Dow Jones: Kippt die Trump-Rallye heute?


Das war schon ein Ding: Etwa eine Stunde vor dem US-Handelsende, gegen 15 Uhr US-Ostküstenzeit, wurde mitgeteilt, dass die für den Abend vorgesehene Abstimmung im Repräsentantenhaus über die Trump’sche Reform der Obama-Gesundheitsreform nicht stattfinden werde. Die Ausrede, man wolle nicht zu spät am Abend abstimmen, kauften die Investoren den Verantwortlichen nicht ab. Was spricht gegen eine Abstimmung am späten Abend, das wäre ja nicht das erste Mal? Etwa, dass womöglich einige ältere Abgeordnete zu später Stunde unkonzentriert versehentlich falsch abstimmen könnten? Nein, es war den Anlegern klar: Die Republikaner fürchteten, nicht genug Stimmen zu bekommen. Und eine Niederlage, gleich beim ersten Mal, bei dem sich Trumps Pläne dem Parlament stellen müssen, will man unbedingt vermeiden. Offenbar war es Mr. Trump in einem Gespräch mit dem konservativsten Flügel der Republikaner nicht gelungen, diese „Abweichler“ zu überzeugen. Man darf gespannt sein: Wird die Regierung jetzt in aller Eile Veränderungen vornehmen, die die Verweigerer in der eigenen Partei zufriedenstellen oder so lange verschieben, bis genug Abweichler eingeknickt sind? 

Expertenmeinung: Dass Trumps Team schon bei dieser ersten Nagelprobe gegen Hürden stößt, stieß den Anlegern unangenehm auf, immerhin basiert die große Rallye des Dow Jones seit Anfang November darauf, dass der Präsident seine Versprechen komplett, schnell und effektiv umsetzt. Wobei die Kursgewinne von in der Spitze knapp 100 Punkten, die das US-Index-Flaggschiff im Vorfeld der Abstimmungs-Absage erreicht hatte, nicht auf unmittelbaren Gründen basierte, so dass man vermuten durfte, dass da bereits die Nervosität das Handeln regierte. Wenn ein zuvor fallender Index „einfach so“ zulegt, das aber unmittelbar vor einem kritischen Moment wie dieser Abstimmung passiert, ist die Motivation meist der Aufbau eines Risikopuffers nach unten, um zu verhindern, dass im Fall eines negativen Impulses Unterstützungen brechen. Dass dieser Puffer durch diese Absage dann auch noch komplett wieder aufgezehrt wurde, zeigt, dass die Stimmung so auf der Kippe steht, dass es zu sehr markantem Abgabedruck kommen kann, wenn die Abstimmung über „TrumpCare“ scheitert oder zu viele Zugeständnisse gemacht werden müssen, die an der Autorität der Regierung kratzen. Was den Dow Jones angeht, sind die wichtigen Chartmarken, die man hätte verteidigen können, jedoch schon im Vorfeld gebrochen. Kurzfristige Trader wären hier ohnehin schon auf der Short-Seite dabei. Erstes Kursziel bleibt die obere Begrenzung des mittelfristigen Aufwärtstrendkanals bei aktuell 20.160 Punkten. Bullish wäre der Index erst wieder, wenn er mit Schlusskursen über 21.000 Punkten die kurzfristige Abwärtstrendlinie und die 20-Tage-Linie zurückerobern würde, knapp darüber könnten sich somit auch die Stoppkurse des bärischen Lagers orientieren.

Chart vom 23.03.2017, Kurs 20.656,58 Punkte, Kürzel INDU

Offenlegung gemäß § 34b WpHG zwecks möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in dem besprochenen Wertpapier bzw. Basiswert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse SHORT investiert.

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