Silberpreis vor explosiver Bewegung: Käufer kämpfen um die Wende
|Der Silberpreis steht an einer Marke, die kurzfristig über deutlich mehr entscheiden könnte als nur die nächste Tagesbewegung. Silber-Futures (ICE) notieren Dienstag bei 57,52 US-Dollar und damit 0,44 % im Plus. Das wirkt zunächst stabil. Doch der Chart erzählt eine andere Geschichte.
Der übergeordnete Trend zeigt weiterhin klar nach unten. Gleichzeitig ist der Silberpreis inzwischen so nah an eine wichtige Unterstützung herangerückt, dass sich das Kräfteverhältnis zwischen Käufern und Verkäufern jederzeit verschieben könnte.
Genau das macht die aktuelle Lage so spannend.
Die entscheidende Marke liegt bei 55,50 US-Dollar. Hält dieser Bereich, ist eine kräftige Erholung möglich. Fällt er, könnte sich der Abwärtstrend noch einmal deutlich beschleunigen.
Der Silberpreis bleibt klar im Abwärtstrend
Schauen wir zunächst auf das große Bild.
Der Silberpreis notiert aktuell unter allen drei wichtigen gleitenden Durchschnitten des vorliegenden Charts. Die 20-Tage-Linie verläuft bei 59,976 US-Dollar, die 50-Tage-Linie bei 63,954 US-Dollar und der 200-Tage-Durchschnitt bei 71,833 US-Dollar.
Das ist technisch eine klare Konstellation.
Solange Silber unter diesen Marken bleibt, haben die Verkäufer den Vorteil. Vor allem die kurzfristige 20-Tage-Linie knapp unterhalb von 60 US-Dollar dürfte bei einer Erholung schnell wieder zum Problem werden.
Auch das Momentum liefert bislang keinen Grund für Entwarnung.
Der MACD liegt mit -1,96 unter seiner Signallinie von -1,74. Damit bleibt der kurzfristige Schwung negativ. Für Anleger und Trader bedeutet das vor allem eines: Kursanstiege können derzeit schnell wieder auf Verkaufsdruck treffen.
Hinzu kommt die weiterhin hohe Volatilität.
Der Average True Range liegt bei 1,88 US-Dollar beziehungsweise rund 3,29 % des aktuellen Silberpreises. Größere Tagesbewegungen gehören damit weiterhin zum normalen Marktbild.
Genau deshalb reicht ein kurzer Sprung über eine technische Marke nicht aus. Entscheidend ist, ob sich Silber dort auch halten kann.
Jetzt rückt die Marke von 55,50 Dollar in den Fokus
Der aktuelle Entscheidungsbereich liegt zwischen 57,13 und 57,52 US-Dollar.
Die laufende Tageskerze bewegt sich bisher zwischen 56,5275 und 57,7125 US-Dollar. Ein Schlusskurs über 57,50 US-Dollar wäre zunächst ein kleines positives Signal und würde zeigen, dass sich Käufer in diesem Bereich wieder stärker positionieren.
Mehr wäre es aber noch nicht.
Für eine wirkliche Verbesserung des kurzfristigen Chartbildes müsste der Silberpreis zunächst die Zone zwischen 59,50 und 60,00 US-Dollar zurückerobern.
Und genau dort wartet bereits die nächste Hürde.
Die 20-Tage-Linie liegt bei 59,976 US-Dollar und verstärkt den Widerstand in diesem Bereich. Darüber befindet sich zwischen 60,24 und 63,81 US-Dollar zusätzlich die Ichimoku-Wolke.
Selbst ein Sprung über 60 US-Dollar würde den Weg nach oben also nicht sofort freimachen.
Danach wartet bei 63,954 US-Dollar die 50-Tage-Linie. Erst ein nachhaltiger Anstieg über diesen Bereich würde deutlicher darauf hindeuten, dass der bestehende Abwärtstrend an Kraft verliert.
Die langfristig entscheidende Marke liegt noch wesentlich höher.
Bei 71,833 US-Dollar verläuft die 200-Tage-Linie. Solange Silber darunter bleibt, bleibt auch der übergeordnete Trend technisch angeschlagen.
Was passiert, wenn Silber unter 55,50 Dollar fällt?
Auf der Unterseite ist die Situation deutlich klarer.
Ein Tagesschluss unter 55,50 US-Dollar wäre ein starkes bearishes Signal. Besonders relevant wäre der Ausbruch, wenn gleichzeitig das Handelsvolumen anzieht.
Dann könnte sich der Verkaufsdruck schnell verstärken.
