Die 2.700-Punkte-Rally in nur zwei Monaten hat dem Deutschen Aktienindex die Kraft genommen, die ihm jetzt zu einer Jahresendrally fehlt. Zu viel an Erwartung und Hoffnung in Sachen Inflation und Rezession wurde eingepreist, so dass es schon geldpolitische und wirtschaftliche Wunder bräuchte, um den Markt aus seiner vorweihnachtlichen Lethargie zu reißen. Deshalb ist es auch schwer vorstellbar, dass die Notenbanken in der kommenden Woche ohne eine 180-Grad-Wende in ihrer Zinspolitik der Börse noch vor dem Jahreswechsel neues Leben einhauchen.

Wenn überhaupt, dürften die 15.000 Punkte im DAX wohl erst im neuen Jahr angelaufen werden. Das Plus von 20 Prozent seit Anfang Oktober waren halb Währungseffekt und halb verblassende Zinssorgen. Anfang Oktober musste man noch davon ausgehen, dass das Inflationsziel von zwei Prozent nur für den Preis einer Rezession zu haben sein wird. Jetzt hofft man, dass diese vermieden werden kann, zumindest in den USA. 

Während das Hoch in der Inflation hinter uns liegen dürfte, bleibt die Gefahr einer Rezession 2023 allerdings real. Der Rentenmarkt sieht eben diese sehr deutlich heraufziehen. Die Diskrepanz zwischen Optimismus am Aktien- und Pessimismus am Anleihemarkt muss erst beseitigt werden. In den kommenden Wochen dürften deshalb die Daten zur Inflation von den harten Fakten zum Wirtschaftswachstum in ihrer Relevanz in den Hintergrund gedrängt werden. BIP-Zahlen, Arbeitsmarktdaten, Industrieaufträge, ISM- und PMI-Indizes dürften mehr und mehr die entscheidende Rolle für die Richtungsfindung am Aktienmarkt übernehmen.

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