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Goldpreis unter Druck: Warum die langfristige Story trotzdem intakt bleibt

Der Goldpreis steht wieder unter Druck. Eigentlich hätte das Umfeld zuletzt besser aussehen müssen: Der US-Arbeitsmarktbericht für September fiel schwächer aus als erwartet und auch das bevorzugte Inflationsmaß der US-Notenbank für August überraschte auf der Unterseite. Trotzdem kommt Gold nicht nachhaltig vom Fleck.

Der Grund dafür liegt vor allem beim US-Dollar und den weiterhin hohen Renditen amerikanischer Staatsanleihen.

Zwar hat der Markt seine Erwartungen an eine weitere Zinserhöhung im Oktober deutlich zurückgeschraubt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed beim nächsten Treffen die Zinsen unverändert lässt, liegt laut Fed-Funds-Futures inzwischen bei 78,4 %. Vor einer Woche waren es gerade einmal 29,1 %.

Entwarnung ist das für den Goldpreis aber noch nicht.

Denn gleichzeitig hält sich die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte bis zum Jahresende bei hohen 84,8 %. Genau das reicht aus, um sowohl den Dollar als auch die Renditen auf erhöhtem Niveau zu halten.

Für Gold ist das derzeit die entscheidende Belastung.

Goldpreis Prognose

Hohe Renditen bleiben das Problem für den Goldpreis

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt aktuell bei rund 5,25 bis 5,28 % und damit in der Nähe mehrjähriger Höchststände.

Hintergrund sind anhaltende Sorgen über die amerikanische Fiskalpolitik und die Inflation.

Gleichzeitig markierte der Dollarindex im Überseehandel zunächst ein neues 18-Monats-Hoch, bevor er einen Teil seiner Gewinne wieder abgab.

Der Greenback profitiert weiterhin von der vergleichsweise robusten US-Wirtschaft, der nach wie vor eher restriktiven Haltung der Federal Reserve und attraktiven Zinsunterschieden gegenüber anderen Märkten.

Damit bleibt das Umfeld für Gold schwierig.

Das Edelmetall wirft selbst keine laufenden Zinsen ab. Je attraktiver sichere US-Staatsanleihen werden, desto größer wird deshalb die Konkurrenz für Gold. Ein starker Dollar belastet zusätzlich.

Genau deshalb reicht die inzwischen deutlich geringere Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober bislang nicht aus, um beim Goldpreis eine nachhaltige Erholung auszulösen.

Öl über 100 Dollar hält den Inflationsdruck hoch

Hinzu kommt die angespannte geopolitische Lage.

Der iranische Außenminister erklärte am Sonntag, es gebe „keine militärische Lösung“. Nur faire Verhandlungen könnten den Krieg beenden. Gleichzeitig warnte er vor einer stärkeren Antwort Irans, sollte es zu einer erneuten Konfrontation kommen.

Washington setzt derweil weiter auf wirtschaftlichen Druck und eine Blockade iranischer Häfen, während die diplomatischen Bemühungen feststecken.

Das zeigt sich auch am Ölmarkt.

Brent-Rohöl startet zwar leicht schwächer in die Woche, notiert aber weiterhin oberhalb der wichtigen Marke von 100 US-Dollar je Barrel.

Die festgefahrene Lage zwischen den USA und Iran sowie die anhaltenden Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus halten den Ölpreis auf hohem Niveau.

Begrenzt wird der Anstieg derzeit nur durch die Möglichkeit koordinierter Freigaben strategischer Ölreserven durch die G7-Staaten.

Für den Goldpreis ist auch das relevant. Bleibt Öl teuer, kann der Inflationsdruck länger hoch bleiben. Und genau das könnte wiederum verhindern, dass die Fed bei den Zinsen schnell lockerer wird.

US-Wirtschaft schwächt sich nur leicht ab

Auch die jüngsten Konjunkturdaten liefern kein klares Signal für eine deutliche Abkühlung.

Der ISM-Einkaufsmanagerindex für den US-Dienstleistungssektor fiel im September 2026 von 55,4 auf 54,9 Punkte.

Damit wächst der Dienstleistungssektor weiterhin, allerdings etwas langsamer als zuvor.

Geschäftsaktivität und Auftragseingänge blieben robust. Gleichzeitig deuteten steigende Inputkosten darauf hin, dass der Inflationsdruck noch nicht vollständig verschwunden ist.

