Goldpreis schwächelt brutal: Fällt jetzt auch noch die 4.000-Dollar-Marke?
|Der Goldpreis steht erneut unter Druck – und ausgerechnet jetzt rückt eine Zone in den Fokus, die über den nächsten größeren Schritt entscheiden könnte.
Am Donnerstagmorgen notieren die Gold-Futures bei 4.098,30 US-Dollar und damit 1,25 % im Minus. Entscheidend ist dabei weniger der Tagesverlust selbst, sondern die Lage im Chart: Gold sitzt praktisch direkt auf einer wichtigen Unterstützungszone zwischen 4.091 und 4.124 US-Dollar.
Noch ist diese Zone nicht sauber gebrochen. Genau das macht die Lage so brisant.
Denn technisch spricht weiter mehr für fallende als für steigende Kurse. Gleichzeitig ist der Goldpreis bereits so nah an der Unterstützung, dass ein neuer Short-Einstieg auf dem aktuellen Niveau alles andere als komfortabel wäre.
Kurz gesagt: Die Verkäufer haben weiter die besseren Karten. Aber sie müssen jetzt liefern.
Goldpreis bleibt klar im Abwärtstrend
Der Blick auf den Chart lässt wenig Raum für Euphorie.
Seit Anfang Oktober bildet der Goldpreis fallende Hochs aus. Am 2. Oktober lag das Hoch noch bei 4.259,00 US-Dollar. Am 16. Oktober waren es nur noch 4.220,40 US-Dollar.
Das ist zunächst einmal ein klassisches Zeichen dafür, dass die Käufer bei Erholungen zunehmend früher aussteigen und Verkäufer schneller wieder die Kontrolle übernehmen.
Auch die wichtigen Durchschnittslinien liegen allesamt über dem aktuellen Kurs.
Der exponentielle 20-Tage-Durchschnitt steht auf Basis der noch laufenden Kerze vom 22. Oktober bei 4.195,30 US-Dollar. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.353,17 US-Dollar, die 200-Tage-Linie sogar bei 4.540,70 US-Dollar.
Der Goldpreis notiert also nicht nur unter dem kurzfristigen Trend, sondern auch deutlich unter den längerfristig wichtigen Marken.
Das spricht weiter für einen intakten Abwärtstrend.
Entsprechend liegt das bevorzugte Szenario aktuell auf der Unterseite. Die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung wird auf 70 % geschätzt. Für eine bullische Trendwende bleiben 30 %.
Der entscheidende Unterschied zwischen beiden Szenarien liegt in zwei Marken.
Unterhalb von 4.091 US-Dollar würde sich das bärische Bild weiter bestätigen. Für eine echte Aufhellung müsste Gold dagegen zunächst per Tagesschluss über 4.220 US-Dollar steigen.
Jetzt kommt es auf 4.091 Dollar an
Die aktuelle Struktur ist relativ eindeutig.
Eine fallende Widerstandslinie drückt den Goldpreis immer weiter in Richtung der Nachfragezone zwischen 4.091 und 4.124 US-Dollar.
Von einem sauber ausgebildeten Abwärtskanal kann allerdings noch nicht gesprochen werden. Die tieferen Tiefs verlaufen nicht parallel genug, um eine klare Kanalstruktur zu bestätigen.
Das ist wichtig, weil der Goldpreis zwar schwach aussieht, sich gleichzeitig aber bereits direkt an einer Zone befindet, an der Käufer wieder aktiv werden könnten.
Genau deshalb wäre es aus technischer Sicht riskant, der aktuellen Schwäche einfach hinterherzulaufen.
Die Lage ähnelt einer gespannten Feder: Entweder hält die Unterstützung und Gold startet eine Gegenbewegung – oder die Zone bricht und setzt die nächste Abwärtswelle frei.
Die Marke von 4.091 US-Dollar ist dabei der entscheidende Trigger.
Ein Tagesschluss darunter würde das bärische Szenario bestätigen. In diesem Fall liegt der reguläre Short-Einstieg bei 4.088 US-Dollar. Der Stop-Loss wäre bei 4.145 US-Dollar angesetzt.
Das erste Kursziel liegt bei 4.000 US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Chance-Risiko-Verhältnis von 1,5.
Das zweite Ziel befindet sich bei 3.955 US-Dollar. Hier steigt das Chance-Risiko-Verhältnis auf 2,3.
Ein aggressiverer Einstieg wäre bereits bei 4.105 US-Dollar denkbar, ebenfalls mit einem Stop bei 4.145 US-Dollar. Die Nähe zur Unterstützung macht diesen Ansatz allerdings deutlich anfälliger.
Genau deshalb ist das kurzfristig optimale Szenario weiterhin: Short erst unterhalb von 4.091 US-Dollar.
Die Indikatoren bleiben schwach – aber es gibt einen Haken
Auch beim Momentum bleibt das Bild zunächst negativ.
