Die Märkte schauen gern in die Zukunft, aber das heißt noch lange nicht, dass sie oft richtig liegen. Das beste Beispiel sind die US-Wahlen. Niemand - und wer etwas anderes behauptet der lügt - war auf das vorbereitet, was nach dem Trump-Sieg passierte.

Trump war zwar der Außenseiter, aber er war halt nur eines der beiden Übel die zur Wahl standen und ein Großteil der Amerikaner sehen in ihm eher eine Lösung der Probleme, die ihnen Barack Obama bescherte.

Was hat Obama falsch gemacht

Obama war ein populäres Aushängeschild. Als 44. Präsident der Vereinigten Staaten hatte er eine wahre amerikanische Geschichte vorzuweisen und er kam in den Genuss einer bürgerlichen Erziehung. Doch für seine Politik wurde er auch von der US-Bevölkerung stark kritisiert. Man nahm ihn als einen guten Mann und Führer war, als einen guten Redner, aber eigentlich hielt man ihn für völlig inkompetent.

Die wichtigsten Punkte die Obama vorgeworfen werden, sind seine Reformen beim Gesundheitswesen und die Art und Weise wie er mit dem Klimawandel umging. Mit Blick auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaftspolitik ist zu sagen, dass er seine Arbeit etwas besser anging als G.W Bush. Obama löste auch eine Kontroverse aus, als er zum Beginn des Jahres auf einem Besuch in Argentinien war. Er erklärte dem Publikum, dass es keinen großen Unterschied zwischen Kommunismus und Kapitalismus gibt und man nur zu wählen hat, was am Ende besser funktioniert.

Was die Schaffung von Arbeitsplätzen anbetrifft, so konnte Obama den Präsidenten Bill Clinton und Ronald Reagan nicht das Wasser reichen. Immerhin gingen auf Obamas Konto auch viele Entlassungen. Eine klare Mehrheit gibt bei Befragungen an, dass die Obama-Politik das Land in die falsche Richtung führt.

Hier stand vor allem die Obama Außenpolitik auf dem Prüfstand. Den meisten gefiel gar nicht, wie sich Obama dem Iran näherte und man hat große Zweifel daran, dass das Nuklearabkommen von Dauer sein wird. Das die iranischen Geschäfte eher in Euro als in Dollar abgewickelt werden, macht da auch keinen Unterschied.

Im Hinblick auf den Terrorismus ist zu sagen, dass viele US-Bürger Angst vor einem weiteren Anschlag in den USA haben und sie glauben, dass die ISIS-Terroristen bereits unter ihnen leben. Einen großen Sieg kann Obama vorweisen - Osama bin Laden wurde gefunden. Doch der nicht enden wollende Krieg im Irak und das zunehmende Chaos in diesem Land, stärkten die ISIS und es wurde in Syrien ein Bürgerkrieg entfacht. Dies wird Obama angelastet. Tatsache ist, dass die meisten Amerikaner die Nase davon voll haben, dass die USA als internationale Friedenstruppe auftritt. Die Amerikaner an sich werden vorsichtiger und sie wollen sich mehr auf ihre eigenen Probleme konzentrieren. Ein Großteil der Bevölkerung ist dagegen, dass Syrer Asyl in den Vereinigten Staaten bekommen können. Dann trat Trump ins Rampenlicht und der Rest ist - Geschichte - die möglicherweise übel ausgeht ...

Wir können Trump nicht unbedingt für das, was folgt, die Schuld zuweisen, zumindest noch nicht. Die Probleme der US-Wirtschaft und der ganzen Welt waren lange vor Trump da - er ist vielleicht derjenige, dem es gelingt mit den Staatsschulden der Vereinigten Staaten fertig zu werden. Der Wirtschaftswissenschaftler Harry Dent sagte, dass diese das Hauptproblem sind und vor allem anderen angepackt werden müssen.

"Viva la revolucion"!

Wir alle wissen, dass Trump im Wahlkampf die Anti-Establishment Stimme war, in einer Welt in der die Globalisierung auf dem Rückzug ist und der Protektionismus zunimmt. Ironischerweise haben die hyperventilierenden und verärgerten Liberalen genau diesen Menschen dorthin gebracht wo er heute ist, auch wenn sie die korrupte Clinton Administration vorgezogen hätten. Denn mit ihr als Insider am Ruder und von der Wall Street finanziert, wäre der Status Quo nicht in Gefahr. Aber stattdessen wählten die Demokraten einen Technokraten, der sich die Zähne bleckt, die eingefahrene Maschine mit schweren Schlägen auf einen neuen Kurs zu bringen.

Die Medienkampagne gegen ihn hatte keinen besonderen Erfolg. Alles was Trump tun musste war die Frustration der gewöhnlichen Amerikaner aussprechen, was er auch tat und das sogar sehr gut. Er stimmte ein in die Gesänge der Brexitiers und der Mehrheit der französischen Bevölkerung, die nur darauf wartet, Marine Le Pen zu wählen - eine Person die seit Jahren die französische Revolte vorantreibt - "Viva la revolucion"!