Genau darin liegt das Problem für die Fed.

Die Wirtschaft verliert zwar etwas an Dynamik, gleichzeitig bleibt der Preisdruck hoch genug, um weitere Zinsschritte zumindest nicht vollständig vom Tisch zu nehmen.

Anleger warten deshalb nun auf das Protokoll der September-Sitzung des FOMC.

Nach den schwächeren Arbeitsmarktdaten erhofft sich der Markt Hinweise darauf, wie die Notenbank den weiteren Zinspfad beurteilt.

Zusätzlich rücken der Beginn der Berichtssaison, die hohen Renditen am Anleihemarkt, der Ölpreis sowie weitere Daten wie die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und das Verbrauchervertrauen in den Fokus.

Beim Goldpreis wird es jetzt technisch brenzlig

Gold konnte seine zwischenzeitlichen Gewinne zuletzt erneut nicht halten.

Das ist bemerkenswert, weil der schwächere Arbeitsmarktbericht grundsätzlich für niedrigere Zinsen sprechen müsste.

Doch solange der Markt noch immer mit einer weiteren Straffung bis zum Jahresende rechnet, fehlt Gold offenbar der entscheidende Impuls.

Technisch wird es deshalb jetzt interessant.

Die erste wichtige Marke liegt beim Tief der vergangenen Woche bei 4.111,49 US-Dollar.

Fällt der Goldpreis darunter, kommt unmittelbar die Fibonacci-Unterstützung bei 4.106,19 US-Dollar ins Spiel.

Sollte auch diese Marke brechen, wäre der Weg in Richtung des August-Tiefs bei 4.022,62 US-Dollar offen.

Dazwischen liegen noch kleinere Unterstützungen bei 4.065,84 und 4.043,54 US-Dollar.

Das Sommertief bei 3.945,52 US-Dollar bleibt bislang intakt und besitzt aus struktureller Sicht weiter Bedeutung.

Allerdings gilt auch hier: Mit jeder Unterstützung, die verloren geht, wird dieses Szenario schwächer.

Genau deshalb dürften die nächsten Handelstage für den Goldpreis so wichtig werden.

Über 4.327 Dollar würde sich das Bild drehen

Auf der Oberseite braucht Gold zunächst einen Anstieg über das Freitagshoch bei 4.225,02 US-Dollar.

Erst dann würde die Konsolidierungszone von Ende September um 4.300 US-Dollar wieder in den Mittelpunkt rücken.

Dort treffen mehrere wichtige gleitende Durchschnitte aufeinander.

Entscheidend ist dabei vor allem die steigende 50-Tage-Linie bei 4.327,72 US-Dollar.

Erst ein Schlusskurs darüber würde das kurzfristige technische Bild wieder klar verbessern.

Damit ergibt sich für Anleger eine relativ saubere Ausgangslage.

Unterhalb der Zone bleibt der Goldpreis technisch angeschlagen. Oberhalb von 4.327,72 US-Dollar würde sich die Lage dagegen deutlich aufhellen.

Langfristig bleibt Metals Focus extrem bullish

Während kurzfristig Dollar und Zinsen gegen Gold arbeiten, bleibt der längerfristige Ausblick ausgesprochen stark.

Metals Focus geht davon aus, dass der Goldpreis 2027 neue Rekordstände erreichen wird.

Für das Gesamtjahr erwartet das Analysehaus einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.330 US-Dollar.

Kurzfristig sehen die Experten weiterhin Gegenwind durch hohe US-Inflation und steigende beziehungsweise hohe Zinsen.

Langfristig sollen aber andere Faktoren dominieren.

Dazu gehören die starke Investmentnachfrage, Sorgen über die US-Staatsverschuldung, anhaltende geopolitische Risiken und die weiterhin hohen Goldkäufe der Zentralbanken.

Genau diese strukturellen Treiber unterscheiden die aktuelle Lage von normalen Korrekturphasen.

Der Goldpreis hat kurzfristig mit Gegenwind zu kämpfen. Die langfristige Nachfragebasis bleibt aber bestehen.

Eine weitere Entwicklung könnte diesen Trend sogar noch verstärken.

Laut Nikkei Asia versuchen mehrere goldproduzierende Länder in Asien inzwischen, einen größeren Teil ihrer heimischen Produktion im eigenen Land zu halten.

