Während die letzten Spätsommertage ausklingen, nahen nun Herbst und Winter. An der Börse fürchtet man ein Szenario, in dem die Infektionszahlen so dramatisch steigen, dass neue Lockdown-Maßnahmen, die vor Wochen noch als undenkbar galten und von den Regierungen abgelehnt wurden, doch wieder eingeführt werden müssen. Einige Länder wie Israel oder zeitlich begrenzt auch Großbritannien haben solche neuen Lockdowns bereits angekündigt.
Damit wird unter den Anlegern auch immer häufiger die Frage diskutiert, ob die rasante Kurserholung seit März jetzt ihr jähes Ende finden könnte. Auch die Stimmung in Frankfurt wird zunehmend schlechter. Die US-Technologieaktien, die den Deutschen Aktienindex wochenlang nach oben getrieben haben, korrigieren. Damit fehlt eine maßgebliche Stütze für den Markt. Zwar ist eine leichte Umschichtung der Verkaufserlöse aus den Tech-Aktien zurück in zyklische Werte zu beobachten. Dies scheint aber nicht auszureichen, um den DAX weiter nach oben zu bewegen. Somit ist auch eine stärkere Korrektur in den kommenden Handelstagen nicht auszuschließen.
Die Verhandlungen um das Konjunkturpaket in den USA laufen zwar, die wenigsten aber rechnen mit einer baldigen Einigung. Die US-Notenbank hat sich vor den näher rückenden Präsidentschaftswahlen in Zurückhaltung geübt und den Ball an die Regierung gespielt, ein möglichst großes Konjunkturpaket zu verabschieden. Die Parteien im Kongress aber liefern sich einen Grabenkampf, weil die Demokraten dem amtierenden Präsidenten vor dem Wahltag kein Geschenk machen und das Konjunkturpaket im Fall eines Wahlsiegs gern für sich reklamieren wollen. Dennoch sieht es immer mal wieder so aus, als könne das Programm durchgehen. So auch am Freitag, an dem man sich allerdings ohne Ergebnis darüber stritt, wie die Unterstützung für amerikanische Landwirte ausgestaltet sein soll.
Im US-Technologieindex Nasdaq haben die Versuche, die Rally nach dem Kursrutsch Anfang September fortzuführen, nicht geklappt. Die Schnäppchenkäufer, die monatelang für ihren Eifer, sämtliche Kursrücksetzer zu kaufen, belohnt wurden, haben jetzt das Nachsehen. Die Stimmung im Technologiesektor wird zusätzlich belastet durch Pläne der EU-Kommission, im Ringen mit den großen Unternehmen auf verschärfte Regeln zur Wahrung des fairen Wettbewerbs zu drängen. Dabei könnte TikTok zum Beispiel werden. So wie die USA TikTok zwangen, das US-Geschäft an einen lokalen Betreiber zu verkaufen, könnte die EU-Kommission Google und andere Unternehmen zwingen, das gleiche zu tun.
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