbehagen der aktuellen Stärke des Euro wurde bereits deutlich als das EZB Ratsmitglied François Villeroy de Galhau verbal intervenierte. Seiner Einschätzung nach berge der höhere Wechselkurs ein potenzielles Risiko für den erhoffen und prognostizierten Anstieg der Inflation und muss deshalb von der Europäischen Zentralbank genau unter die Lupe genommen werden. Vor allem die dämpfenden Effekte auf die Importpreise gelte es zu beobachten, so der Notenbankchef Frankreichs.
Die internationalen Devisenmärkte sahen sich schon im Vorjahr mit verbalen Interventionen der EZB konfrontiert. Im September letzten Jahres lag der Wechselkurs bei gut 1,2000 und die Währungshüter verschärften daraufhin den Ton auf der Pressekonferenz und auf öffentlichen Reden. Genützt hat es aber nichts. Insofern droht nun eine Entladung unter Schmerzen. Vor allem vor dem Hintergrund eines immer weiter in die Höhe schießenden Euros, der mittlerweile bei 1,24 Dollar steht.
Sollte sich die verbale Intervention als Schuss in den Ofen erweisen, gibt es da noch andere geldpolitische Maßnahmen, die die Währungshüter ergreifen könnten. Mario Draghi könnte signalisieren, dass die jüngste EUR-Aufwertung dämpfende Effekte auf die Euro-Inflation habe und das rechtfertige sich fortsetzende Käufe von Anleihen über einen längeren Zeitraum. Ein solcher Schritt wird sich negativ auf den Wechselkurs auswirken.
3. Vorhersage: Die EZB wird kein Enddatum für das Kaufprogramm bekannt geben. Vielmehr wird sie darauf hinweisen, dass die Käufe von Anleihen über einen längeren Zeitraum fortgesetzt werden.
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