Japanische Aktien mit KI-Fantasie: Goldman sieht hier neue Chancen
|Japanische Aktien aus dem Halbleitersektor könnten vor einer entscheidenden Berichtssaison stehen. Während viele Anleger noch daran zweifeln, ob der KI-Boom und die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren wirklich nachhaltig sind, sieht Goldman Sachs bereits erste klare Signale, dass die Nachfrage wieder anzieht.
Die US-Investmentbank hat deshalb ihre Kaufempfehlungen für sechs japanische Halbleiter- und Ausrüster-Aktien bestätigt. Im Fokus stehen Lasertec, Disco, Tokyo Electron, Ebara, Kioxia Holdings und HOYA.
Spannend ist dabei vor allem der Gegensatz zwischen Börse und Geschäftsentwicklung.
Die Kurse vieler Werte aus dem Goldman-Universum treten derzeit auf der Stelle, die Stimmung bleibt schwach. Gleichzeitig melden Zulieferer wie Rorze und Marumae Rekordaufträge. Genau das wertet Goldman als Hinweis darauf, dass sich die operative Nachfrage bereits stärker entwickelt, als es die Aktienkurse momentan vermuten lassen.
Für Anleger stellt sich damit eine interessante Frage: Läuft der Markt der tatsächlichen Geschäftsentwicklung hinterher?
Diese vier japanischen Aktien stehen besonders im Fokus
Bei den Halbleiterausrüstern hält Goldman an seinen Kaufempfehlungen für Lasertec, Disco, Tokyo Electron und Ebara fest.
Für die anstehenden Quartalszahlen achten die Analysten vor allem auf drei Dinge: überdurchschnittliches Umsatzwachstum, ausreichend Produktionskapazitäten für den hohen Auftragseingang und eine Verbesserung der Margen.
Gerade bei Lasertec könnte es interessant werden.
Das Unternehmen rechnet für das Geschäftsjahr 2027 bislang mit Auftragseingängen zwischen 300 und 400 Mrd. Yen. Goldman hält es inzwischen für zunehmend wahrscheinlich, dass Lasertec diese Prognosespanne anheben wird.
Das wäre ein wichtiges Signal.
Denn steigende Auftragseingänge zeigen, dass Kunden weiterhin bereit sind, in neue Produktionskapazitäten und modernere Halbleitertechnik zu investieren. Genau daran hatten Investoren zuletzt zunehmend Zweifel.
Auch bei Disco sieht Goldman Spielraum für eine positive Überraschung.
Für das dritte Quartal erwartet die Bank Auslieferungen, die den Marktkonsens von rund 150 Mrd. Yen deutlich übertreffen könnten.
Sollte das tatsächlich eintreten, wäre es ein weiteres Indiz dafür, dass sich die Nachfrage im japanischen Halbleitersektor besser entwickelt als die derzeit eher vorsichtige Börsenstimmung vermuten lässt.
Tokyo Electron könnte vor einer Neubewertung stehen
Besonders interessant wird es bei Tokyo Electron.
Hier geht es Goldman nicht nur um mehr Umsatz, sondern vor allem darum, ob das Unternehmen seine höhere Preissetzungsmacht auch in bessere Margen umwandeln kann.
Die Analysten erwarten, dass sich die Auswirkungen der Preiserhöhungen ab dem vierten Quartal des Geschäftsjahres 2027 deutlich stärker bemerkbar machen.
Der entscheidende Wert dürfte die Bruttomarge sein.
„Wir glauben, dass die Aktie neu bewertet wird, wenn die Ergebnisveröffentlichung erkennen lässt, dass die Bruttomarge im vierten Quartal und im Geschäftsjahr bis März 2028 auf 50 % oder mehr steigt“, schrieben die Analysten.
Für Anleger ist das wichtig.
Denn Umsatzwachstum allein reicht bei hoch bewerteten Technologieaktien oft nicht aus. Entscheidend ist, ob Unternehmen gleichzeitig profitabler werden.
