Erst einmal bedanken wir uns für das vielfältige Feedback auf unsere gestrige Aufforderung, Antworten bezüglich der Attribute des Hegemons zu liefern. Das Antwortbild zu der Frage der Attribute war breit gestreut und sehr facettenreich. Grundsätzlich lautet das Fazit, dass die kritische Haltung, die wir einnehmen, goutiert wird. Merci!
Der Euro hat die starke Unterstützungszone bei 1.0950-70 durchbrochen. Diese Bewegung wurde mit den Äußerungen Mario Draghis in Verbindung gebracht.
Was sagte Draghi, dass diese Bewegung zumindest verbal begründbar ist:
Draghi betonte erneut, dass die Eurozone im Basisszenario Abwärtsrisiken ausgesetzt sei.
Seit mehr als 2 ½ Jahren stellt sich dieses negative Szenario der Abwärtsrisiken als Irrtum heraus. Es dominieren grundsätzlich positive Überraschungen! Lernkurve?
Die EZB werde an der geldpolitischen Unterstützung festhalten. Dafür brauchen wir keine Negativzinsen und aggressive Anleihekäufe, zumal wenn dieses Szenario wesentliche Verwerfungen in tragenden Strukturen (Pensionskassen etc.) zur Folge hat. Damit kann man zukünftige Abwärtsspiralen und nicht nur Abwärtsrisiken förmlich erzwingen! Draghi erwartet, dass die Inflation in den kommenden Monaten allmählich ansteigt.
Anziehende Inflation ist ein Aspekt, der für einen absehbaren Ausstieg aus der aktuellen Politik spricht. Draghi verwies auf neue Stabprojektionen bis 2019 im Dezember und aktuelle Ausschussarbeiten, die die Bewertung des EZB-Rats beeinflussen werden.
Hier sollte der Finanzmarkt aufgehorcht haben. Das ist milde Verbalakrobatik, die eine ernsthafte Chance einer Normalisierung der Maßnahmen impliziert. Vor den US-Wahlen wäre es aber sicherlich zu früh, sich aus dem Fenster zu lehnen …
Laut Draghi signalisieren die jüngsten Daten aus der Eurozone weiter Wachstum im dritten Quartal, das moderat und stetig sei. Ja, Herr Draghi und dieses Wachstum der Eurozone, das 2016 oberhalb der Potentialwachstumsrate der EZB liegen wird, ist maßgeblich von wiederkehrenden Einnahmen geprägt und hat damit eine hohe Qualität ganz im Gegensatz zu dem maßgeblich von Kredit getriebenen Wachstum der USA, das unterhalb des Niveaus der Eurozone 2016 liegen wird (…und die wollen bei einem niedrigeren Wachstumspfad und höherer Inflation Zinsen angeblich im Dezember erhöhen ….).
Dann sagte Draghi, dass man an dieser Politk nicht ewig festhalten könne! Ein plötzlicher Ausstieg ausm den quantitativen Maßnahmen käme aber niemand in den Sinn. Nein, die Vollkaskopolitik der westlichen Zentralbanken erlaubt im Rahme des „Market Management“ der ach so freien Märkte keine unvorbereiteten Lastwechsel. Aber diese Äußerung ist ein erstes Indiz für einen anstehenden Lastwechsel. Das scheint der Finanzmarkt überhört zu haben.
Fazit:
Der EZB-Rat hat sich vor dem Eventrisiko der US-Präisdentschaftswahl weitegehnd neutral verbal aufgestellt. Unsere Erwartungen wurden jedoch übertroffen. Zwischen den Zeilen implizierte die Verbalakriobatik Draghis zart einen potentiellen Lastwechsel im Sinne von moderaten Ausstiegsszenarien.
Die gestrige Marktreaktion, den Euro gegenüber dem USD abzustrafen, ist vor diesem Hintergrund ambitioniert und eine eigenwillige Marktreaktion. Anders als in den USA wird der moderate Ausstieg der EZB voraussichtlich vor einem strukturell stabilen von Einkommen geprägten Wachstumsbild am oder über dem Potentialwachstumspfad bei deutlich geringeren Haushaltsdefiziten und zunehmender Preisinflation stattfinden.
„Food for thought!“
Datenpotpourri:
Der Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone stellte sich in der saisonal bereinigten Fassung auf 29,7 Mrd. Euro nach zuvor 27,7 Mrd. Euro (revidiert von 21,0 Mrd.). Nun ja, das ist dann eben auch eine Folge der wiedergewonnenen Konkurrenzfähigkeit der europäischen Reformländer und der Tatsache, dass die Eurozone circa 1.700 der gut 2.700 „Hiden Champions“ der Welt stellt (USA 366), obwohl unsere Bevölkerung nur 330 Miillionen von 7,5 Mrd. Menschen der gesamten Welt ausmacht (USA 330 Mio.).
Sehen Sie das bitte nicht, als einen fundamentalen Aspekt unter Umständen dem Euro zu vertrauen … Ja, wir nutzen sprachliche Stilmittel, beispielsweise Ironie …

Der Philadelphia Fed Business Index lieferte Ying und Yang. Per Oktober sank der Index von 12,8 auf 9,7 Punkte. Das war jedoch deutlich besser als prognosiziert. Der Markt erwartete einen Rückgang auf 5,3 Punkte.

Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien setzte zarte positive Akzente. Per September kam es zu einem Anstieg von annualisiert 5,33 auf 5,47 Millionen Objekte (Prognose 5,35 Mio.). Damit oszilliert der Absatz bei latent steigender Becölkerung auf dem Niveau 2000 – 2002.

Das Conference Board lieferte. Die Frühindikatoren stiegen um 0,2% den Markterwartungen entsprechend (Vormonat -0,2%).
Aktuell ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Parität EUR-USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der bewusst weit angesetzten Bandbreite 1.0660 – 1.1050 eröffnet neue Opportunitäten.
Viel Erfolg!
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