Bitcoin (BTC) hat sich in der vergangenen Woche von seinen jüngsten Tiefständen nahe 60.000 US-Dollar erholt. Ausschlaggebend dafür waren niedriger als erwartete US-Inflationsdaten sowie nachlassende geopolitische Spannungen, die die Stimmung an den Märkten aufhellten. Analysten von Wintermute betonten jedoch in einer Mitteilung vom Dienstag, dass die Erholung wenig an der übergeordneten Marktstruktur verändert habe.

Bitcoin-Erholung durch makroökonomische Entspannung, nicht durch Trendwende

Bitcoin näherte sich wieder der Marke von 60.000 US-Dollar, nachdem der Verbraucherpreisindex (CPI) für Mai weitgehend den Erwartungen entsprochen hatte und eine Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran die Sorgen vor einer Ausweitung des Konflikts verringerte. Die Entwicklungen unterstützten eine breitere Risikobereitschaft an den Aktien- und Kryptomärkten.

Wintermute verwies darauf, dass die Erholung auf den starken Ausverkauf vor zwei Wochen folgte, als Bitcoin innerhalb einer Woche um 14 Prozent gefallen war. Während der Rückgang vielfach auf Berichte über Bitcoin-Verkäufe und Kapitalmaßnahmen von Strategy zurückgeführt wurde, sieht Wintermute die Hauptursache in einer breiteren Flucht aus risikobehafteten Anlagen.

„Tatsächlich gab es zwei andere Treiber: Erstens eine breit angelegte Flucht aus Risikoanlagen aufgrund steigender Inflationssorgen und starker Arbeitsmarktdaten. Zweitens die kryptospezifische Bestätigung, dass die Aufwärtsbewegung vom Bereich knapp über 60.000 Dollar bis auf 83.000 Dollar keine weitere Dynamik mehr hatte“, heißt es in dem Bericht.

Nach Angaben des Unternehmens hat Bitcoin seit Oktober inzwischen drei Rückgänge von jeweils mehr als 20 Prozent erlebt. Der jüngste Einbruch unterscheide sich jedoch von den beiden vorherigen Phasen, da sowohl optimistische als auch pessimistische Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt worden seien.

„Der jüngste Rückgang von 83.000 auf 60.000 Dollar war eine Bärenmarkt-Falle, die sowohl Bullen als auch Bären in beide Richtungen aus dem Markt gedrängt hat“, erklärte Wintermute.

Für den nächsten Aufschwung braucht Bitcoin frische Liquidität

Nach Einschätzung von Wintermute wird die nächste nachhaltige Aufwärtsbewegung davon abhängen, dass wieder mehr Liquidität über Stablecoins, Spot-Bitcoin-ETFs und Unternehmen mit digitalen Vermögenswerten in den Markt fließt.

Dem Bericht zufolge ist das verwaltete Vermögen entsprechender Unternehmen von rund 220 Milliarden auf etwa 140 Milliarden US-Dollar gesunken. Gleichzeitig sei die Kapitalbeschaffung außerhalb von Unternehmen wie Strategy, Bitmine und Strive weitgehend zum Erliegen gekommen.

„Wir müssen strukturelle Veränderungen bei der Dynamik von Stablecoin-Ausgaben und -Rücknahmen, ETF-Zuflüssen und/oder der Aktivität von Unternehmen mit digitalen Vermögenswerten sehen“, ergänzte Wintermute.

Langfristige Anleger kaufen weiter zu – Makrofaktoren bleiben entscheidend

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt K33 Research in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Demnach bleiben makroökonomische Entwicklungen der wichtigste Einflussfaktor für den Bitcoin-Kurs.

Das Analysehaus verweist darauf, dass die 30-Tage-Korrelation von Bitcoin mit dem S&P 500 inzwischen auf nahezu 0,6 gestiegen ist, obwohl sich beide Anlagen in diesem Jahr sehr unterschiedlich entwickelt haben.

Während der S&P 500 in der Nähe seiner Rekordstände notiert, liegt Bitcoin weiterhin rund 50 Prozent unter seinem Zyklushoch. Das deutet darauf hin, dass die Kryptowährung in Phasen von Marktschwäche zunehmend empfindlich auf makroökonomische Entwicklungen reagiert.

„Die Korrelationen lagen während des gesamten Jahres 2022 dauerhaft in der Nähe des aktuellen Niveaus und erreichten vergleichbare Werte nur während Bitcoin-Rückgängen in den Jahren 2024, 2025 und 2026“, schrieb K33-Forschungschef Vetle Lunde.

Die Aufmerksamkeit der Anleger richtet sich nun auf die Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank (FOMC) in dieser Woche. Es handelt sich um die erste Sitzung unter dem Vorsitz von Kevin Warsh.

„Während die Märkte weitgehend davon ausgehen, dass die Zinsen unverändert bleiben, achten Investoren darauf, ob Warsh einen anderen Ansatz in der Geldpolitik und der Kommunikation der Fed erkennen lässt als sein Vorgänger“, erklärte K33.

Neben den makroökonomischen Faktoren verweist K33 auf verbesserte On-Chain-Daten, die Bitcoin langfristig stützen könnten.

Demnach hat der Verkaufsdruck langfristiger Anleger in diesem Jahr deutlich nachgelassen. Bis zum 6. Juni wurden lediglich 218.421 Bitcoin, die mindestens zwei Jahre lang nicht bewegt worden waren, wieder aktiv. Im Vergleichszeitraum des Jahres 2024 waren es noch 1,18 Millionen Bitcoin. Dies deutet darauf hin, dass deutlich weniger langfristige Investoren ihre Bestände an Börsen transferieren, um sie zu verkaufen.

Gleichzeitig kontrollieren langfristige Anleger inzwischen einen Rekordanteil von 79 Prozent des umlaufenden Bitcoin-Angebots. Ein ähnliches Muster war bereits in früheren Bitcoin-Bärenmärkten zu beobachten, wenn sich der Markt seinem Tiefpunkt näherte.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notierte Bitcoin bei 65.610 US-Dollar und damit 1,5 Prozent niedriger als 24 Stunden zuvor.


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