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XRP explodiert um 72 Prozent – doch hinter der RIPPLE-Rally steckt ein Haken

Ripple (XRP) ist innerhalb von weniger als einer Woche um mehr als 72 Prozent gestiegen und hat damit die stärkste Rally seit Juli 2025 hingelegt. Auch der breite Kryptomarkt zog kräftig an. Doch der Kurssprung hat einen Haken: Mit XRP selbst könnte er nur wenig zu tun haben.

Die kurzfristige Rally dürfte vor allem von einer allgemeinen Verschiebung der Liquidität angetrieben worden sein. Das US-Finanzministerium weitete seine Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen aus, wodurch die Renditen sanken und Risikoanlagen Auftrieb erhielten. XRP reagiert auf solche Bewegungen stärker als Bitcoin und gehörte deshalb zu den größten Gewinnern.

Damit steht XRP nun an einem entscheidenden Punkt. Der Token hält sich nach einem zwischenzeitlichen Anstieg auf 1,70 Dollar bei rund 1,50 Dollar. Die Rally allein liefert jedoch noch keine Bestätigung dafür, dass der lange erwartete Boden tatsächlich erreicht ist. Ein nachhaltiger Anstieg über 2,00 Dollar würde die These einer strukturellen Erholung stützen. Kann XRP die jüngsten Gewinne dagegen nicht verteidigen, droht eine weitere Korrektur.

„Der kurzfristige Kursverlauf von XRP dürfte sich weiterhin stärker am breiten Altcoin-Markt orientieren, als aufgrund einer eigenen Geschichte auszubrechen. Die Rally dieser Woche hat makroökonomische Ursachen: Die Ausweitung der Rückkäufe langlaufender Anleihen durch das US-Finanzministerium drückte die Renditen und beflügelte Risikoanlagen auf breiter Front. Altcoins reagieren auf einen solchen Liquiditätsschub schlicht stärker als Bitcoin“, erklärte Iliya Kalchev, Analyst bei Nexo Dispatch, in einem exklusiven Kommentar gegenüber FXStreet.

Ripple baut sein Ökosystem aus

Ripple sorgt unterdessen mit neuen regulatorischen Zulassungen und Partnerschaften weltweit für Schlagzeilen. Gestützt wird die Expansion durch strategische Investitionen von rund vier Milliarden Dollar.

Das Blockchain-Unternehmen hat sein Ökosystem gezielt erweitert. Dazu zählen Dienstleistungen für institutionelle Marktteilnehmer, moderne Treasury-Management-Systeme, eine Infrastruktur für sofortige Stablecoin-Zahlungen sowie Verwahrungslösungen für institutionelle Kunden.

Ende Oktober 2025 setzte Ripple eine Reihe strategischer Übernahmen um. Dazu gehörten Hidden Road für 1,25 Milliarden Dollar, inzwischen in Ripple Prime umbenannt, GTreasury für eine Milliarde Dollar sowie Rail für 200 Millionen Dollar. Damit stärkte das Unternehmen insbesondere sein Angebot für institutionelle Kunden. Zu den weiteren Übernahmen zählen Metaco, Palisade und Standard Custody & Rail.

Parallel dazu sicherte sich Ripple weltweit mehr als 60 regulatorische Lizenzen und Genehmigungen. Dazu gehören wichtige Zulassungen im Rahmen der europäischen Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCA) sowie eine von der Luxemburger Finanzaufsicht CSSF genehmigte Lizenz als E-Geld-Institut. Hinzu kommen weitere Genehmigungen im asiatisch-pazifischen Raum sowie im Nahen Osten und in Afrika, wie aus verschiedenen Pressemitteilungen und regulatorischen Veröffentlichungen hervorgeht.

„Anleger sollten jedoch aufhören, jede Übernahme, Lizenz oder Partnerschaft von Ripple automatisch als positiv für XRP zu betrachten. Der Token profitiert nur dann davon, wenn Institutionen XRP halten müssen, Liquidität darüber beschaffen oder ihn regelmäßig für die Abwicklung von Transaktionen einsetzen“, erklärte Ryan Kirkley, Mitgründer und Vorstandschef des Global Settlement Network, in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber FXStreet.

Ripples Expansion eröffnet XRP mehr Möglichkeiten, seinen praktischen Nutzen unter Beweis zu stellen. Sie garantiert diesen Nutzen allerdings ebenso wenig wie steigende Kurse.

Ripple Payments setzt zunehmend auf mehrere Anlageklassen

Ripple Payments hat sich im Laufe der Jahre aus dem früheren Angebot On-Demand Liquidity (ODL) zu einer weltweit verfügbaren Plattform entwickelt. Sie bietet institutionelle Verwahrung, Zahlungswege für Fiatwährungen und Stablecoins sowie weitere digitale Vermögenswerte, darunter Ripple USD (RLUSD) und XRP.