Die Dinge sind wie sie sind. In unserer aktuellen Realität, in der der weltweite Populismus zunimmt und die Globalisierung genauso schrumpft wie der Welthandel, wird sich noch zeigen müssen, was von den Trump-Plänen letztendlich umgesetzt wird.

Was kann Trump 2017 realistisch auf die Beine stellen?

Er möchte weniger handeln, mit dem was von der Welt noch übrig ist (Globalisierung ist rückläufig). Wegen seiner protektionistischen Position wird der Warenaustausch geringer ausfallen, was zu Lasten der Entwicklung der Schwellenländer geht. Der Dollar wird mehr geerdet und Chinas Wirtschaft wird eine zunehmende Blase, während der Währungskrieg zwischen den Zentralbanken vorangetrieben wird. Einen Währungskrieg kann aber keiner gewinnen. Es gibt nur Verlierer und am Ende stehen alle vor dem gleichen Scherbenhaufen. Wenn Trump seine ersten 100 Tage im Amt hinter sich gebracht hat, dann werden wir sehen, was von dem was er ursprünglich wollte übrig geblieben ist.

Ohne Zweifel hat Trump einen sehr ambitionierten Plan für seine ersten 100 Tage. Dieser reicht von der Einwanderung und der nationalen Sicherheit, über den Handel, die Energie, Regulierungen bis hin zur Ethik. Selbst für einen Mann wie ihn, der bekannt ist für seinen Aktionismus wird dies eine große Herausforderung darstellen.
Sei es wie es ist, es bedeutet aber nicht, dass er nicht wenigstens einen Teil seiner Inspiration in den ersten 3,5 Monaten seiner 4-jährigen Amtszeit umsetzt. Der Kongreß ist nicht gerade für seine Schnelligkeit bekannt, doch genau die wird Trump benötigen. Viele der Reformen die er anstrebt werden Jahre benötigen um den Kongress zu passieren.

Seine Präsidentenwahl beinhaltet eine Progression der "Exekutivmaßnahmen" die er im Anschluss an den 20. Januar 2017 plant. Eine ganze Reihe von Dingen die Obama auf den Weg brachte, können nicht so ohne weiteres geändert oder ungeschehen gemacht werden. Dazu zählen das Dodd-Frank Finanzreformgesetzt, Steuerreformen oder die CO2 Kontrolle durch die Umweltschutzbehörde. Alles was nicht an einem Tag abgeschafft werden kann, das wird verteidigt werden und dies schreit geradezu nach Kompromissen.

Hier sind einige Dinge, die er sofort anpacken kann, aber alle werden Zeit benötigen.

1) Einwanderung

"Ich werde das Arbeitsministerium genau unter die Lupe nehmen, um den Missbrauch des Visa Programms zu unterbinden, welcher zu Lasten der amerikanischen Arbeitnehmer geht", sagte Trump. Viele haben ihn beim Wort genommen als er sagte, er wird eine Mauer errichten für die Mexiko bezahlt, aber es ist offensichtlich, dass Mexiko nicht auf direktem Weg bezahlen wird. Aber was viel wichtiger ist, dass Trump entgegen der Medienberichte wahrscheinlich keine Massendeportationen von illigalen Einwanderern vornimmt, sondern es zu einer begrenzten Legalisierung kommt, für die, die bereits in den USA leben und arbeiten. Eine vollständige Gewährung der Staatsbürgerschat ist hingegen nicht zu erwarten.

2) Aufhebung und ersetzen der Obama Gesundheitsreform

Dieser Punkt wird viel schwieriger als Trump bisher dachte, aber er dürfte dennoch vorhaben, die komplizierte Obama Gesundheitsreform ersetzen zu wollen. Doch nach einem Treffen mit Obama hat er seine Meinung zu dem Thema im Vergleich zu seinen vorherigen Bestrebungen bereits angepaßt.

Der wichtigste Punkt betrifft die Menschen, für die die Obama Gesundheitsreform zu teuer ist und die die noch keine entsprechende Absicherung haben. Der Kongress und Trump werden in diesem Zusammenhang die Möglichkeit eines Gutschein Programms für Einzelpersonen prüfen. Trump wird zusätzlich sicherstellen wollen, dass Einzelpersonen die zuvor die Bedingungen erfüllten, nicht abgelehnt werden können. Ein Hauptproblem bei der Subventionierung des Affordable Care Act (ACA) ist, dass 25 Millionen Menschen das Haushaltsdefizit in nur einem Jahr um 200 Mrd. $ erhöhen. Um dem entgegenzuwirken ist der Trump-Plan einen vollständigen Wettbewerb auf diesem Markt zu ermöglichen, so dass die Versicherungskosten sinken und die Zufriedenheit der Verbraucher steigt. Es gibt eine ganze Reihe von möglichen Reformen, die letztendlich dazu dienen die Kosten zu senken und die finanzielle Sicherheit aller Amerikaner zu verbessern.

