Goldpreis und Silberpreis: Diese Entwicklung überrascht den Markt
|Der Goldpreis steht wieder an einer dieser Marken, an denen es plötzlich schnell gehen kann. Nach mehreren schwachen Wochen tastet sich das Edelmetall erneut an die Marke von 4.200 US-Dollar heran. Gleichzeitig dreht die Erwartung an die US-Notenbank: Trotz heißer Inflationsdaten rechnet der Markt inzwischen deutlich seltener mit einer Zinserhöhung im Oktober.
Das ist eine interessante Mischung.
Denn eigentlich sprechen steigende Inflation und hohe Energiepreise für eine härtere Fed. Doch genau diese Erwartung hat sich zum Ende der Woche abgeschwächt. Die Renditen geben nach, der Dollar verliert etwas an Kraft und der Goldpreis bekommt wieder Luft.
Ganz anders sieht es beim Silberpreis aus. Silber hat in dieser Woche rund 6 % verloren und steuert auf die sechste Verlustwoche innerhalb der vergangenen acht Wochen zu. Gold stabilisiert sich also, während Silber weiter schwächelt.
Damit stellt sich für Anleger eine spannende Frage: Steht Gold vor dem nächsten Ausbruch, während Silber noch einmal deutlich tiefer fallen könnte?
Fed-Chef Warsh hält sich bedeckt
Fed-Chef Warsh nahm am Vorabend an einer Gesprächsrunde beim Treffen von IWF und Weltbank in Bangkok teil. Die Märkte hatten auf eine Reaktion auf die überraschend hohen Inflationsdaten dieser Woche gehofft. Vielleicht sogar auf einen Hinweis, wie es Ende Oktober weitergehen könnte.
Doch Warsh blieb vorsichtig.
Inflation bezeichnete er lediglich allgemein als eine „gemeinsame Herausforderung“. Gleichzeitig stellte er klar, dass er vor den Sitzungen des Offenmarktausschusses keine Entscheidungen vorwegnehmen werde.
Das passt zu seiner bisherigen Linie.
Seit seiner Anhörung zur Bestätigung als Fed-Chef betont Warsh, dass er „nicht an Forward Guidance glaubt“ und die Fed künftige Entscheidungen nicht im Voraus signalisieren sollte.
Andere Fed-Mitglieder zeigen sich derzeit allerdings deutlich offensiver.
Chicago-Fed-Präsident Austan Goolsbee bezeichnete die jüngsten Verbraucher- und Erzeugerpreisdaten am Donnerstag als „entmutigend“. Zwar hält er es weiterhin für möglich, dass ein Teil des Preisdrucks nur vorübergehend ist. Dazu zählt er Zölle sowie Lieferprobleme im Zusammenhang mit den Konflikten im Nahen Osten.
Gleichzeitig wächst bei ihm aber die Sorge, dass die Inflation zunehmend von hartnäckiger Nachfrage getrieben wird.
Interessant ist dabei ein möglicher Zusammenhang mit den hohen Investitionen in künstliche Intelligenz. Genau diese könnten die Wirtschaft stärker anschieben und damit zusätzlichen Preisdruck erzeugen.
Viel Zeit für weitere Signale bleibt der Fed jetzt nicht mehr.
Die Schweigeperiode vor der Sitzung am 27. und 28. Oktober beginnt in der Nacht zu Samstag um Mitternacht US-Ostküstenzeit.
Danach muss der Markt zunächst ohne neue geldpolitische Kommentare auskommen.
Warum die Zinserhöhung plötzlich wieder unwahrscheinlicher wird
Die Inflationszahlen selbst waren eindeutig stark.
Die annualisierte Verbraucherpreisinflation erreichte den höchsten Stand seit mehreren Monaten. Gleichzeitig sprang die Erzeugerpreisinflation auf ein Mehrjahreshoch.
Doch ein großer Teil dieses Anstiegs ging auf Energie zurück.
Und genau das könnte erklären, warum der Markt trotz der heißen Daten inzwischen wieder etwas entspannter auf die Fed blickt.
Sollten sich die Energiepreise stabilisieren, könnte auch ein Teil des Inflationsdrucks wieder nachlassen.
Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober liegt laut Fed-Funds-Futures inzwischen nur noch bei 12,7 %. Am Donnerstag waren es noch 27,7 %.
Auch für das Jahresende ist inzwischen nur noch wenig zusätzliche Straffung eingepreist.
Der implizierte Fed-Funds-Satz liegt bei 4,07 %. Das entspricht gerade einmal rund 19,5 Basispunkten zusätzlicher Straffung.
Für Gold ist genau das relevant.
Gold zahlt keine Zinsen. Steigen die Renditen, wird das Edelmetall im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv. Fallen die Zinserwartungen dagegen zurück, verliert dieser Gegenwind an Kraft.
Genau das sehen wir derzeit.
Die USA haben ein zweites Zinsproblem
Hinzu kommt ein Punkt, der bei der Diskussion über Zinserhöhungen oft untergeht.
Die USA sind längst nicht mehr nur mit Inflation beschäftigt, sondern auch mit den Folgen ihrer enormen Staatsverschuldung.
Im Fiskaljahr 2026 lagen die Kosten für den Schuldendienst bereits bei mehr als 1 Billion US-Dollar.
Damit sind die Nettozinszahlungen inzwischen höher als die Ausgaben für Verteidigung und Medicare. Nur die Sozialversicherung beansprucht noch mehr Geld.
Und jede weitere Zinserhöhung verschärft das Problem.
Eine Anhebung um 25 Basispunkte würde die jährlichen Zinskosten um rund 18 Mrd. US-Dollar erhöhen.
Nach den aktuellen Projektionen des Congressional Budget Office könnten die jährlichen Zinszahlungen bis 2036 sogar auf rund 2,1 Billionen US-Dollar steigen.
Für Gold ist das langfristig durchaus relevant.
Hohe Schulden, steigende Zinskosten und gleichzeitig hartnäckige Inflation sind genau die Kombination, bei der Gold seine klassische Rolle als Absicherung wieder stärker ausspielen kann.
Nahost und Ukraine treiben den Ölpreis
Auch geopolitisch bleibt die Lage angespannt.
Vom Iran unterstützte Huthi-Rebellen griffen am Donnerstag den Präsidentenpalast im jemenitischen Aden mit Raketen an. Dabei wurden mehrere Menschen getötet und weitere verletzt.
Saudi-Arabien fing gleichzeitig weitere Raketen und Drohnen ab, die auf saudisches Gebiet gerichtet waren.
US-Präsident Donald Trump schloss in einem Interview zwar den Einsatz amerikanischer Bodentruppen gegen Iran aus. Weitere konventionelle Militärschläge ließ er aber ausdrücklich offen.
Damit bleiben die Straße von Hormus und die Energieinfrastruktur der Region ein zentraler Risikofaktor.
Auch zwischen Russland und der Ukraine gibt es keine Entspannung.
Die von Präsident Trump am vergangenen Wochenende angekündigte „Energie-Waffenruhe“ ist offenbar bereits wieder zusammengebrochen, sofern sie überhaupt jemals wirklich Bestand hatte.
Die Ukraine nahm ihre Angriffe auf russische Raffinerien wieder auf. Kiew begründete dies damit, dass Moskau seine Attacken auf ukrainische Strom- und Gasanlagen nie eingestellt habe.
Der Ölpreis reagiert entsprechend.
Brent testete erneut das Septemberhoch oberhalb von 111 US-Dollar.
Damit bleibt Energie einer der wichtigsten Faktoren für Inflation, Fed und Goldpreis zugleich.
Goldpreis: Jetzt zählt die Zone über 4.200 Dollar
Technisch wird es nun interessant.
Der Goldpreis drückte am Freitag im frühen US-Handel wieder an die Marke von 4.200 US-Dollar. Unterstützung kamen von niedrigeren Renditen und einem etwas schwächeren Dollar.
Ein Schlusskurs über 4.194,29 US-Dollar würde den zweiten höheren Wochenschluss in Folge bestätigen.
Noch wichtiger ist aber das mögliche Doppelboden-Signal.
Das Tief der vergangenen Woche bei 4.067,07 US-Dollar hielt mehreren Tests in dieser Woche stand. Damit entsteht zumindest die Chance auf eine Bodenbildung.