Sollte Tokyo Electron tatsächlich eine Bruttomarge von mindestens 50 % erreichen, würde das zeigen, dass nicht nur die Nachfrage stimmt, sondern auch die Qualität des Wachstums.
Genau das könnte der Aktie aus Sicht von Goldman einen neuen Bewertungsaufschlag bringen.
KI-Rechenzentren treiben Kioxia und HOYA
Goldman bleibt aber nicht nur bei den Ausrüstern optimistisch.
Auch für Kioxia Holdings und HOYA bestätigte die Investmentbank ihre Kaufempfehlungen.
Der zentrale Treiber ist hier die steigende Nachfrage nach Speicherlösungen, die durch den weltweiten Ausbau von KI-Rechenzentren entsteht.
Je mehr neue Rechenzentren gebaut werden und je größer KI-Modelle werden, desto höher fällt auch der Bedarf an Speicher und den dafür notwendigen Komponenten aus.
Bei Kioxia sieht Goldman deshalb weiteres Potenzial und hob das Kursziel auf 39.000 Yen an.
Zusätzlich erwartet die Bank, dass höhere Ausschüttungen an die Aktionäre eine Erholung des Aktienkurses unterstützen könnten.
Das macht die Investmentstory etwas breiter.
Kioxia wäre dann nicht nur ein Profiteur der steigenden Speichernachfrage, sondern könnte gleichzeitig durch attraktivere Kapitalrückflüsse an die Aktionäre interessanter werden.
Auch bei HOYA sieht Goldman eine deutliche Beschleunigung.
Die Kernbereiche für Glassubstrate von Festplatten und EUV-Maskenrohlinge seien „in eine Phase weiteren beschleunigten Wachstums eingetreten“, erklärten die Analysten.
Das Kursziel für HOYA bleibt deshalb bei 36.000 Yen.
Warum japanische Aktien jetzt interessant werden könnten
Für Anleger ergibt sich damit eine durchaus spannende Ausgangslage.
Die Unsicherheit rund um den KI-Boom ist noch nicht verschwunden. Viele Investoren fragen sich weiterhin, wie lange die milliardenschweren Investitionen in neue Rechenzentren und Halbleiterkapazitäten aufrechterhalten werden können.
Genau deshalb reagieren Aktien aus dem Sektor inzwischen wesentlich empfindlicher auf schwächere Auftragseingänge, vorsichtige Prognosen oder enttäuschende Margen.
Goldman sieht momentan allerdings eher das Gegenteil.
Rekordaufträge bei einzelnen Ausrüstern, mögliche Prognoseanhebungen, stärker als erwartete Auslieferungen und steigende Nachfrage nach Speicherlösungen sprechen dafür, dass die operative Entwicklung weiterhin robust ist.
Das macht die kommenden Quartalszahlen besonders wichtig.
Bei Lasertec dürfte sich zeigen, ob der Auftragseingang tatsächlich stark genug für eine Prognoseanhebung ist. Bei Disco wird entscheidend sein, ob die Auslieferungen deutlich über den bisherigen Erwartungen liegen.
Bei Tokyo Electron steht dagegen die Profitabilität im Mittelpunkt. Eine Bruttomarge von 50 % oder mehr könnte aus Sicht von Goldman eine Neubewertung der Aktie auslösen.
Kioxia und HOYA wiederum hängen stärker an der Frage, wie schnell der Ausbau von KI-Rechenzentren die Nachfrage nach Speicher- und Spezialkomponenten weiter nach oben treibt.
Für japanische Aktien aus dem Halbleitersektor könnte die kommende Berichtssaison damit zu einem echten Stimmungstest werden.
Noch ist die Anlegerstimmung verhalten. Genau das könnte aber interessant werden, wenn die Unternehmen operativ deutlich bessere Zahlen liefern als derzeit eingepreist.
Denn an der Börse entstehen die spannendsten Situationen häufig dann, wenn Erwartungen und Geschäftsentwicklung auseinanderlaufen.
Goldman scheint genau darin aktuell die Chance zu sehen.
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