Um etwas Ruhe und auch Orientierung zumindest in das Chartbild des Deutschen Aktienindex zu bringen, arbeite ich die Ereignisse wie gewohnt kurz auf und werfe einen Blick auf die charttechnischen Möglichkeiten. Schließlich schauen Börsianer mit Kenntnis der Vergangenheit sehr gerne nach vorne.
Fakten aus der Vorwoche
Auf den 1.000 Punkte-Sturz nach der Brexit-Abstimmung in England hatte ich zwar in der Analyse zur Vorwoche hingewiesen, doch daran geglaubt hatten weder ich noch die Mehrheit der Marktteilnehmer. Im jüngsten Vorfeld der US-Präsidentenwahl gab es bereits vorab leichtes „In Deckung gehen“ und damit fallende Kurse, so dass anders als damals kein erhöhtes Niveau für die notwendige Fallhöhe einer solchen Bewegung gegeben war.
Die runde Marke von 18.000 Punkten war in den USA, also beim Dow Jones, bereits gebrochen und der DAX hatte aus meiner charttechnischen Sicht daher auch seine Psychomarke noch einmal im Visier. Als Chartbilder aus der Vorwoche der Analyse „Die Qual der Wahl beim Präsidenten und dem DAX“ stelle ich somit noch einmal diese ein:


Zum Wochenstart startete der DAX auch erst noch einmal durch und nutzte die als blau eingezeichnete „letzte Unterstützung“ vor der 10.000er-Marke für eine Korrektur der zuvor eingeleiteten Abwärtsbewegung. Mit einem GAP zeigte der DAX noch einmal auf, wie unschlüssig er sich bei der US-Wahl ist. Dies vermerkte ich bildlich mit dem Verorten der beiden GAP’s, welche den DAX quasi einschlossen am Montag:

Bis zum Dienstagabend reichte diese Korrektur an fast 10.500 Punkte heran und tendierte somit in Richtung Hillary Clinton. Aber dann kam die Wahl....
Bereits mitten in der Nacht deutete sich nach ersten Auszählungen eine Tendenz in Richtung Donald Trump an und sorgte bei den asiatischen Börsen für Unruhe. Als das Ergebnis sich dem Finale näherte und die Futures in Europa öffneten, stand die DAX-Indikation knapp über 10.000 Punkten nur noch und damit an jenem grünen Punkt, den ich von der Abwärtstrendlinie aus 2015 her abgeleitet hatte.
Genau an dieser Stelle erinnerte ich mich an den Brexit und die erste „falsche“ Interpretation des Marktes, welche aus Panik, Enttäuschung und psychologischer Entscheidung heraus nun einmal so einen dicken Kurssturz auslösen kann. Eine Spekulation auf die Gegenbewegung und unter Umständen auch auf ein GAP-close lag recht nah und wurde von anderen Tradern aus den Tages-Trading-Chancen ebenso favorisiert und erfolgreich umgesetzt.
Ein Nutzer von wallstreet-online hat dabei von meinem Facebook-Profil dieses Foto entwendet, auf dem man die ersten Kurse und Positionierungen sehen kann:

Wer mir dort übrigens folgen mag, kann dies gerne tun...
Die Verwirrung war an den Märkten fast perfekt. Massive Shorteindeckungen trieben die Kurse in allen Aktien-Indizes nach oben und machten auch beim GAP-close nicht halt. Damit einhergehend verdoppelte sich übrigens auch das Handelsvolumen an der Deutschen Börse, wenn man sich die XETRA-Daten im Nachgang genau anschaut.
Während die Party vor allem im Dow Jones eine Fortsetzung fand und dort neue Allzeithochs generierte, hielt sich der DAX zumindest dort mit Respekt etwas zurück. Er prallte recht genau an der 10.800er-Marke ab und schickte sich am Donnerstag dann auch an, die Korrektur einzuleiten. Nach knapp 800 Punkten ab dem Tief eine recht gute Idee.
Schwäche stellte sich auch bei einigen Technologieunternehmen aus den USA ein, die den Nasdaq zeitweise mehr als 2 Prozent ins Minus zogen. Das große Geld wurde in den Dow Jones geleitet. Und dieser zeigte damit die beste Woche seit dem Jahr 2011 und ein damit einhergehendes neues Allzeithoch!
Ausblick auf die kommende Woche
Per Saldo stiegen der DAX um rund 4 Prozent und der Dow Jones um rund 5,5 Prozent. Letztlich wird das Kursfeuerwerk durch die als freundlich zu erwartende US-Steuerpolitik und anstehende Konjunkturpakete getragen. Von der Phantasie alleine wird eine Börsenentwicklung jedoch nie lange leben können. Somit kommt es nun darauf an, ob auch „geliefert“ wird oder aber der Phantasie die Ernüchterung folgt.
Zur Orientierung schaue ich daher erneut auf den Stundenchart und trage zuerst den Pullback an der 10.000 ab:

Zusätzlich können wir hier die Jahreshochs sehr gut einzeichnen, welche um den Bereich von 10.800 Punkten liegen:

Genau dazwischen notiert unser Deutscher Aktienindex und sucht Orientierung. Ich zoome den Chart etwas auf und belasse den Widerstand, den wir im August schon einmal bei 10.800 erreicht hatten, dick und rot auf der Oberseite stehen. Als Unterstützung ist für Daytrader die 10.000er-Marke sicherlich zu weit entfernt, um sinnvolle kurzfristige Trading-Chancen zu entwickeln. Daher zeichne ich noch eine kleinere Unterstützung bei 10.550 Punkten ein. Sie leitet sich von mehreren Lunten im Stundenchart ab, die immer wieder in diesem Bereich für Kaufinteresse sorgten.

Genau dieser Bereich ist mein Short-Trigger, ab dem die Stimmung potenziell wieder kippen könnte bei politischer Ernüchterung. Konkret ist damit für mich das Szenario der neuen Jahreshoch bei Unterschreiten der 10.550 erst einmal in Ferne gerückt.
Die bullische Variante ist eine Fortsetzung der Trump-Bewegung in Kombination mit einer Jahresendrallye. Statistisch ist die Zeit reif dafür, doch sind es auch die Anleger?
Beide Szenarien habe ich hier nun entsprechend mit Pfeilen visualisiert aufgezeigt:

Mit dem Überschreiten der 10.800 würde ich daher auch eher auf der Longseite nach kurzfristigen Chancen suchen. Wir sehen in den USA gerade am Dow Jones wie gering die Korrekturen ab neuen Hochs ausfallen können und wie schnell die Dynamik hier in Trendrichtung weitere Hochs produziert. Diesem „Herdentrieb“ stelle ich mich ungern entgegen.
Wie auch immer die vergangene Woche bei Ihnen gelaufen ist, bleiben Sie objektiv und akzeptieren Sie die Bewegung des Marktes. Auch die Umsetzung einer politischen Meinung ist hierbei vor allem beim Trading nicht förderlich. Denn letztlich wollen wir doch alle lieber Gewinne generieren als „Recht“ haben.
Herzlichen Dank für Eure Unterstützung und viel Erfolg im Eigenhandel wünscht Andreas Mueller (Bernecker1977)
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