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Goldpreis: Die Fed bremst, doch Zentralbanken kaufen sechsmal mehr

Der Goldpreis hat nach der jüngsten Zinserhöhung der US-Notenbank Fed zunächst etwas an Schwung verloren. Eigentlich kein Wunder: Höhere Zinsen sind für Gold normalerweise Gift, weil das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft. Doch Goldman Sachs hält trotzdem an seiner klar bullischen Einschätzung fest - und sieht den Goldpreis bis Ende 2027 bei 5.400 US-Dollar je Feinunze.

Das ist deutlich mehr als die zuletzt rund 4.350 US-Dollar am Spotmarkt.

Interessant ist vor allem, dass Goldman seine Prognose trotz der jüngsten Fed-Zinserhöhung und der Erwartung eines weiteren Schritts im Oktober bestätigt. Analystin Lina Thomas rechnet zwar damit, dass die straffere Geldpolitik den Goldpreis kurzfristig bremst. Den langfristigen Aufwärtstrend sieht sie dadurch aber nicht gefährdet.

Ihre zentrale Aussage: Der Weg nach oben dürfte langsamer werden, das langfristige Ziel bleibt bestehen.

„Wir erwarten, dass sich die Auswirkungen der strafferen Geldpolitik vor allem in einem langsameren kurzfristigen Anstieg zeigen und nicht in einem niedrigeren langfristigen Goldpreis“, erklärte Thomas.

Goldpreis Prognose

Goldman bleibt beim Goldpreis klar optimistisch

Ganz ohne Anpassung kommt die neue Einschätzung allerdings nicht aus.

Goldman Sachs senkte den fairen Wert für den Goldpreis zum Jahresende von 4.900 auf 4.650 US-Dollar je Feinunze. Damit liegt die Prognose aber weiterhin klar über dem zuletzt gehandelten Niveau.

Der Hintergrund ist simpel: Höhere Zinsen belasten vor allem die Nachfrage über börsengehandelte Goldfonds. Ein Teil dieses Effekts dürfte nach Einschätzung von Thomas allerdings bereits eingepreist sein.

Deshalb rechnet Goldman weiterhin damit, dass sich der Goldpreis in den kommenden Monaten Stück für Stück nach oben arbeitet.

Noch wichtiger für den langfristigen Ausblick ist aber etwas anderes: die Nachfrage der Zentralbanken.

Denn genau hier sieht Goldman Sachs weiterhin den stärksten strukturellen Treiber für den Goldpreis.

Die Bank geht davon aus, dass nahezu der gesamte erwartete Anstieg von rund 23 % bis Ende 2027 auf Zentralbankkäufe zurückzuführen ist.

Aktuell kaufen Zentralbanken laut Goldman im Schnitt rund 91 Tonnen Gold pro Monat. Vor 2022 lag dieser Wert bei gerade einmal 17 Tonnen.

Das ist ein gewaltiger Unterschied.

Und genau deshalb ist die Entwicklung so wichtig.

Solange Zentralbanken in diesem Tempo Gold kaufen, entsteht eine konstante Nachfrage, die kurzfristige Belastungen durch höhere Zinsen zumindest teilweise auffangen kann.

Thomas sieht die Risiken deshalb weiterhin eher auf der Oberseite. Auch die Nachfrage nach Call-Optionen bleibt robust, weil Anleger Gold weiterhin als Absicherung gegen makroökonomische und geldpolitische Risiken nutzen.

Ganz ohne Gefahr ist das Szenario allerdings nicht.

„Umgekehrt könnte ein deutlich restriktiverer Kurs der Fed eine ungewöhnlich starke Korrektur auslösen“, warnte Thomas.

Das ist der Punkt, auf den Anleger beim Goldpreis besonders achten müssen.

Sollte die Fed die Zinsen stärker anheben als derzeit erwartet oder länger auf hohem Niveau halten, könnte Gold kurzfristig deutlich unter Druck geraten.

TD Securities sieht Rücksetzer eher als Kaufchance

Auch TD Securities bleibt beim Goldpreis grundsätzlich positiv.

Die Rohstoffstrategen der Bank beobachten zwar, dass sogenannte Commodity Trading Advisors, kurz CTAs, ihre jüngsten Goldkäufe inzwischen wieder abgebaut haben. Der Markt selbst zeigt sich davon aber erstaunlich unbeeindruckt.

„Bei Edelmetallen haben CTAs ihre jüngsten Goldkäufe wieder zurückgenommen, der Markt wird jedoch weiterhin von der zugrunde liegenden Nachfrage diskretionärer Investoren gestützt“, erklärten die Strategen.