Dahinter steckt eine Mischung aus „Ressourcennationalismus“, sinkendem Vertrauen in den US-Dollar als globale Reservewährung und Sorgen vor internationalen Sanktionen.

Die Regierungen reagieren unter anderem mit dem Ausbau heimischer Raffineriekapazitäten, höheren Exportsteuern und einer Aufstockung der offiziellen Goldreserven ihrer Zentralbanken.

Damit könnte langfristig weniger Gold auf den internationalen Markt gelangen.

Silber zeigt derzeit mehr Stärke

Während Gold weiter kämpft, hält Silber seine Tagesgewinne besser.

Der Preis bewegt sich zwar weiterhin innerhalb der Handelsspanne vom Freitag, zeigt im direkten Vergleich mit Gold aber relative Stärke.

Ein Grund dafür ist die weiterhin hohe Risikobereitschaft an den Märkten.

Die Euphorie rund um künstliche Intelligenz hat den Nasdaq auf neue Rekordstände getrieben. Silber profitiert davon stärker als Gold, weil das Edelmetall gleichzeitig eine wichtige industrielle Funktion besitzt.

Technisch ist aber auch bei Silber noch kein Befreiungsschlag gelungen.

Der Preis müsste zunächst wieder über das Bündel aus 20-, 50- und 100-Tage-Linie steigen.

Erst dann würde der Abwärtsdruck spürbar nachlassen.

Danach rücken die Hochs von Ende September bei 67,513 beziehungsweise 67,529 US-Dollar in den Fokus.

Noch wichtiger ist das Hoch vom 9. September bei 68,314 US-Dollar.

Diese Marke ist entscheidend, um den Weg in Richtung 70 US-Dollar freizumachen.

Metals Focus geht davon aus, dass Silber in den kommenden zwölf bis 18 Monaten weiter zulegen wird.

Zunächst dürfte das Edelmetall Gold folgen. Später könnte Silber sogar stärker steigen, wenn eine neue Aufwärtsbewegung zusätzliche Investoren anzieht.

Der wichtigste Treiber soll dabei allerdings nicht eine physische Knappheit sein.

Metals Focus erwartet vielmehr, dass vor allem die Investmentnachfrage den Preis antreibt.

Gleichzeitig verhindern eine schwächere Nachfrage am physischen Markt, aus der Schmuckindustrie und aus der industriellen Verarbeitung derzeit noch stärkeren Rückenwind.

Auf der Unterseite liegt die erste wichtige Unterstützung beim Freitagstief von 59,708 US-Dollar.

Darunter folgt das Fibonacci-Niveau bei 58,272 US-Dollar.

Sollte auch diese Marke fallen, kämen die Tiefs von Ende Juli bei 56,681 beziehungsweise 56,583 US-Dollar wieder ins Spiel.

Mein Fazit zum Goldpreis

Der Goldpreis steckt aktuell in einer ungewöhnlichen Situation.

Eigentlich sprechen die schwächeren US-Arbeitsmarktdaten und die deutlich gesunkene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober für Gold.

Doch der Markt denkt bereits einen Schritt weiter.

Solange eine weitere Zinserhöhung bis zum Jahresende wahrscheinlich bleibt, die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen oberhalb von 5 % liegen und der Dollar stark bleibt, fehlt dem Goldpreis der entscheidende Rückenwind.

Kurzfristig sind deshalb vor allem zwei Marken wichtig.

Auf der Unterseite entscheidet der Bereich um 4.106 US-Dollar darüber, ob sich die Korrektur noch einmal deutlich ausweitet. Auf der Oberseite müsste Gold über die 50-Tage-Linie bei 4.327,72 US-Dollar steigen, um das technische Bild wieder klar zu verbessern.

Langfristig hat sich an der grundlegenden Gold-Story dagegen wenig geändert.

Metals Focus erwartet 2027 einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.330 US-Dollar. Zentralbankkäufe, geopolitische Risiken, Sorgen über die US-Verschuldung und eine möglicherweise geringere Verfügbarkeit von Gold am Weltmarkt bleiben starke Argumente.

Das bedeutet aber nicht, dass der Weg dorthin geradlinig verlaufen muss.

Genau darin liegt aktuell die Spannung beim Goldpreis: Die langfristigen Treiber bleiben intakt, während kurzfristig Dollar und Renditen noch einmal eine deutlich tiefere Korrektur erzwingen könnten.

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