Es sieht danach aus, als musste der Deutsche Aktienindex erst unter die 200-Tage-Linie fallen, um Kraft für eine nachhaltige Erholung zu tanken. Der Wille der Anleger, bei Kursschwäche zu kaufen, scheint so tief verankert zu sein, dass es auch gestern nach Bruch der wichtigen Unterstützung zu Eindeckungen statt zum befürchteten Ausverkauf kam. Heute Morgen nun dürfte es mit Rückenwind von der Wall Street und aus Asien weiter nach oben gehen. Damit zeigt der DAX aus technischer Sicht das erste Mal seit Beginn des Tests der 200-Tage-Linie Mitte September einen sauberen Ansatz für eine Bodenbildung.
Die Entspannung auf dem Energiemarkt sorgt auch für Entspannung auf dem Börsenparkett. Das Einlenken der USA und Russlands zur Senkung der Öl- und Gaspreise macht den Investoren Hoffnung, dass Angebot und Nachfrage nun wieder ins Gleichgewicht kommen und sich damit die Zukunft auch für Unternehmen besser planen lässt. Die russische Regierung will mehr Gas nach Europa liefern und zeigt damit den Willen, die Kontrolle über den Markt wieder zu erlangen. Die Stimmung am Gasmarkt in Europa ist stark emotional getrieben und die Bereitschaft Russlands, das Angebot zu erhöhen, könnte die Situation beruhigen. In den USA erwägt die Regierung, strategische Ölreserven bereitzustellen. Damit könnte die Zeit, bis die durch Hurrikan Ida verursachten Schäden behoben sind, überbrückt werden.
Zu stark steigende Energiepreise nähren das Szenario einer Stagflation. Hier trocknet der Auftragseingang der Unternehmen aus, was sie in ihrer Fähigkeit einschränkt, steigende Inputkosten an Endkunden weiterzureichen. Was bleibt, ist eine Implosion der Margen und Unternehmensgewinne. Gute Arbeitsmarktdaten aus den USA am Freitag könnten zwar eine weiter wachsende Wirtschaft zeigen und gegen das Szenario einer Stagflation sprechen. Allerdings wären sie auch das grüne Licht für die US-Notenbank, ihren Tapering-Kurs fortzusetzen. Damit sind sie gerade nicht das, was die Investoren sehen wollen.
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