„Ripples regulatorische Infrastruktur ist umfangreich und lässt sich nicht schnell nachbilden: mehr als 60 regulatorische Lizenzen weltweit, eine vollständige MiCA-Zulassung für den gesamten EU-Wirtschaftsraum, ein neuer Standort für den Nahen Osten und Afrika in Dubai sowie ein abgeschlossenes US-Gerichtsverfahren. Hinzu kommen Kapitalzusagen wie die 1,25 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Hidden Road. Das verschafft XRP einen echten strukturellen Vorteil, den ein neuer Wettbewerber nicht über Nacht aufholen kann“, ergänzte Kalchev.

Trotz Ripples umfangreicher regulatorischer Basis, zahlreicher Partnerschaften und der Übernahmeserie gehen die Einschätzungen darüber auseinander, in welchem Umfang die Entwicklung des Ökosystems tatsächlich den Nutzen von XRP erhöht und sich im Wert des Tokens niederschlägt.

Dean Chen, Analyst bei Bitunix, sieht langfristiges Potenzial für XRP und hält eine teilweise Beimischung in Portfolios für denkbar. Gleichzeitig mahnt Chen zu gedämpften Erwartungen. Entscheidend sei, wie viel Wert XRP tatsächlich aus dem wachsenden Ripple-Ökosystem ziehen könne, zumal sich die Liquiditätsbedingungen weltweit unterscheiden.

„Die Expansion des Ripple-Ökosystems ist eindeutig positiv für XRP, doch der geschäftliche Erfolg von Ripple und der Anlagewert von XRP sind nicht zwangsläufig dasselbe. Das Wachstum bei grenzüberschreitenden Zahlungen und die zunehmende Nutzung durch institutionelle Akteure können zusätzliche Anwendungsfälle für XRP schaffen. Entscheidend ist jedoch, ob diese Aktivitäten zu einer nachhaltigen Nachfrage führen und der Token daraus tatsächlich Wert abschöpfen kann“, sagte Chen gegenüber FXStreet.

Ripples Stablecoin RLUSD könnte XRP dabei einen Teil der Aufmerksamkeit nehmen. Er richtet sich insbesondere an institutionelle Anleger, die kryptotypische Kursschwankungen vermeiden wollen und gleichzeitig eine regulierte Plattform nutzen möchten.

Die entscheidende Aufgabe für Ripple besteht darin, eine wechselseitige Verbindung zwischen dem wachsenden Ökosystem und XRP zu schaffen, die langfristiges Wachstum ermöglicht.

Shawn Young, Chefanalyst bei MEXC Research, sagte gegenüber FXStreet: „Wenn dieses Wachstum dazu führt, dass Banken und Liquiditätsanbieter mehr XRP halten und nutzen, wird die Argumentation für den Token deutlich stärker. Läuft der Großteil dagegen über RLUSD, andere Stablecoins oder eine Infrastruktur, die XRP kaum berührt, sollten Anleger nicht erwarten, dass sich Ripples Erfolg automatisch im Kurs des Tokens widerspiegelt.“

XRP-Ausblick hellt sich dank steigender Netzwerkaktivität auf

Ein genauerer Blick auf die Aktivität im XRP Ledger (XRPL) zeigt eine wieder zunehmende Beteiligung der Nutzer. Die Zahl der Adressen, die über das Netzwerk Werte empfangen oder versenden, ist zuletzt kräftig gestiegen. Nach Daten von Santiment erreichte sie am Sonntag einen Höchststand von rund 305.000, nachdem es am 1. August noch etwa 25.000 gewesen waren.

Die höhere Aktivität auf der Blockchain stärkt den fundamentalen Ausblick und erhöht die Wahrscheinlichkeit einer länger anhaltenden Erholung, sofern die Nachfrage nach XRP weiter an Fahrt gewinnt.

Die Zahl neuer Adressen ist in diesem Jahr allerdings weiterhin verhalten. Am Sonntag wurden im XRP Ledger durchschnittlich 475 neue Adressen angelegt, nach rund 4.100 am Samstag und etwa 6.600 Ende Juni. Dies deutet darauf hin, dass weniger neue Nutzer zum Netzwerk stoßen. Dadurch könnte die Nachfrage nach XRP geringer ausfallen und das Erholungspotenzial begrenzt werden.

Auch die auf bekannten Kryptobörsen gehaltenen XRP-Bestände sind zurückgegangen. Am Sonntag lagen sie im Durchschnitt bei 2,61 Milliarden XRP, nach 2,63 Milliarden am Samstag. Damit befindet sich der Wert deutlich unter dem Jahreshoch von 2,81 Milliarden XRP, das Anfang März erreicht worden war.

Der Rückgang deutet darauf hin, dass XRP zunehmend von Binance abgezogen wird, während Anleger ihre Bestände zur langfristigen Verwahrung auf selbstverwaltete Wallets verlagern. Sinkende Börsenreserven bedeuten zugleich, dass kurzfristig weniger Token für Verkäufe zur Verfügung stehen.

Auch die in den USA gelisteten XRP-Spot-ETFs stützen das positive Bild. Sie verzeichneten sechs Wochen in Folge Zuflüsse und steigerten die kumulierten Nettozuflüsse auf 1,55 Milliarden Dollar.

