Die Corona-Krise erhält jetzt zusätzlichen Zündstoff durch eine politische Komponente. Die Stimmung an der Wall Street wurde gestern belastet durch einen Geheimdienstbericht, wonach China das wahre Ausmaß der Covid-19-Todesfälle verheimlicht habe. Das Misstrauen zwischen den USA steigt wieder, da sich dahinter auch die Schuldzuweisung verstecken könnte, dass der Westen und auch die USA die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus eventuell zu spät ergriffen haben.
Die USA führen nun straffere Regeln für den Export von kommerziellen IT-Produkten nach China ein, die auch militärischen Nutzen haben könnten. An einer anderen Front droht US-Präsident Trump auf Twitter dem Iran, falls es zu einer verdeckten Mission im Irak kommen sollte, so fiele die Reaktion der USA "sehr, sehr deutlich" aus.
Die Anleger bleiben derweil zwischen Hoffen und Bangen gefangen, was die Folgen der zur Virusbekämpfung bewusst herbeigeführten wirtschaftlichen Schwäche angeht. Wie sich das ganze am Ende in Zahlen darstellen wird, kann man derzeit nur vage abschätzen. Ausgestanden ist die Krise auf jeden Fall noch nicht. Die Börse muss jetzt den Beweis dafür liefern, dass bei einem Rücklauf von den Hochs der Bärenmarktrally überzeugte Käufer für Aktien in den Markt kommen.
Und wer sich langfristig positionieren will, sollte eines nicht vergessen: Bei allem derzeit herrschenden Pessimismus macht ein Hochrechnen der nun erwarteten grottenschlechten Konjunkturdaten keinen Sinn. Ein Einbruch der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent in einem Shutdown-Quartal ist nicht gleichbedeutend mit einem Minus von 20 Prozent im Gesamtjahr. Am Ende eines solchen temporären Einbruchs steht auch wegen des ganzen Geldes, dass Notenbanken und Regierungen gerade in die Märkte pumpen, vermutlich ein kraftstrotzender Aufschwung. Den nimmt auch der Ölpreis vorweg. Sofortige Öllieferungen kosten rund 20 Dollar pro Fass, Lieferungen im August schon 30 Dollar.
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