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Gold zu teuer? Experte nennt ein Szenario mit 0 Dollar Wert

Gold kennt aktuell nur eine Richtung: nach oben. Die Rally erfasst nicht nur Edelmetalle, sondern auch Industriemetalle gleich mit. Für viele Anleger ist das ein klares Signal: Sicherheit, Schutz vor Inflation, Flucht aus Papiergeld. Doch genau hier schlägt jetzt ein international renommierter Stratege Alarm.

Peter Berezin, Chefstratege und Research-Direktor bei BCA Research, warnt eindringlich: Die Goldpreise könnten inzwischen zu weit und zu schnell gestiegen sein. Seine Botschaft an Investoren ist klar – und sie hat es in sich. Denn Berezin denkt nicht nur kurzfristig. Er skizziert sogar ein Szenario, in dem Gold langfristig nahezu seinen gesamten Wert verlieren könnte.

Warum Gold überhaupt so stark steigt

Zunächst gibt Berezin den Gold-Bullen recht. Die aktuelle Rally sei keineswegs aus der Luft gegriffen. Sie beruhe auf einer realen Sorge: Währungsentwertung.

Der Blick richtet sich dabei vor allem auf die USA. Steigende Haushaltsdefizite, eine immer höhere Staatsverschuldung und ein enormer Anteil ausländischer Investoren an US-Vermögenswerten machen den Dollar anfällig. Viele Investoren reduzieren deshalb schrittweise ihr Dollar-Exposure – und suchen Alternativen.

Gold profitiert davon. Zusätzlich kaufen ausländische Zentralbanken weiter Gold. Ein Detail ist dabei entscheidend: Zwar ist das physische Kaufvolumen zuletzt gesunken, doch der Dollarwert der Käufe steigt weiter. Gold wird also teurer eingekauft – ein klassisches Zeichen von Nachfrage unter Preisakzeptanz.

Der große Haken: Die entscheidenden Signale fehlen

So überzeugend das klingt – Berezin sieht ein Problem. Die harten Daten bestätigen die Story bislang nicht. Langfristige Inflationserwartungen sind stabil geblieben. Es gibt keine echte Eskalation.

Noch auffälliger: Bitcoin spielt überhaupt nicht mit. Wenn Investoren wirklich massenhaft vor Währungsentwertung fliehen würden, müsste zumindest das sogenannte „digitale Gold“ reagieren. Doch genau das bleibt aus.

Für Berezin ist das ein Warnsignal.

Politischer Gegenwind aus Washington

Zusätzlichen Druck sieht der Stratege ausgerechnet aus der US-Politik kommen. US-Präsident Donald Trump hat Kevin Warsh nominiert – und das sorgt an den Märkten für Nervosität.

Der Hintergrund: Warsh gilt als ausgesprochener Gegner von Quantitative Easing. Bereits 2010 stellte er sich öffentlich gegen die expansive Geldpolitik der Notenbank – genau in der Phase, in der Gold damals seinen großen Bullenmarkt erlebte.

Die Botschaft für Anleger: Weniger lockere Geldpolitik bedeutet weniger Rückenwind für Gold.

BCA bleibt investiert – aber mit angezogener Handbremse

Trotz aller Warnungen bleibt BCA Research vorerst long Gold. Allerdings mit einer klaren Einschränkung: Bei weiteren Kursanstiegen könnten Teilgewinne realisiert werden.

Das ist kein Crash-Szenario, sondern klassisches Risikomanagement. Wer jetzt blind hinterherläuft, könnte auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Silber als Mahnung: Spekulation statt Fundament

Wie schnell es kippen kann, zeigt laut Berezin das Beispiel Silber. Der massive Anstieg – und der ebenso schnelle Rücksetzer – seien weniger fundamental, sondern stark spekulativ getrieben gewesen.

Er verweist auf intensive Handelsaktivität aus China und zusätzlich auf Krypto-Investoren, die Kapital in Silber umgeschichtet haben. Solche Bewegungen verstärken Trends – in beide Richtungen. Für Privatanleger endet das oft schmerzhaft.

Das extreme Szenario: Was, wenn Gold plötzlich hergestellt werden kann?

Dann wird es richtig brisant. Berezin wagt ein Gedankenexperiment, das viele Anleger niemals auf dem Schirm haben.

Technisch ist es heute bereits möglich, winzige Mengen Gold in Teilchenbeschleunigern herzustellen. Wirtschaftlich ist das völlig irrelevant – noch. Doch es gibt Forschungsansätze zur atomaren Transmutation, die theoretisch erlauben könnten, Quecksilber in Gold umzuwandeln.

Der physikalische Hintergrund ist real: Gold-197 ist das einzige stabile Gold-Isotop. Sein Atomkern ähnelt dem von Quecksilber-198, das ein Proton mehr besitzt. Wird Quecksilber mit Neutronen bombardiert, kann es über einen sogenannten Beta-plus-Zerfall zu Gold werden.

Berezin betont klar: Diese Technologie ist heute weit von einer kommerziellen Nutzung entfernt. Doch genau hier beginnt die eigentliche Frage.

Wenn Gold seine Knappheit verliert, verliert es alles

Gold wirft keine Zinsen ab. Keine Dividenden. Keinen Cashflow. Sein Wert beruht fast ausschließlich auf Knappheit und der Annahme eines stabilen Endwerts.

Würde Gold eines Tages in großem Maßstab herstellbar, würde diese Knappheit verschwinden. Und mit ihr die gesamte Bewertungsgrundlage.

Berezin argumentiert nüchtern: In diesem Fall würde der Goldpreis ökonomisch betrachtet gegen null tendieren. Wenn der terminale Wert verschwindet, verschwindet auch der Preis.

Keine Panik – aber ein Weckruf

Der Stratege selbst relativiert: Er würde dieses Szenario „nicht zu ernst nehmen“. Es gibt eine realistische Chance, dass Gold niemals wirtschaftlich im Labor produziert wird.

Aber genau darum geht es ihm auch nicht. Es geht um Denkdisziplin. Um das Hinterfragen scheinbar unumstößlicher Annahmen.

Sein Fazit ist ungewöhnlich – und bemerkenswert: Anleger sollten nicht nur Inflationsdaten, Notenbanken und Staatsdefizite verfolgen, sondern auch die Entwicklungen in der Physik.

Das unbequeme Fazit für Anleger

Gold ist aktuell stark – vielleicht zu stark. Kurzfristig droht Überhitzung, mittelfristig politische Unsicherheit, langfristig hängt alles an einer einzigen stillen Annahme: Dass Gold knapp bleibt.

Und genau diese Annahme ist das Fundament des gesamten Gold-Trades.

Wer das ignoriert, investiert blind. Wer es versteht, ist einen Schritt voraus.

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