Bestätigt wäre sie allerdings erst bei einem Ausbruch über 4.217,02 US-Dollar, dem Hoch vom 12. Oktober.
Direkt darüber wartet mit 4.225,02 US-Dollar das Hoch vom 2. Oktober.
Und genau dort wird es richtig spannend.
Denn auch der fallende 100-Tage-Durchschnitt dürfte in der kommenden Woche in diesen Bereich laufen.
Damit entsteht zwischen rund 4.217 und 4.225 US-Dollar eine echte Entscheidungszone.
Über 4.225 Dollar könnte Bewegung reinkommen
Mehrfach ist Gold zuletzt oberhalb von 4.200 US-Dollar gescheitert.
Das bedeutet gleichzeitig, dass sich über diesen Hochs wahrscheinlich zahlreiche Kauf-Stopp-Orders angesammelt haben.
Gelingt der Ausbruch, könnten diese Orders ausgelöst werden und die Bewegung zusätzlich beschleunigen.
Das nächste Ziel läge dann bei 4.307,44 US-Dollar.
Dort befindet sich ein wichtiges Fibonacci-Niveau.
Kurz darüber wartet bereits der 50-Tage-Durchschnitt bei 4.331,32 US-Dollar.
Darüber wiederum rückt das 50%-Retracement der Abwärtsbewegung von August bis Oktober bei 4.381,69 US-Dollar in den Fokus.
Damit wäre technisch deutlich mehr erreicht als nur ein kurzfristiger Rebound.
Der Goldpreis würde dann beginnen, einen größeren Teil seiner vorherigen Korrektur zurückzuerobern.
Gold profitiert wieder von seiner klassischen Rolle
Interessant ist derzeit vor allem, wie Gold auf die Inflationsdaten reagiert.
Eigentlich müssten starke Verbraucher- und Erzeugerpreise den Markt stärker auf weitere Zinserhöhungen vorbereiten.
Doch genau das ist nicht passiert.
Die Inflationsdaten bleiben heiß, während die Erwartungen an eine aggressive Fed gleichzeitig sinken.
Für Gold ist das nahezu die ideale Kombination.
Denn damit kann das Edelmetall wieder stärker als Inflationsschutz wahrgenommen werden, ohne gleichzeitig massiv unter höheren Zinserwartungen zu leiden.
Hinzu kommt die Nachfrage nach sicheren Häfen.
Die Unsicherheit rund um Staatsverschuldung, Nahost und Ukraine verschwindet nicht. Im Gegenteil: Sie bleibt ein zusätzlicher Stützpfeiler.
Auf der Unterseite sollten Anleger zunächst das asiatische Tagestief bei 4.147,59 US-Dollar im Blick behalten.
Darunter liegt das Donnerstagstief bei 4.100,39 US-Dollar.
Diese Marken schützen wiederum die jüngsten Tiefs bei 4.073,90 und 4.067,07 US-Dollar.
Dass dieser Bereich inzwischen mehrfach gehalten hat, macht die technische Ausgangslage stabiler.
Damit wächst auch das Vertrauen in die Annahme, dass das Tief vom 30. Juni bei 3.945,52 US-Dollar tatsächlich das entscheidende Tief gewesen sein könnte.
Ganz ausgeräumt sind die Zweifel allerdings noch nicht.
Und dafür sorgt vor allem Silber.
Silberpreis: Das Bild wird gefährlicher
Beim Silberpreis sieht die Lage deutlich schwächer aus.
Silber hat in dieser Woche rund 6 % verloren und steht damit vor der sechsten Verlustwoche innerhalb der vergangenen acht Wochen.
Am Freitag kann sich der Preis zwar etwas erholen.
Doch ein Teil dieser Bewegung dürfte lediglich auf Positionsbereinigungen zurückzuführen sein.
Technisch bleibt die Situation angespannt.
Am Mittwoch fiel Silber auf ein 13-Wochen-Tief.
Damit wächst das Risiko, dass auch das Sommertief bei 54,778 US-Dollar noch einmal ernsthaft getestet wird.
Und genau hier trennt sich der Weg von Gold und Silber.