Für ein solches Breakdown-Szenario liegt ein möglicher Schutz-Stopp bei 58,22 US-Dollar. Er würde dazu dienen, das Risiko eines Fehlausbruchs zu begrenzen.
Als erstes Kursziel ergibt sich 51,17 US-Dollar. Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von rund 1,5 zu 1.
Dieses Szenario besitzt aktuell die höchste technische Wahrscheinlichkeit, weil sowohl der übergeordnete Trend als auch der MACD weiterhin bearish ausgerichtet sind.
Ein weiterer wichtiger Bereich liegt bei 51,57 US-Dollar. Dort befindet sich die angegebene Fibonacci-Extension.
Sollte auch dieser Bereich nicht halten, könnte sogar das frühere große Strukturtief bei 45,51 US-Dollar wieder in den Fokus rücken.
Das wäre ein deutlich tieferes Kursniveau und würde zeigen, dass sich die Schwäche des Silberpreises erheblich ausgeweitet hat.
Die 60-Dollar-Marke könnte zur Falle werden
Es gibt allerdings noch ein zweites Szenario, das man nicht unterschätzen sollte.
Silber könnte zunächst weiter steigen und den Bereich zwischen 59,50 und 60,00 US-Dollar anlaufen. Dort bündeln sich mehrere Widerstände.
Genau deshalb wäre eine erneute Abweisung in dieser Zone technisch interessant.
In einem solchen Szenario würde ein Stopp oberhalb von 60,50 US-Dollar vor einem gescheiterten Widerstand schützen. Das Ziel läge erneut bei 55,50 US-Dollar.
Das genaue Chance-Risiko-Verhältnis hängt hier vom tatsächlichen Einstieg ab.
Die technische Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist mittel bis hoch. Der Grund ist einfach: Der Silberpreis müsste für eine nachhaltige Erholung gleich mehrere Widerstände überwinden.
Und davon ist er aktuell noch ein gutes Stück entfernt.
Ab wann wird der Silberpreis wieder bullish?
Natürlich kann sich das Bild auch drehen.
Dafür müsste Silber zunächst die Marke von 60 US-Dollar nachhaltig zurückerobern und anschließend über 60,50 US-Dollar steigen.
Erst dann würde die aktuelle Schwäche zumindest kurzfristig infrage gestellt.
Für ein solches Erholungsszenario liegt ein möglicher Stopp bei 57,68 US-Dollar. Als Ziel ergibt sich 66,14 US-Dollar.
Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von ungefähr 2 zu 1.
Die technische Wahrscheinlichkeit ist derzeit allerdings vergleichsweise niedrig.
Der Grund liegt nicht nur im bestehenden Abwärtstrend. Auch die zahlreichen Widerstände oberhalb von 60 US-Dollar machen eine schnelle Trendwende schwierig.
Ein Anstieg über 63,954 US-Dollar wäre deshalb wesentlich überzeugender. Erst dann würde der Silberpreis die 50-Tage-Linie zurückerobern und damit ein stärkeres Signal liefern, dass die Verkäufer langsam die Kontrolle verlieren.
Mein Fazit zum Silberpreis
Beim Silberpreis wird es jetzt ernst.
Technisch bleibt der Trend klar negativ. Der Kurs liegt unter der 20-, 50- und 200-Tage-Linie, der MACD bleibt bearish und die nächsten größeren Widerstände beginnen bereits knapp oberhalb von 59,50 US-Dollar.
Gleichzeitig ist der Silberpreis inzwischen an einer Zone angekommen, an der sich sehr schnell eine stärkere Gegenbewegung entwickeln kann.
Genau deshalb dürfte 55,50 US-Dollar in den kommenden Handelstagen die wichtigste Marke sein.
Ein klarer Bruch darunter würde das bearishe Szenario bestätigen und zunächst Ziele im Bereich von 51,57 beziehungsweise 51,17 US-Dollar aktivieren. Sollte auch dort keine Stabilisierung einsetzen, könnte das frühere Strukturtief bei 45,51 US-Dollar wieder relevant werden.
Auf der anderen Seite müsste Silber erst nachhaltig über 60,00 und anschließend 60,50 US-Dollar steigen, um das kurzfristige Bild zu verbessern. Ein Ausbruch über 63,954 US-Dollar wäre schließlich ein deutlich stärkeres Zeichen für eine mögliche Trendwende.
Bis dahin bleibt das Risiko auf der Unterseite größer.
Der Silberpreis steht damit unmittelbar vor einer Entscheidung, die den nächsten größeren Impuls vorgeben dürfte.
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