3) Der Handel

Hierbei handelt es sich um einen sehr gefährlichen Vorschlag - ein Krieg, den Trump tatsächlich verlieren kann und der Millionen von Arbeitsplätze kosten wird, wenn es schief geht. Bereits während der Präsidentschaftswahl kündigte er eine "Absichtserklärung" an, das Transpazifische Handelsabkommen aufzukündigen, da es aus seiner Sicht eine "potenzielle Katastrophe" ist. Er sagte: "Wir werden faire und bilaterale Handelsabkommen eingehen, welche die Arbeitsplätze und die Industrie nach Amerika zurückbringen." Die USA ist bereit, die Enterhaken nach China auszuwerfen und sollte es tatsächlich zu einem Handelskrieg kommen, so wird China diesen wahrscheinlich gewinnen, wenn man sich den Fortschritt des Landes gegenüber dem Rest der Welt ansieht. Hinzu kommt der jüngste Einstieg in den IWF SDR als Teil der China De-Dollarization Strategie, während gleichzeitig Unmengen an Gold gehortet werden, um sich gegen die Inflation (Dollar Kaufkraftverlust) und die steigenden Renditen abzusichern.

Ein Handelskrieg wird von zwei Seiten geführt und Amerika ist nicht der wichtigste Handelspartner Chinas - In die USA gehen lediglich 16% der Exporte Chinas und ein Teil der Boing Anfragen können zum Beispiel über Airbus abgedeckt werden. Ebenso wären die US Auto und iPhone Deals in China keine Tragödie - China könnte die letzte Generation des iPhone für sich selbst kostengünstig produzieren, während Apple zu höheren Kosten woanders produzieren lassen müsste. Die US Sojabohnen (haben einen hohen Anteil am US Q3 BIP Upgrade 2016) und die Maisimporte könnten beendet werden. Hinzu kommt, dass in solch einem Kampf Washington als der Bösewicht dasteht. Wenn die USA hier nicht größtmögliche Vorsicht walten lassen, so könnten sie sich vom Rest der Welt isolieren.

4) Steuerreform

Ist diese in den ersten 100 Tagen oder überhaupt denkbar? Ja und nein ...

Trump sein Plan ist es die Wirtschaft jährlich um 4% wachsen zu lassen und dazu zählt die Schaffung von 25 Millionen Arbeitsplätzen über 10 Jahre, in Verbindung mit Handelsreformen.

Trump hat vor die Steuern über alle Bereiche hinweg zu senken und anstatt der bisherigen 7 Steuerklassen, soll es nur noch 3 geben, während die Steuerformulare erheblich vereinfacht werden. Die Unternehmenssteuer möchte er von aktuell 35% auf 15 % senken.
Er geht sogar so weit, dass Gewinne die im Ausland im Rahmen einer Partnerschaft lagern, mit einer einmaligen Steuer von 10% in die USA geholt werden können. Hier könnten im Idealfall 2 Billionen $ zusammenkommen und damit wären die Trump Infrastruktur Investitionen in Höhe von 1 Billionen $ finanziert.

5) Ein neuer Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs

Nach dem Antonin Scalia in diesem Jahr verstorben war, legte Trump im letzten Sommer eine Liste von 25 möglichen Kandidaten für den Vorsitz des Obersten Gerichtshofs vor. Das GOP könnte einen Konservativen zum Obersten Richter ernennen.

Zusammenfassung - QE4 kommt

Neben diesen politischen Änderungen, zu denen ich persönlich unterschiedliche Meinungen habe, ist mein größtes Problem die aus meiner Sicht kontraproduktive Trump Finanzpolitik, welche die US Schulden durch die Decke gehen lassen wird und das zu einem Zeitpunkt eines starken Dollars, sowie steigender Inflation und Zinsen. Wo genau soll das ganze Geld herkommen, wenn die Steuern gesenkt werden und ein Konjunkturprogramm aufgelegt wird - von der Fed? Und wie werden sie das machen - natürlich mit QE4!

Mit anderen Worten wird das Verhältnis von Schulden zum BIP weiter steigen und das Wachstum sinkt, wodurch die Zinssätze sinken, nicht steigen und natürlich werden die Pensionsfonds unter Druck geraten.
Allerdings ist es sehr offensichtlich, dass sich der Markt zu diesem Zeitpunkt darüber noch keine Gedanken macht. Und so bleibt der Dollar in der Erwartung stark, dass die Trump Wirtschaftspolitik doch in Richtung der freien Märkte kippt, das Wachstum, Arbeitsplätze und Einkommen steigen - aber für wie lange? Nun, solange der Dollar auf der Welt Mangelware ist und die Offshore Schulden bei 10 Billionen bleiben, solange wird der Dollar stark bleiben. Aber das wollen die USA gar nicht mehr und es wird tatsächlich bereits mit dem IWF diskutiert. Wenn der Dollar nicht mehr die Weltreservewährung sein sollte, dann könnte man sich auf die eigenen Probleme konzentrieren und müsste sich nicht mit denen anderen Nationen rumärgern.

Die Nomura Analysten gehen davon aus, dass der Erfolg der Trump Politik beim Wachstum der Wirtschaft und den Einkommen hauptsächlich davon abhängt, inwieweit die Produktivität gesteigert werden kann.