Der RSI liegt bei 39,94. Damit befindet sich der Goldpreis klar im schwächeren Bereich, ohne bereits überverkauft zu sein.
Das ist für die Verkäufer durchaus interessant.
Denn solange der RSI nicht extrem tief steht, besteht theoretisch weiterer Spielraum nach unten. Erst ein Anstieg über die Marke von 50 würde darauf hindeuten, dass die Käufer wieder stärker werden.
Beim MACD sieht es ähnlich aus – allerdings mit einer kleinen Besonderheit.
Der MACD selbst liegt weiterhin deutlich im negativen Bereich bei -51,95. Das Histogramm ist mit 4,46 allerdings bereits positiv.
Das bedeutet: Der übergeordnete Impuls bleibt bärisch, doch der Verkaufsdruck lässt etwas nach.
Das ist noch keine Trendwende. Aber es ist ein Hinweis darauf, dass der Goldpreis an der aktuellen Unterstützung zumindest die Chance auf eine Gegenbewegung besitzt.
Genau deshalb sollte man die Marke um 4.100 US-Dollar nicht unterschätzen.
Auch in der jüngsten Berichterstattung vom 19. Oktober wurde dieser Bereich als entscheidend hervorgehoben. Ein Bruch könnte den Weg in Richtung 4.000 US-Dollar öffnen.
Was passieren muss, damit Gold wieder bullisch wird
Das bullische Szenario ist mit 30 % aktuell klar die zweite Wahl.
Trotzdem ist es nicht vom Tisch.
Der wichtigste Grund dafür ist die Kombination aus nachlassendem Abwärtsmomentum und der Nähe zur Nachfragezone.
Sollte Gold hier Käufer finden, könnte sich zunächst eine technische Erholung entwickeln.
Für eine echte Trendwende reicht ein einfacher Bounce allerdings nicht.
Dafür müsste der Goldpreis per Tagesschluss über die Zone zwischen 4.220 und 4.242 US-Dollar steigen.
Erst oberhalb dieses Bereichs würde sich das Chartbild merklich verbessern.
In diesem Szenario läge der Long-Einstieg bei 4.225 US-Dollar. Der Stop-Loss wäre bei 4.175 US-Dollar angesetzt.
Das erste Ziel liegt bei 4.300 US-Dollar. Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1,5.
Das zweite Kursziel befindet sich bei 4.423 US-Dollar. Hier würde das Chance-Risiko-Verhältnis auf 4,0 steigen.
Ein aggressiver Long-Einstieg ist aktuell nicht vorgesehen.
Das passt zur gesamten Lage: Der Goldpreis darf zunächst zeigen, dass er überhaupt wieder Käufer oberhalb der Widerstandszone anziehen kann.
Fed rückt zusätzlich in den Fokus
Neben der Charttechnik steht schon der nächste mögliche Auslöser fest.
Die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank ist für den 28. Oktober um 14:00 Uhr EDT angesetzt. Die Pressekonferenz folgt um 14:30 Uhr EDT.
Gerade für Gold kann die Fed entscheidend werden.
Bis dahin dürfte der Markt sehr genau beobachten, ob die Unterstützung um 4.091 US-Dollar hält oder vorher bereits fällt.
Denn technisch ist die Lage aktuell klar: Der Goldpreis befindet sich seit rund drei Monaten in einem Abwärtstrend. Die fallende Widerstandslinie vom 2. und 16. Oktober bleibt intakt, ein bestätigtes Umkehrmuster existiert bislang nicht.
Auch von der Candlestick-Seite gibt es aktuell kein belastbares Signal. Die Tageskerze vom 22. Oktober war zum Zeitpunkt der Analyse noch nicht abgeschlossen.
Damit bleibt das Bild nüchtern.
Unter 4.091 US-Dollar steigt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Rückgangs in Richtung 4.000 und anschließend möglicherweise 3.955 US-Dollar deutlich.
Über 4.220 bis 4.242 US-Dollar würde sich die Situation dagegen erstmals ernsthaft zugunsten der Käufer verändern. Dann wäre 4.300 US-Dollar die nächste wichtige Marke.
Der Goldpreis ist damit an einem Punkt angekommen, an dem es weniger um Interpretation als um Bestätigung geht.
Die Verkäufer kontrollieren den Trend, aber sie stehen direkt vor einer wichtigen Unterstützung. Die Käufer wiederum haben eine Chance auf eine Erholung, müssen dafür aber endlich einen Widerstand zurückerobern.
Genau deshalb sollte man jetzt nicht jedem kleinen Ausschlag hinterherlaufen.
Die Marken sind klar: 4.091 US-Dollar unten, 4.220 bis 4.242 US-Dollar oben.
Dazwischen bleibt Gold schwach. Erst der Ausbruch aus dieser Zone dürfte zeigen, ob der Goldpreis noch einmal eine Etage tiefer fällt – oder ob die Käufer doch noch zurückkommen.
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