Gold profitiert stärker von seiner Rolle als sicherer Hafen.
Silber dagegen hängt viel stärker an der industriellen Nachfrage.
Und ausgerechnet dort werden die Signale schlechter.
Warum KI und Solar den Silberpreis belasten
Hohe Renditen und ein starker Dollar bleiben wichtige Belastungsfaktoren.
Doch inzwischen kommt noch etwas hinzu.
Die Sorgen um die industrielle Silbernachfrage nehmen zu.
Ein Grund sind steigende Finanzierungskosten.
Wenn Kapital teurer wird, könnte sich auch der Ausbau der KI-Infrastruktur verlangsamen.
Das wäre für Silber relevant, weil ein Teil der industriellen Nachfrage direkt oder indirekt an genau solchen Investitionszyklen hängt.
Auch aus dem Solarsektor kommt derzeit weniger Unterstützung.
Die saisonale Hochphase läuft aus, die Nachfrage kühlt ab.
Umicore verweist hier auf eine Prognose von HSBC.
Demnach könnte die industrielle Silbernachfrage von 642 Mio. Unzen im Jahr 2026 auf 618 Mio. Unzen im Jahr 2027 sinken.
Als Gründe werden unter anderem Kostensenkungen und die zunehmende Substitution von Silber in der Solarindustrie genannt.
Das ist für Silber ein echtes Problem.
Denn anders als Gold lebt Silber nicht nur von Investmentnachfrage und sicheren Häfen.
Ein erheblicher Teil der Nachfrage kommt aus der Industrie.
Wenn dieser Motor schwächer läuft, kann selbst ein grundsätzlich positives Umfeld für Edelmetalle nicht automatisch für steigende Silberpreise sorgen.
Diese Marke muss Silber jetzt zurückholen
Technisch braucht Silber zunächst einen klaren Befreiungsschlag.
Ein überzeugender Anstieg über 60 US-Dollar wäre ein erster Schritt.
Wirklich entscheidend sind allerdings die wichtigen gleitenden Durchschnitte über 20, 100 und 50 Tage.
Besonders der 50-Tage-Durchschnitt bei 63,974 US-Dollar dürfte zum Schlüssel werden.
Erst ein Ausbruch darüber würde das Chartbild spürbar verbessern.
Dann könnten wieder die Septemberhochs oberhalb von 68 US-Dollar in den Fokus rücken.
Bis dahin bleibt Silber klar schwächer als Gold.
Und genau das macht die aktuelle Konstellation so spannend.
Der Goldpreis steht direkt vor einer wichtigen Ausbruchszone. Silber dagegen kämpft noch darum, überhaupt einen Boden zu finden.
Das entscheidet nächste Woche
In der kommenden Woche richtet sich der Blick zunächst auf eine Reihe großer Unternehmensberichte.
Netflix legt am Dienstag Zahlen vor. Am Mittwoch folgen Tesla und Meta. Procter & Gamble berichtet am Donnerstag.
Diese Ergebnisse dürften neue Hinweise auf Konsum, Technologie, KI-Nachfrage und die allgemeine Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft liefern.
Auch der Ölpreis bleibt ein zentraler Faktor.
Auf der Konjunkturseite stehen am Dienstag Daten zu Baubeginnen und Baugenehmigungen in den USA an. Am Freitag folgt das Verbrauchervertrauen der University of Michigan.
Über allem stehen aber weiter die überraschend hohen Inflationsdaten dieser Woche.
Bis zur Fed-Sitzung Ende Oktober wird der Markt deshalb ständig neu bewerten, wie wahrscheinlich eine weitere Straffung tatsächlich ist.
Für Goldpreis und Silberpreis bleibt genau dieser Mix aus Inflation, Renditen, Dollar, Öl und geopolitischen Risiken entscheidend.
Beim Goldpreis haben die Bullen jetzt eine echte Chance.
Fällt die Zone um 4.217 bis 4.225 US-Dollar, wäre der mögliche Doppelboden bestätigt und der Weg in Richtung 4.300 US-Dollar geöffnet.
Beim Silberpreis sieht die Lage anders aus.
Dort müssen die Käufer erst beweisen, dass der jüngste Abverkauf tatsächlich vorbei ist.
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