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Dollar schlägt Franken: Warum der sichere Hafen plötzlich versagt

Der Schweizer Franken (CHF) gilt als der Inbegriff eines sicheren Hafens und sollte von geopolitischen Schocks wie dem Krieg mit dem Iran eigentlich profitieren. Dieses Mal blieb dieser Effekt jedoch aus.

Der Franken notiert gegenüber dem US-Dollar (USD) fast sechs Prozent unter seinem Hoch vom Januar, nachdem er im Zuge des Kriegs mit dem Iran und der Schließung der Straße von Hormus deutlich nachgegeben hatte. Zwar konnte sich die Schweizer Währung in der vergangenen Woche etwas erholen, ihre vergleichsweise schwache Entwicklung während eines der größten geopolitischen Schocks der jüngeren Vergangenheit wirft jedoch die Frage auf, warum der Franken seine traditionelle Rolle als sicherer Hafen nicht erfüllen konnte.

Was ist passiert? Der Konflikt im Nahen Osten und der anschließende Energieschock führten zu einem Szenario, in dem es nur einen Gewinner gab: den US-Dollar als einzigen Zufluchtsort in Phasen erhöhter Risikoaversion.

Wie kam es dazu?

Ende Januar bereiteten den Schweizer Behörden nicht ein schwacher, sondern ein übermäßig starker Franken Sorgen. Die Währung wurde zunehmend zur Belastung für die Schweizer Exporteure, die bereits unter den US-Zöllen litten. Die zunehmenden geopolitischen Spannungen und ein schwächerer US-Dollar – die US-Notenbank Fed deutete damals Zinssenkungen an – trieben den Franken bis auf 0,7604 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Juli 2011 während der globalen Finanzkrise.

Dann änderte sich die Lage grundlegend. Im Nahen Osten fielen Bomben, Teheran schloss die Straße von Hormus, und die Märkte behandelten die traditionellen sicheren Häfen nicht mehr gleichermaßen. Einerseits signalisierte die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre Bereitschaft, gegen eine übermäßige Aufwertung des Frankens einzugreifen. Andererseits machte sich die Abhängigkeit der Schweiz von Energieimporten bemerkbar: Die Industrieproduktion ging im ersten Quartal deutlich zurück.

Die Inflation in der Schweiz bleibt trotz höherer Energiepreise gedämpft

Gleichzeitig verharrt die Inflation in der Schweiz nahe der Nulllinie, sodass die Schweizerische Nationalbank kaum Anlass für eine weitere Straffung ihrer Geldpolitik sieht. Der Verbraucherpreisindex (CPI) zeigte in der vergangenen Woche, dass die monatliche Inflationsrate im Juni von 0,2 Prozent im Mai auf 0,0 Prozent zurückging. Die Jahresrate sank auf 0,5 Prozent nach 0,6 Prozent.

Das ist bedeutsam, weil steigende Ölpreise eigentlich neue Inflationsimpulse auslösen sollten. Stattdessen blieb der Preisauftrieb in der Schweiz nahezu unverändert. Ohne anhaltenden Inflationsdruck besteht für die SNB kaum Anlass zu Zinserhöhungen. Damit fehlt dem Franken einer der klassischen Faktoren, die eine Währung üblicherweise stützen.

Die Commerzbank-Analysten Michael Pfister und Norman Liebke rechnen angesichts der lockeren Haltung der SNB in den kommenden Monaten nur mit begrenzten Bewegungen beim Franken: „Wir erwarten daher weiterhin, dass die SNB ihren Leitzins in den kommenden Monaten unverändert lässt, sodass von dieser Politik keine nennenswerten Bewegungen des Frankens ausgehen dürften.“

Die Fed hat der SNB den Rang abgelaufen

Gleichzeitig präsentiert sich die Lage in den USA deutlich anders. Während die Inflation in der Schweiz nahe null bleibt, zeigt sich die US-Wirtschaft weiterhin überraschend robust. Zwar enttäuschten die Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft (Nonfarm Payrolls) im Juni, doch der Arbeitsmarkt bleibt insgesamt stabil und die Inflation liegt weiterhin über dem Ziel der US-Notenbank Federal Reserve (Fed).

Darüber hinaus haben die jüngsten US-Konjunkturdaten die Erzählung von der wirtschaftlichen Sonderstellung der Vereinigten Staaten weiter gestützt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal um mehr als zwei Prozent, während Industrie und Dienstleistungssektor solide Zuwächse verzeichneten. Zugleich zieht der anhaltende Boom bei Investitionen in Künstliche Intelligenz weiterhin ausländisches Kapital in die USA und stützt damit die Nachfrage nach dem US-Dollar.

Vor diesem Hintergrund haben Vertreter der Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh einen zunehmend restriktiven Ton angeschlagen. Anleger rechnen inzwischen nicht mehr mit mindestens einer Zinssenkung im Jahr 2026, sondern erwarten stattdessen Zinserhöhungen, die bereits im Oktober erfolgen könnten. Insgesamt ergibt sich daraus ein ideales Umfeld für eine anhaltende Aufwertung des US-Dollars.

Der Dollar ist zum sicheren Hafen der Welt geworden

Der US-Dollar hat sich in turbulenten Zeiten zum bevorzugten sicheren Hafen der Finanzmärkte entwickelt – und das nicht allein wegen der geopolitischen Spannungen. Höhere US-Zinsen, die Widerstandsfähigkeit der amerikanischen Wirtschaft und die restriktivere Haltung der Federal Reserve machen den Greenback attraktiv, selbst wenn die Risiken im Nahen Osten allmählich nachlassen.

Für den Schweizer Franken ist das eine schwierige Ausgangslage. In früheren Krisenzeiten hätte die weltweite Unsicherheit Kapital in die Schweiz gelenkt. Dieses Mal floss ein Großteil der Mittel stattdessen in den US-Dollar.

Sollte sich das makroökonomische Umfeld nicht grundlegend verändern, dürfte der Schweizer Franken vorerst unter Druck bleiben. Die schwachen US-Arbeitsmarktdaten für Juni unterbrachen die Dollar-Rally lediglich kurzzeitig, reichten jedoch nicht aus, um den übergeordneten Trend zu ändern. Der Zinsvorteil der Fed überwiegt derzeit weiterhin die traditionelle Rolle des Frankens als sicherer Hafen.

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