Anleger machen derzeit einen großen Bogen um den Deutschen Aktienindex. Das heutige Plus zur Handelseröffnung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Index weiter unter Verkaufsdruck steht. Der Abwärtstrend in der saisonal schwachen Sommerzeit schlägt in diesem Jahr voll durch. Diese Schwächephase könnte bis Anfang Oktober anhalten. Auch die Stärke im Dow Jones und bei den Nebenwerten im Russel 2000 an der Wall Street kann die Anleger an der Frankfurter Börse nicht positiv anstecken. 

Zwar werden in dieser Woche neue Wirtschaftsdaten erwartet, wie der ifo-Index und Daten zum verarbeitenden Gewerbe, sowie neue Informationen zur Inflation in den USA samt der ersten Erhebung zum Wirtschaftswachstum. Im Zentrum der Aufmerksamkeit aber dürften in dieser Woche die Quartalszahlen der großen Technologieunternehmen stehen, nachdem die Aktien in den vergangenen Tagen unter Druck standen.

Tesla wird morgen nach Börsenschluss seine Zahlen präsentieren. Obwohl die Aktie stark aufgeholt hat, ist sie die schwächste in der Gruppe der "Glorreichen Sieben". Das wird sich auch im Quartalsbericht widerspiegeln, der einen deutlichen Gewinnrückgang zum Vorjahr zeigen wird. Die Analysten sind vorsichtig geworden, was Tesla anbelangt, weil Elektroautos eine starke Konkurrenz in China droht und ein Wahlsieg von Trump Verbrennern verbesserte Marktchancen bescheren könnte. Auch in der EU wachsen Rufe nach einer Rücknahme des Verbrenner-Aus. Der Elektroauto-Trend hat stark nachgelassen und da Neuigkeiten zum Robotertaxi auf Oktober verschoben wurden, dürften neue Impulse für die Tesla-Aktie aus dem Quartalsbericht dieses Mal wohl ausbleiben.

Alphabet dürfte hingegen einen kräftigen Gewinnsprung von 27 Prozent präsentieren und damit die Jahresperformance der Aktie von 45 Prozent untermauern. Anleger sind sich dessen jedoch bewusst und haben sich bereits vor der Präsentation der Quartalsbilanz zu Gewinnmitnahmen entschieden. Die Stimmung bei Tech-Aktien ist so schlecht, dass selbst ein höher als erwartetes Wachstum das Ruder wohl nicht herumreißen kann. 

Alphabet steht vor langfristigen Herausforderungen. Wenn die Menschen Informationen im Internet immer stärker KI-gestützt durchführen, dann ist das Kerngeschäft ernsthaft bedroht. Eine ganz neue Bedrohung gibt es darüber hinaus aus der US-Politik. Trumps neuer Vize Vance hat sich in der Vergangenheit mehrmals deutlich für ein Aufbrechen von Google ausgesprochen. Auch wenn ein solches politisches Vorhaben lange dauern würde und am Ende eher unwahrscheinlich ist, könnte allein die Angst davor eine gewisse Zurückhaltung bei den Investoren auslösen.

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