TD Securities hatte bereits am Freitag darauf hingewiesen, dass die CTA-Käufe schnell wieder verschwinden könnten.

Genau das ist nun passiert.

Trotzdem bleibt Gold nach Einschätzung der Bank auffallend stabil - und das obwohl die Fed mit ihrer Zinserhöhung klar restriktiv aufgetreten ist.

„Wir haben am Freitag darauf hingewiesen, dass sich die CTA-Käufe bei Gold schnell umkehren könnten. Gleichzeitig bleibt das Edelmetall außerordentlich stark, obwohl das FOMC eine restriktive Zinserhöhung beschlossen hat.“

Das ist durchaus bemerkenswert.

Denn normalerweise ist eine restriktivere Fed ein klarer Belastungsfaktor für den Goldpreis.

TD Securities verweist aber darauf, dass das übergeordnete Umfeld für Edelmetalle weiterhin günstig bleibt. Hinzu kommt, dass fallende Energiepreise dem Markt kurzfristig etwas Unterstützung geben.

Deshalb rechnet die Bank damit, dass mögliche Rücksetzer eher begrenzt bleiben.

„Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass eine kurzfristige Schwäche am Edelmetallmarkt lediglich zu moderaten CTA-Verkäufen führen dürfte und zunehmend als Kaufgelegenheit für Gold betrachtet werden würde.“

Die Einschätzung von TD Securities ist damit klar: Kurzfristige Schwäche ist möglich, aber ein nachhaltiger Trendbruch wird daraus noch nicht.

Auch ING sieht Unterstützung für den Goldpreis

Etwas vorsichtiger äußert sich ING.

Das Rohstoffteam der Bank verweist darauf, dass der Goldpreis zu Wochenbeginn nachgegeben hat, nachdem Anleger die erste Zinserhöhung der Fed seit 2023 und die Aussicht auf weitere Straffungen neu bewertet hatten.

„Gold gab zu Wochenbeginn leicht nach, während die Anleger die Folgen der ersten Zinserhöhung der Federal Reserve seit 2023 und die Aussicht auf eine weitere geldpolitische Straffung bewerteten.“

Auch Aussagen von Fed-Vertretern haben die Unsicherheit erhöht.

Der Grund: Die Inflation bleibt erhöht. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen länger auf einem höheren Niveau bleiben.

Für Gold ist das grundsätzlich negativ.

ING sieht aber zwei Faktoren, die stärkere Verluste begrenzen könnten.

Zum einen liegen die Bestände von Gold-ETFs inzwischen auf einem Sechsmonatshoch. Zum anderen kaufen die Zentralbanken weiter.

„Während eine straffere Geldpolitik Gegenwind für Gold bleibt, liegen die ETF-Bestände auf einem Sechsmonatshoch, und anhaltende Käufe der Zentralbanken dürften dazu beitragen, die Abwärtsrisiken zu begrenzen.“

Damit wird die aktuelle Lage am Goldmarkt ziemlich deutlich.

Auf der einen Seite stehen höhere Zinsen und eine Fed, die vorerst nicht lockerlässt.

Auf der anderen Seite stehen starke Zentralbankkäufe, stabile ETF-Bestände und Anleger, die Gold weiter als Absicherung nutzen.

Genau dieser Gegensatz dürfte den Goldpreis in den kommenden Monaten bestimmen.

Der Goldpreis bleibt zwischen Fed und Zentralbanken gefangen

Für Anleger ist deshalb wichtig, zwischen kurz- und langfristiger Perspektive zu unterscheiden.

Kurzfristig kann die Fed den Goldpreis durchaus bremsen. Höhere Zinsen bleiben ein Gegenwind und könnten immer wieder stärkere Rücksetzer auslösen.

Langfristig spricht aus Sicht von Goldman Sachs aber weiterhin viel dafür, dass die strukturelle Nachfrage stärker wiegt.

Vor allem die Zentralbankkäufe sind hier entscheidend.

Wenn tatsächlich rund 91 Tonnen Gold pro Monat gekauft werden und dieser Trend anhält, dann ist das ein völlig anderes Marktumfeld als noch vor wenigen Jahren.

Deshalb hält Goldman Sachs trotz der restriktiveren Fed an seinem Ziel von 5.400 US-Dollar je Feinunze bis Ende 2027 fest.

Der Weg dorthin dürfte allerdings deutlich unruhiger werden.

Genau darin liegt derzeit die Besonderheit beim Goldpreis: Die Fed bremst, aber sie schafft es bislang nicht, den langfristigen Aufwärtstrend grundsätzlich infrage zu stellen.

Und solange die Zentralbanken weiter derart massiv zugreifen, bleibt Gold aus Sicht der Banken erstaunlich gut unterstützt.

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