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Goldpreis-Alarm nach Zoll-Schock: Bricht jetzt die nächste Rally los?

Zoll-Drama ist zurück – und damit auch der klassische Reflex der Märkte: Raus aus Risiko, rein in sichere Häfen. Genau diese Fluchtbewegung hat Gold (Bullion) erneut über einen zentralen Widerstand gehievt und das taktische Spielfeld für Trader spürbar verändert. Der Markt ist damit an einem Punkt, an dem sich in den nächsten Sessions entscheidet, ob wir nur einen impulsiven Ausbruch sehen – oder den Startschuss für die nächste Aufwärtswelle.

Der Kern in drei Sätzen, ohne drum herum zu reden: Der Ausbruch über 5.100 US-Dollar dreht den kurzfristigen Bias wieder bullish. Die Dynamik ist stark, aber kurzfristig wirkt die Bewegung überdehnt (Warnsignale blinken). Und: 5.100 US-Dollar ist jetzt der Pivot, an dem sich Fortsetzung versus Scheitern sauber ablesen lässt.

US-Dollar gerät wieder unter Druck

Wir kennen das Muster bereits: Unmittelbar nach der „Liberation Day“-Zollankündigung Anfang April letzten Jahres stand der US-Dollar unter Druck – und genau dieses Bild taucht jetzt wieder auf. Parallel steigt die Nachfrage nach sicheren Häfen.

Als klassischer Safe Haven, der überwiegend in USD gepreist wird, hat Gold nach dem SCOTUS-Urteil, dass Trumps „reciprocal tariffs“ illegal waren, deutlich angezogen. Trumps Reaktion folgte prompt: Er kündigte globale Abgaben von 15 % an, die am Dienstag unter Section 122 eingeführt werden sollen – mit einem entscheidenden Zusatz: Er bekommt 150 Tage, um einen „nachhaltigen Plan“ auszuarbeiten.

Und genau dieses Zeitfenster ist für den Markt nicht nur eine Fußnote. Denn wenn in dieser Übergangsphase ein potenziell erheblicher Einnahmeausfall für den Staat entsteht, kann das die Sorgen um den fiskalischen Ausblick der USA verstärken – und damit indirekt um die künftige Kaufkraft bzw. den Wert des US-Dollars. Für Gold ist das grundsätzlich Rückenwind: Dollar-Schwäche + Safe-Haven-Nachfrage ist eine Kombination, die historisch selten gegen das Metall arbeitet.

Der Ausbruch setzt das Chartbild neu auf

Auf der technischen Seite sieht der Move über 5.100 US-Dollar sehr bedeutend aus. Er spricht dafür, dass Gold nach einer längeren Konsolidierung in eine neue Aufwärts-Etappe übergehen könnte. Hintergrund: Nach dem „Bloodbath“ Ende Januar und Anfang Februar mussten spekulative Longs teils brutal abgebaut werden – die Preise rutschten kaskadenartig ab, weil Positionierung entladen wurde. Solche Phasen räumen den Markt auf. Wenn danach ein sauberer Break kommt, ist das oft der Punkt, an dem Trendfolger wieder aufwachen.

Was dieser Ausbruch Tradern zusätzlich gibt, ist etwas sehr Praktisches: ein klares Level zum Arbeiten. 5.100 US-Dollar ist nicht nur „psychologisch“, sondern jetzt eine logische Referenz für Schutz (Stop/Invalidation) bei frischen Long-Ideen. Genau solche sauberen Marken sind Gold wert – weil man nicht im Nebel stochert.

Aber: Der Einstieg ist jetzt die eigentliche Disziplin

So bullish das Signal wirkt: Timing entscheidet. Denn Gold handelt im 4H-Chart über dem oberen Bollinger Band – das ist ein klassischer Hinweis, dass die Bewegung kurzfristig „gestreckt“ ist. Dazu kommt: RSI (14) ist wieder in den Overbought-Bereich gekrochen. Das ist kein Sell-Signal per se, aber es ist ein klares „Nicht hinterherlaufen“-Signal.

Gleichzeitig muss man fair bleiben: Der RSI steigt weiter – das zeigt, dass Aufwärtsmomentum aufgebaut wird. Und der MACD unterstützt das Bild: Er hat die Signallinie gekreuzt und ist in den positiven Bereich gedreht. Das ist technisch gesehen eindeutig pro Bullen.

Trotzdem bleibt das attraktivere Setup aus Risiko-Ertrags-Sicht: ein Pullback Richtung 5.100 US-Dollar – oder direkt ein Retest dieser Marke. Vielleicht kommt er nicht. Der Markt ist nicht verpflichtet, „schöne Einstiege“ zu liefern. Aber wenn er kommt, wäre das der Moment, in dem sich Risiko/Reward typischerweise deutlich verbessert – und du siehst gleichzeitig, ob die Bullen bereit sind, das Ausbruchsniveau tatsächlich zu verteidigen.

Oberhalb: Wenige saubere Widerstände – aber zwei Zonen stechen heraus

Weil der vorherige Abverkauf so schnell und hart war, gibt es oberhalb nicht viele klar strukturierte Levels. Trotzdem sind zwei Bereiche wichtig, die du im Blick haben solltest:

Erstens die 78,6%-Fibonacci-Retracement-Zone der Bewegung vom Januar- zum Februar-Hoch/Tief bei 5.341 US-Dollar. Das ist ein Level, an dem häufig technische Reaktionen stattfinden – gerade nach impulsiven Phasen.

Zweitens 5.450 US-Dollar: Dort wurde ein Bounce-Versuch nach dem initialen Gold-Sell-off am 30. Januar regelrecht abgewürgt – mit „ferocious selling“. Solche Zonen sind psychologisch relevant, weil dort Marktteilnehmer „Schmerz“ erlebt haben. Wenn Gold dort wieder hinkommt, werden viele Augen drauf sein.

Sollte Gold diese Zone nachhaltig knacken, würde das die Bullen sehr wahrscheinlich zusätzlich bestärken. In dem Fall wäre die Tür offen für einen Retest des Rekordhochs bei 5.598 US-Dollar – und damit für eine mögliche Wiederaufnahme des übergeordneten bullischen Trends.

Unterhalb: 5.100 ist die Linie im Sand

Die Kehrseite ist genauso klar – und genau deshalb ist 5.100 so wertvoll als Pivot: Fällt Gold wieder unter 5.100 US-Dollar zurück und hält sich dort, ist der bullische Bias invalidiert. Dann steigt das Risiko, dass sich die Abwärtsseite erneut meldet – bis hin zu einem möglichen Retest der Februar-Tiefs.

Mein Fazit

Gold hat durch das Zoll-Theater und die damit reaktivierten Safe-Haven-Flows einen neuen Impuls bekommen – und der Break über 5.100 US-Dollar ist technisch ein Statement. Momentum ist da, aber kurzfristige Stretch-Signale mahnen zur Disziplin beim Einstieg. Für mich ist die Logik simpel: 5.100 ist jetzt die Schaltstelle. Hält sie bei einem Pullback, wird aus dem Ausbruch ein belastbares bullisches Setup. Bricht sie nach unten und bleibt schwach, kippt das Bild – und die Februar-Tiefs rücken wieder in Reichweite.

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