S&P 500 vor der Jahresendrally? Deutsche Bank sieht jetzt den Wendepunkt
Der S&P 500 könnte seinen letzten Rücksetzer des Jahres bereits hinter sich haben oder kurz davor stehen, einen Boden auszubilden. Darauf deuten nach Einschätzung von Jim Reid, dem Leiter der globalen Makroanalyse der Deutschen Bank, historische saisonale Muster hin. In einer am Dienstag veröffentlichten Analyse verweist Reid darauf, dass sich die saisonalen Effekte rund um die US-Zwischenwahlen und das Jahresende derzeit gegenseitig verstärken könnten.
Für seine Untersuchung wertete Reid die durchschnittliche Entwicklung des S&P 500 im Jahresverlauf seit 1928 aus. Dabei unterschied er zwischen Jahren mit Zwischenwahlen zum US-Kongress und Jahren ohne diese Wahlen.
„Historisch betrachtet ist der heutige 27. Oktober genau der Tag, an dem der letzte Rücksetzer eines typischen Börsenjahres seinen Tiefpunkt erreicht“, schrieb Reid.
In einem durchschnittlichen Börsenjahr erreicht der S&P 500 demnach um den 2. September zunächst ein Hoch, bevor er bis zum 30. September nachgibt. Auf eine anschließende Erholung folgt gewöhnlich noch eine letzte Schwächephase, die Ende Oktober ihren Tiefpunkt erreicht. Danach geht es laut Reid bis zum Jahresende überwiegend aufwärts.
In Jahren mit US-Zwischenwahlen zeigt sich ein etwas anderes Muster. Hier markiert der S&P 500 seinen Höchststand häufig bereits Ende April und verliert anschließend bis zu einem Tief Anfang Oktober rund vier bis fünf Prozent. Belastend wirkt dabei vor allem die zunehmende politische Unsicherheit im Vorfeld der Wahlen. Allerdings legte der Index in 21 der vergangenen 23 Zwischenwahljahre in den drei Monaten ab Anfang Oktober zu.
Nach Reids Einschätzung folgt auch das laufende Jahr diesem saisonalen Muster, allerdings in einer abgeschwächten Form. Am 29. Mai schloss der S&P 500 auf einem Rekordhoch und lag zu diesem Zeitpunkt seit Jahresbeginn rund elf Prozent im Plus. Knapp fünf Monate später notiert der Index jedoch weniger als ein Prozent über diesem Niveau.
Mit den für den 3. November angesetzten US-Zwischenwahlen treffen die saisonalen Impulse aus dem Wahlzyklus und dem bevorstehenden Jahresende nun nahezu zum günstigsten denkbaren Zeitpunkt zusammen. Reid warnt allerdings davor, aus historischen Durchschnittswerten eine sichere Prognose abzuleiten. Hinter den Mittelwerten verbergen sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Jahren. Auch in Jahren mit Zwischenwahlen kam es bereits zu ausgeprägten Bärenmärkten.
„Saisonale Muster sind kein unabwendbares Schicksal. Und die Sorgen über den Iran, künstliche Intelligenz und Frankreich werden sich nicht auf wundersame Weise in Luft auflösen“, erklärte Reid.
„Wenn die Geschichte jedoch einen Anhaltspunkt liefert, dann ist heute häufig der Tag, an dem die Rentiere ihren Herrn wecken und die Weihnachtsrally allmählich Fahrt aufnimmt“, fügte er hinzu.
Autor

Robert Zach
FXStreet
Robert ist ein versierter Finanzexperte mit umfassender Erfahrung im Bank- und Investmentsektor.






