Krypto-Assets treten nach Einschätzung von Bitwise-Investmentchef Matt Hougan in eine neue Phase ein. Demnach dürften künftig vor allem die Einnahmen von Krypto-Projekten und die daraus resultierenden Erträge für Token-Inhaber eine immer größere Rolle bei der Bewertung spielen.
In einer Mitteilung an Investoren vom späten Mittwoch erklärte Hougan, die seit Langem verbreitete Kritik, wonach Krypto-Projekte kaum oder gar keine Einnahmen erwirtschafteten, verliere zunehmend ihre Grundlage. Der Wandel könnte seiner Einschätzung nach darauf hindeuten, dass viele Krypto-Assets derzeit unterbewertet sind.
In früheren Jahren zogen zwar mehrere Projekte Millionen von Nutzern an und verzeichneten Aktivitäten im Milliardenvolumen. Bei den Token-Inhabern kam von den daraus erzielten Einnahmen allerdings vergleichsweise wenig direkt an.
Regulatorischer Wandel ebnet Weg für neue Erlösmodelle
Nach Angaben Hougans war diese Entwicklung zum Teil auf die regulatorische Unsicherheit zurückzuführen. Zwischen 2017 und 2025 habe die Haltung der US-Börsenaufsicht SEC unter den früheren Vorsitzenden Jay Clayton und Gary Gensler Krypto-Projekte davon abgehalten, Einnahmen an Token-Inhaber weiterzugeben.
Viele Projekte brachten deshalb sogenannte Governance-Token auf den Markt, die ihren Besitzern zwar Stimmrechte einräumten, ihnen jedoch keinen direkten Anspruch auf die Einnahmen des jeweiligen Protokolls gewährten. Große DeFi-Projekte wie Uniswap und Aave setzten ebenfalls auf dieses Modell.
Als wichtigen Wendepunkt bezeichnete Hougan die juristische Niederlage der SEC gegen Ripple im Juli 2023. Die weitere Entwicklung bis zum Abschluss des Verfahrens im August 2025 habe dazu beigetragen, günstigere Rahmenbedingungen für erlösbasierte Geschäftsmodelle im Kryptosektor zu schaffen. Nach der Ernennung von Paul Atkins zum SEC-Vorsitzenden habe sich dieser Wandel noch beschleunigt.
„Plötzlich waren Einnahmen wieder ein Thema“, schrieb Hougan.
Hyperliquid treibt den Wandel bei Krypto-Einnahmen voran
Nach dem Widerstand der SEC gegen entsprechende Modelle bei Krypto-Projekten entwickelte sich Hyperliquid zu einem besonders deutlichen Beispiel für einen erlösorientierten Ansatz.
Der entscheidende Unterschied besteht Hougan zufolge darin, dass rund 99 Prozent der Gebühreneinnahmen dafür vorgesehen sind, HYPE-Token am freien Markt zurückzukaufen. Anschließend werden die Token vernichtet und damit dauerhaft aus dem Umlauf genommen.
„Endlich konnten Anleger darauf vertrauen, dass eine steigende Aktivität auf einer Blockchain auch dem Token zugutekommt“, erklärte Hougan.
Seit dem Start habe Hyperliquid HYPE-Token im Wert von rund 1,3 Milliarden US-Dollar zurückgekauft und vernichtet. Dies habe dazu beigetragen, HYPE zu einem der am stärksten gelaufenen größeren Krypto-Assets zu machen.
Auch andere Protokolle greifen Hougan zufolge zunehmend auf vergleichbare Modelle zurück. Uniswap aktivierte nach seinem UNIfication-Vorschlag vom Dezember 2025 Protokollgebühren und begann, die daraus erzielten Einnahmen für den Rückkauf und die Vernichtung von UNI-Token einzusetzen.
Aave wiederum führte im April 2025 wöchentliche Rückkäufe von AAVE ein und weitete das Modell im Juni 2026 mit seinem Programm Aavenomics 3.0 aus. Nach Angaben Hougans hat das Protokoll inzwischen mehr als 1,2 Prozent des gesamten Token-Angebots zurückgekauft.
Pump.fun geht noch einen Schritt weiter. Die Plattform begann kurz nach ihrem Start im Juli 2025 mit dem Rückkauf von PUMP-Token und hatte bis April Token im Wert von rund 370 Millionen US-Dollar vernichtet.
Der Trend erreicht inzwischen auch Layer-1-Netzwerke. Solanas Vorschlag SGP-0003 sieht eine geringere Inflation bei gleichzeitig höheren Gebührenverbrennungen vor. Aptos wiederum hat die Gasgebühren angehoben, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Token-Inhaber zu verbessern. Die Entwicklungen deuten auf einen breiteren Wandel bei der Bewertung von Krypto-Assets hin.
„Abgesehen von Bitcoin wird der Wert von Krypto-Assets zunehmend von derselben Kennzahl bestimmt werden, die auch für Aktien und Anleihen entscheidend ist: den Einnahmen“, fügte Hougan hinzu.
Die weltweite Marktkapitalisierung des Kryptomarktes belief sich am Donnerstag auf 2,26 Billionen US-Dollar.
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