DAX schaut, was nach oben noch geht - Not-Operation am deutschen Bankenmarkt

Eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank käme einer Not-Operation gleich. Vor nicht einmal einem halben Jahr kamen Sorgen um eine drohende Insolvenz der Deutschen Bank auf. Eine Ehe zwischen beiden Banken dient nun dem politischen Kalkül, diese Sorgen auszuräumen und das Thema endgültig vom Tisch zu bekommen. Das Hauptproblem aber bleibt: Die Zinswende der Europäischen Zentralbank hat nicht geklappt. Damit dürfte es für die europäischen Banken weiter schwierig sein, profitabler zu werden.
 
Die Aktie der Deutschen Bank setzt sich heute Morgen an die Spitze der Gewinnerliste im Deutschen Aktienindex. Der Gesamtmarkt schaut indes, was nach der Rally vom Freitag nach oben noch weiter möglich ist. Die Wall Street zumindest will weiter nach oben und befindet sich jetzt in einer Situation, in der ein technischer Ausbruch bevorstehen könnte. Der S&P 500 hat den Kampf mit dem entscheidenden Widerstand bei 2.821 Punkten aufgenommen. Gelingt der Sprung darüber, wäre Platz für eine Rally bis auf 2.877 Punkte mit der Aussicht auf einen Test der alten Rekordhochs.
 
Diese Woche steht wieder ganz im Zeichen der Geldpolitik. Die chinesische Notenbank hat heute erneut beherzt eingegriffen und den chinesischen Kapitalmarkt mit neuer Liquidität versorgt. Das ist für die Aktienbullen eine recht komfortable Art und Weise, in die Woche zu starten, in der sowohl die amerikanische als auch die englische Zentralbank geldpolitische Sitzungen abhalten werden.
 
Die Federal Reserve wird sich am Mittwoch treffen und dürfte weiter zu ihrer jüngst gelockerten Haltung stehen. Sie hat dem Markt ja bereits signalisiert, mit weiteren Zinsanhebungen geduldig abwarten zu wollen, um zu sehen, wie es mit der Weltwirtschaft und dem Wachstum in den USA weitergeht, nachdem die unmittelbaren Effekte aus der Steuerreform langsam abklingen.
 
Am Donnerstag werden die Kapitalmärkte dann genau darauf achten, was die Bank of England weniger als zwei Wochen vor dem technischen Brexit-Termin zu sagen hat. Auch sie signalisierte bereits ihre Bereitschaft zu stützenden Maßnahmen, sollte aufgrund des Brexit wirtschaftliche Gefahr drohen. Denn es gibt immer noch keine Garantie dafür, dass die Europäische Union den Briten eine Fristverlängerung einräumen wird. Die britische Premierministerin May droht jetzt damit, den Brexit zeitlich sehr weit verschieben zu wollen, vielleicht um zwei Jahre. Bis dahin könnte auch der letzte Befürworter weichgekocht sein und es käme dann vielleicht zu gar keinem Ausstieg. Dieses Spiel auf Zeit könnte also auch eines sein, das der EU zu Gute kommt und von Brüssel daher aktiv unterstützt werden könnte. 

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