Ripples (XRP) Ausblick bleibt vorerst angeschlagen: Am Freitag rutscht der Kurs in Richtung der psychologisch wichtigen Marke von 1,40 US-Dollar. Der Versuch, sich in dieser Woche über die Verkäuferzone um 1,50 US-Dollar zu schieben, verpuffte schnell – ein ziemlich klares Signal dafür, dass der Markt weiterhin im Risk-off-Modus ist. Zusätzlich drückten die am Mittwoch veröffentlichten, hawkish wirkenden Protokolle (Minutes) des Federal Open Market Committee (FOMC) auf die Stimmung. Wenn die Notenbank „länger restriktiv“ klingt, fällt es Risiko-Assets wie XRP schlicht schwer, nachhaltig zu drehen.

Und als wäre das nicht genug, hängt über dem Gesamtmarkt auch noch ein geopolitischer Schatten: Die Spannungen zwischen den USA und Iran schüren Unsicherheit und bremsen Kauflaune. Selbst das ETF-Sentiment zeigt, wie dünn das Vertrauen aktuell ist: XRP-Spot-ETFs verzeichneten am Mittwoch Abflüsse von 2,2 Mio. US-Dollar (wie berichtet). Solche Outflows sind nicht riesig, aber sie passen ins Bild: Anleger ziehen Kapital ab, statt es aggressiv zu riskieren.

Damit wird die Marke von 1,40 US-Dollar zum Dreh- und Angelpunkt. Sie ist nicht „nur“ Support – sie ist die Linie, an der sich entscheidet, ob XRP überhaupt eine Chance auf eine geordnete Erholung bekommt. Fällt diese Unterstützung, könnte sich der Abwärtsimpuls bis zum Tief vom 10. Oktober bei 1,25 US-Dollar fortsetzen.

SG-FORGE bringt EUR CoinVertible auf das XRP Ledger – eigentlich bullish, aber der Markt zuckt kaum

Spannend ist parallel die Nachricht von Societe Generale-FORGE (SG-FORGE), der regulierten Digital-Asset-Tochter der französischen Bankengruppe Societe Generale: Das Unternehmen hat die Integration von EUR CoinVertible (EURCV) angekündigt – einem Euro-Stablecoin – und zwar direkt auf dem XRP Ledger (XRPL).

Warum macht SG-FORGE das? Laut Unternehmen sind die Treiber klar: steigende Adoption und die Nutzung der XRPL-Eigenschaften wie Skalierbarkeit, günstige Transaktionskosten, Sicherheit und Dezentralisierung. Flankiert wird der Launch zudem von Ripples Custody-Lösung – und SG-FORGE betont auch, dass man darüber hinaus neue Anwendungsfälle testen will, zum Beispiel eine Verknüpfung von EUR CoinVertible mit bestehenden und neuen Ripple-Produkten. Das ist nicht nur „Nice-to-have“, sondern zeigt: Hier geht es um Infrastruktur und Anschlussfähigkeit im regulierten Umfeld.

Wichtig: EUR CoinVertible ist nicht exklusiv auf XRPL. Der Stablecoin ist auch auf Ethereum (ETH) und auf der Ripple (XRP) Blockchain verfügbar. Die XRPL-Integration unterstreicht jedoch SG-FORGEs Anspruch, konforme (compliant) Krypto-Assets breit zugänglich zu machen.

Und trotzdem: XRP reagierte auf die Meldung kaum positiv und tendierte weiter schwächer. Das ist der zentrale Punkt, den du als Anleger nicht übersehen solltest. Wenn sogar „eigentlich gute“ Nachrichten nicht tragen, ist das meist kein Zufall, sondern ein Symptom: Risk-off dominiert – und solange das so bleibt, wird jede Erholung anfällig.

Technischer Ausblick: Verkäufer halten die Zügel straff

Aktuell handelt XRP um 1,41 US-Dollar, die Unterstützung bei 1,40 US-Dollar hält noch – aber sie wirkt wie ein dünnes Brett. Gleichzeitig bleibt XRP klar unter den großen Trendfiltern:

  • 50-Tage-EMA bei 1,70 US-Dollar
  • 100-Tage-EMA bei 1,91 US-Dollar
  • 200-Tage-EMA bei 2,12 US-Dollar

Alle drei gleiten abwärts, was den übergeordneten bärischen Bias bestätigt. Dazu kommt eine fallende Trendlinie ausgehend vom Allzeithoch bei 3,66 US-Dollar, die Erholungen deckelt. Widerstand wird in diesem Zusammenhang nahe 2,09 US-Dollar gesehen. Erst ein Schlusskurs über dieser Trendlinien-Barriere würde Raum in Richtung des EMA-Clusters öffnen – und der beginnt eben erst bei 1,70 US-Dollar. Heißt übersetzt: Selbst wenn XRP „ein bisschen bounce-t“, wartet darüber eine ganze Wand an Widerständen.

Der Relative Strength Index (RSI) liegt im Tageschart bei 38 und damit unter der Mittellinie – ein weiteres Signal für die schwache Tonlage. Rutscht der RSI weiter Richtung überverkauft, macht das XRP kurzfristig nicht attraktiver, sondern erhöht statistisch eher das Risiko einer verlängerten Abverkaufsphase, weil Käufer zögerlich bleiben und Stops leichter gerissen werden. Als nächster, vorsichtiger Support rückt dann das 10.-Oktober-Tief bei 1,25 US-Dollar in den Fokus.

Beim MACD sieht es auf den ersten Blick etwas freundlicher aus: Er hält noch einen bullischen Grundton, weil die MACD-Linie über der Signallinie liegt. Aber: Die Histogramm-Balken sind zwar leicht über der Nulllinie, ziehen jedoch zusammen – Momentum ist also vorhanden, aber fragil. Genau so sehen Märkte aus, die „nicht richtig fallen wollen“, aber auch „nicht steigen dürfen“.

Noch ein Detail, das im Kontext wichtig ist: Der Parabolic SAR liegt hinter dem Spotpreis und signalisiert Unterstützung bei 1,25 US-Dollar. Das passt auffällig gut zur genannten nächsten Supportzone – und macht diese Marke im Fall eines Bruchs von 1,40 US-Dollar umso relevanter.

Fazit: 1,40 US-Dollar ist die Sollbruchstelle – gute News helfen erst, wenn die Stimmung dreht

Unterm Strich hast du aktuell ein Setup, das sehr typisch für Risk-off-Phasen ist: Selbst eine strukturell positive Nachricht wie die EURCV-Integration auf XRPL löst keine nachhaltige Kursreaktion aus. Der Markt schaut gerade weniger auf „Story“ und mehr auf „Risiko“.

Für eine echte Stabilisierung muss 1,40 US-Dollar halten – sonst ist das Szenario eines Durchrutschens bis 1,25 US-Dollar (Tief vom 10. Oktober) klar auf dem Tisch. Hält 1,40 US-Dollar dagegen, wäre der erste realistische Schritt eine Rückeroberung in Richtung 1,67 US-Dollar (Sonntagshoch) – aber darüber wartet mit 1,70 US-Dollar (50-Tage-EMA) sofort der nächste Prüfstein. Solange XRP unter den fallenden EMAs bleibt, bleibt jede Erholung vor allem eines: anfällig.


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