Man stelle sich vor: Eine riesige Schatztruhe, gefüllt mit digitalen Goldmünzen, die so wertvoll sind, dass sie in der Krypto-Welt für Aufsehen sorgen. Diese Truhe, sicher verwahrt und nur einmal im Monat einen Spalt breit geöffnet, gibt ihren Inhalt nur zögerlich preis – ein wenig Gold hier, ein wenig Glanz da. Das ist die Szene, die sich jedes Mal abspielt, wenn Ripple beschließt, eine Milliarde ihrer XRP-Token aus ihrem Treuhandkonto freizugeben. Und am ersten September war es wieder so weit.
In der Welt der Kryptowährungen bedeutet dies mehr als nur das bloße Freilassen von Token. Es ist ein sorgfältig inszeniertes Drama, ein Ritual, bei dem Ripple mit den Erwartungen der Marktteilnehmer spielt. Diesmal waren es 500 Millionen, dann 200 Millionen und schließlich 300 Millionen XRP – insgesamt mehr als 560 Millionen Dollar wert. Die Schauspieler auf dieser Bühne? Ein algorithmisches „Ripple 24“-Wallet und der allseits bekannte CTO, David Schwartz.
Nun, das Stück selbst ist nichts Neues. Bereits seit 2017 läuft dieser Akt jeden Monat wie ein Uhrwerk ab. Und doch scheint die Aufregung jedes Mal dieselbe. „Wird der Markt fallen? Werden die Preise steigen? Was denkt der Markt heute darüber?“ – so lauten die Fragen, die in den Köpfen der Zuschauer (sprich: Anleger) herumschwirren. Dieses Mal fiel der XRP-Preis um 2,26 Prozent. Ein Rückgang, der in der Krypto-Welt fast schon als laues Lüftchen gilt, und doch genug, um ein wenig Unbehagen zu verbreiten.
Was jedoch wirklich interessant ist, ist die Rolle des Regisseurs dieses Stücks. David Schwartz hat offen zugegeben, dass er gemischte Gefühle über die Wirksamkeit dieses Plans hat. Es scheint, als hätte Ripple zwar die Bühne perfekt vorbereitet, die Kulissen sorgfältig arrangiert und die Akteure präzise choreografiert, aber der Ausgang ist ungewiss. Das Publikum ist sich nicht sicher, ob es sich um eine Tragödie oder eine Komödie handelt.
Und so stehen wir wieder einmal am Rande des Geschehens, beobachten das Auf und Ab der Kurse, das Hin und Her der Token. Ripple hat 55 Milliarden XRP in verschiedenen Treuhandkonten gebunkert – ein Schatz, der durch eine langsame, aber unaufhaltsame Freigabe Stück für Stück auf den Markt kommt. Aber die zentrale Frage bleibt: Ist dieses Drama ein Meisterwerk oder nur ein endloser Reigen von Akten ohne Höhepunkt? Nur die Zeit wird es zeigen. Doch eines ist sicher: Die Zuschauer werden weiterhin gebannt bleiben, gespannt darauf, was der nächste Akt bringt.
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