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Nahost-Konflikt bringt EZB in Zwickmühle: Drohen bald wieder höhere Zinsen?

Der Chefanalyst der Nordea Bank, Jan von Gerich, rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik zunächst unverändert lässt und zugleich genau beobachtet, wie sich der Konflikt im Nahen Osten auf Wachstum und Inflation im Euroraum auswirkt. Höhere und länger anhaltende Energiepreise, ein angespannter Arbeitsmarkt und hartnäckige Inflation im Dienstleistungssektor könnten aus seiner Sicht allerdings den Druck auf höhere Zinsen erhöhen. Nordea erwartet weiterhin die erste Zinserhöhung in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres, sieht aber ein wachsendes Risiko für einen früheren Schritt.

EZB bleibt wachsam angesichts steigender Energierisiken

„Die EZB wird zunächst abwarten, aber sorgfältig prüfen, welche Folgen der Konflikt im Nahen Osten für die Wachstumsaussichten und die Inflation im Euroraum haben wird. Angesichts der großen Unsicherheit haben die Aufwärtsrisiken für die EZB-Zinsen zugenommen.“

„Wir gehen eher davon aus, dass eine längere Phase deutlich höherer Energiepreise zu einer strafferen und nicht zu einer lockereren Geldpolitik führen würde. Die Notenbanker erinnern sich noch gut an den Inflationsschock von 2022, als die EZB mit der Straffung ihrer Geldpolitik vergleichsweise spät reagierte.“

„Unsere grundlegende EZB-Prognose lassen wir vorerst unverändert und erwarten weiterhin die erste Zinserhöhung in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres. Allerdings hat das Risiko eines früheren Zinsschritts zugenommen.“

„Neue Daten deuten zudem darauf hin, dass der Arbeitsmarkt weiterhin recht angespannt ist. Die Arbeitslosenquote ist im Januar auf ein weiteres Rekordtief gesunken, während die Inflation im Dienstleistungssektor hartnäckig hoch bleibt.“

„Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse ist der geldpolitische Bericht zur EZB-Sitzung im Februar zwar weitgehend überholt. Dennoch enthielt er eine lange Liste verschiedener Risiken, darunter auch die Sorge vor weiter steigenden Energiepreisen.“

„Bemerkenswert war auch der Hinweis auf Studien, wonach geopolitische Risikoschocks wie negative Angebotsschocks wirken. Sie hätten einen anhaltend positiven Effekt auf die Inflation und könnten die gesamte Inflationsverteilung nach oben verschieben – auch wenn nicht alle Mitglieder des EZB-Rats davon überzeugt sind. Vorerst kann es sich die EZB leisten, die weitere Entwicklung der Lage genau zu beobachten.“

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