Derivatemarkt für XRP kühlt sich ab

Der Derivatemarkt für XRP bewegt sich weiterhin deutlich über dem Niveau vom Jahresanfang. Nach Daten von CoinGlass belief sich das offene Interesse bei unbefristeten Futures am Montag auf 2,5 Milliarden XRP und damit nur geringfügig mehr als die 2,42 Milliarden XRP vom Vortag. Zum Vergleich: Am 1. Januar lag das offene Interesse durchschnittlich bei 1,84 Milliarden XRP. Dies unterstreicht die gestiegene Risikobereitschaft am Markt.

Dennoch sollten Anleger ihre Erwartungen dämpfen. Das offene Interesse hat sich in den vergangenen Tagen von 2,78 Milliarden XRP am 15. August verringert. Für eine nachhaltige kurz- bis mittelfristige Erholung von XRP wäre ein stetiger Anstieg des offenen Interesses am Terminmarkt hilfreich.

Nachdem das Handelsvolumen am Samstag auf einen Höchststand von 18,53 Milliarden Dollar gestiegen war, ist es inzwischen auf 9,32 Milliarden Dollar zurückgegangen. Dies könnte darauf hindeuten, dass Anleger zunächst die aktuelle Marktlage bewerten und abwarten, ob sich die Rally der vergangenen Woche von 1,00 auf 1,70 Dollar und damit um 72 Prozent fortsetzen lässt.

Technischer Ausblick: Wie nachhaltig ist das XRP-Comeback?

Mit einem aktuellen Kurs von rund 1,51 Dollar hält sich XRP über wichtigen Marken bei 1,50 und 1,25 Dollar. Das spricht für eine wieder gestiegene Risikobereitschaft. Offen bleibt allerdings, ob die Rally nachhaltig ist oder vor allem durch die Liquiditätsentwicklung und die Rückkäufe des US-Finanzministeriums am offenen Markt in der vergangenen Woche ausgelöst wurde.

XRP notiert über dem exponentiell gleitenden 200-Wochen-Durchschnitt (EMA) bei 1,37 Dollar, was das mittelfristige technische Bild stützt. Gleichzeitig begrenzen der 50-Wochen-EMA bei 1,55 Dollar und der 100-Wochen-EMA bei 1,60 Dollar den Kurs nach oben. Solange diese Widerstände Bestand haben, bleibt der kurzfristige Ausblick neutral.

Gleichzeitig liegt der Indikator für das Zusammen- und Auseinanderlaufen gleitender Durchschnitte (MACD) mit einem positiven Wert über der Nulllinie. Der Relative-Stärke-Index (RSI) bewegt sich bei etwa 57 und deutet damit auf moderat positives Momentum hin. Für ein klareres Aufwärtssignal wäre jedoch ein Wochenschluss oberhalb der gebündelten gleitenden Durchschnitte erforderlich.

Der erste Widerstand liegt beim 50-Wochen-EMA bei 1,55 Dollar, gefolgt vom 100-Wochen-EMA bei 1,60 Dollar. Ein Ausbruch darüber könnte den Weg für eine deutlichere Fortsetzung der Aufwärtsbewegung ebnen. Der Bereich um 1,50 Dollar fungiert derzeit als Dreh- und Angelpunkt. Eine stärkere technische Unterstützung liegt beim 200-Wochen-EMA bei 1,37 Dollar und anschließend an der SuperTrend-Basislinie bei 0,96 Dollar. Bei stärkeren Rücksetzern könnten diese Marken Käufer anziehen, solange der übergeordnete Erholungsversuch intakt bleibt.

Das Momentum wirkt allerdings bereits überdehnt. Im Tageschart bewegt sich der RSI mit rund 86 im überkauften Bereich, während der MACD über der Nulllinie liegt. Das spricht für einen starken Aufwärtsdruck, der kurzfristig jedoch bereits weit gelaufen sein könnte.

Auf der Unterseite liegt eine erste Unterstützung beim 200-Tage-EMA um 1,35 Dollar. Darunter folgt die SuperTrend-Zone bei etwa 1,25 Dollar, die bei einer stärkeren Korrektur den nächsten technischen Boden markieren könnte. Die zwischen 1,14 und 1,18 Dollar gebündelten 50- und 100-Tage-EMAs deuten auf eine weitere Unterstützungszone hin, in der Käufer bei einer teilweisen Korrektur der jüngsten Gewinne wieder aktiv werden könnten.

Letztlich lässt sich ein Marktboden nicht exakt bestimmen. Anleger sollten XRP deshalb genau beobachten und darauf achten, ob sich nach einer längeren Seitwärtsphase ein neuer Trend mit stetig steigenden Kursen entwickelt. Daraus könnten sich belastbare Unterstützungszonen ableiten lassen. Der Kurssprung der vergangenen Woche bescherte XRP die stärkste Woche seit Juli 2025. Gewinnmitnahmen bleiben jedoch ein kurzfristiges Risiko und könnten eine Korrektur auslösen, bevor XRP genügend Liquidität für einen weiteren Ausbruchsversuch findet. Auf der Unterseite bleibt die Zone zwischen 1,00 und 1,25 Dollar ein entscheidender Unterstützungsbereich, der weiteren Verkaufsdruck auffangen könnte.

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