Heute gibt es zwei zentrale Treiber für die zu erwartenden Kursaufschläge im DAX zur Handelseröffnung: zum einen die Hoffnung auf einen ersten größeren Kompromiss in den Verhandlungen der USA mit dem Rest der Welt über die vor einem Monat angekündigten Zölle und zum anderen die lockere Rhetorik der US-Notenbank. 

Jerome Powell hat es gestern vermieden, die Zinssenkungserwartungen zu dämpfen, und stellte zugleich klar, dass künftige geldpolitische Schritte wesentlich von den realwirtschaftlichen Entwicklungen abhängen – Entwicklungen, die maßgeblich von Trumps Handelspolitik mitbestimmt werden. Der Fed-Chef hat dem Weißen Haus symbolisch den Ball zurückgespielt und noch einmal betont, dass jede Eskalation in den Handelsstreitigkeiten direkt in höhere Inflationserwartungen und damit höhere Zinsen umschlagen könnte. Ein geschickt diplomatisch verpacktes Statement: Powell distanziert die Notenbank von politischen Vorgaben, macht aber klar, wie eng Geld- und Handelspolitik miteinander verflochten sind.

Die schnelle Ankündigung eines Handelsdeals mit Großbritannien – innerhalb nur weniger Wochen – dient wohl vor allem als politisches Entlastungsventil für Präsident Trump. Im Vergleich zu dem drei Jahre lang verhandelten Indien-Abkommen Großbritanniens, das erst in einem Jahr in Kraft tritt, sind die Erwartungen an Trumps London-Deal hoch. Ein halbfertiges Abkommen schafft mehr Unsicherheit als keines. Es ist also wichtig, bei politisch getriebenen Schnellschüssen genau hinzuschauen. Denn hinter dem kurzfristigen Stimulus für die Börsen können sich langfristige Risiken verbergen, wenn es dem heute angekündigten Trade-Deal an Substanz mangelt.

Es gilt also, wachsam zu bleiben. Die Euphorie der ersten Reaktion darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es am Nachmittag auf die Details des Deals ankommt. Ob diese bereits geliefert werden, ist äußerst fraglich. Selbst die britische Seite betonte noch vor wenigen Tagen, dass es noch zu früh sei, um über Fortschritte zu sprechen.

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