Der Volkswirt Sanjay Raja von der Deutschen Bank analysiert die jüngste Zinsentscheidung der Bank of England und verweist darauf, dass der Leitzins wie erwartet bei 3,75 Prozent belassen wurde. Zwar erscheine der geldpolitische Ausschuss (MPC) auf dem Papier stärker gespalten, zugleich gebe es jedoch einen breiteren Konsens für eine längere Phase unveränderter Zinsen. Raja rechnet damit, dass der Leitzins bis Ende 2026 unverändert bleibt und erst im kommenden Jahr schrittweise auf ein neutrales Niveau von 3,25 Prozent sinkt, sofern die Inflationsrisiken weiter nachlassen.

MPC hält Zinsen stabil und behält straffe Grundhaltung bei

„Wie erwartet hat die Bank of England den Leitzins bei 3,75 Prozent belassen – im Einklang mit unserer Prognose und den Erwartungen des Marktes.“

„Erstens könnte der MPC auf dem Papier stärker gespalten sein als noch im April. Gleichzeitig gibt es jedoch einen stärkeren Konsens dafür, den Leitzins vorerst unverändert zu lassen. Zwei Mitglieder (Pill und Greene) stimmten – wie von uns erwartet – für eine Zinserhöhung. Wir sehen jedoch einen wachsenden Konsens für eine längere Phase stabiler Zinsen, gestützt durch ein günstigeres wirtschaftliches und geopolitisches Umfeld.“

„Zweitens haben die jüngsten Wirtschaftsdaten in Verbindung mit einer Einigung zwischen dem Iran und den USA aus Sicht des MPC dazu geführt, dass die Risiken sogenannter Zweitrundeneffekte zurückgegangen sind. Zwar sieht der Ausschuss weiterhin Aufwärtsrisiken für die Inflation, doch die niedrigere Lohn- und Preisinflation hat das Vertrauen gestärkt, dass der Preisdruck vorerst besser unter Kontrolle bleibt. Vereinfacht gesagt könnte der MPC trotz einer in den kommenden Monaten erwarteten Inflationswelle bereit sein, einen vorübergehenden Anstieg der Teuerungsdynamik zu tolerieren und darüber hinwegzusehen.“

„Drittens hat sich der MPC mit Blick auf den Sommer alle Optionen offengehalten. Trotz besserer Konjunkturdaten und eines deutlichen Rückgangs der Energiepreise in der vergangenen Woche vermied es der Ausschuss, einen zu lockeren Ton anzuschlagen. Stattdessen hielt er an seiner eher restriktiven Grundhaltung fest, um flexibel reagieren zu können, falls sich bedeutende indirekte oder Zweitrundeneffekte zeigen sollten.“

„Wie geht es weiter? Wir halten an unserer Einschätzung fest, dass der Leitzins in diesem Jahr unverändert bleibt. Für das kommende Jahr erwarten wir weiterhin Zinssenkungen, die den Leitzins auf ein neutraleres Niveau von 3,25 Prozent bringen. Die Risiken sind inzwischen jedoch nicht mehr einseitig. Bessere Inflationsdaten und eine Einigung zwischen den USA und dem Iran sollten die Gefahr indirekter und sogenannter Zweitrundeneffekte verringern.“

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