Goldman hebt Ölpreis-Prognose an - Nahost-Risiko treibt Brent und WTI
|Goldman Sachs hat seine Prognosen für die Ölpreise der Sorten Brent und WTI am Sonntag angehoben. Die Bank rechnet damit, dass die Störungen in der Schifffahrt im Nahen Osten bis ins kommende Jahr hinein anhalten.
Das von Daan Struyven geführte Team erhöhte seine Schätzungen für Brent und WTI um jeweils 5 Dollar auf 85 beziehungsweise 80 Dollar je Barrel für Dezember 2026 und auf 80 beziehungsweise 75 Dollar für 2027. Die Märkte preisten zunehmend einen länger anhaltenden Konflikt ein, erklärten die Strategen. Brent-Spot-Futures sind auf 97 Dollar gestiegen, während die aus Optionen abgeleitete Wahrscheinlichkeit, dass Brent im März 2027 über 100 Dollar steigt, auf rund 25 % geklettert ist - nach etwa 6 % vor einem Monat.
Trotz der neuen Annahme bezeichnete Goldman die Anhebung der Preisprognose aus zwei Gründen als moderat. Die kommerziellen Öllagerbestände in den OECD-Staaten, ein wichtiger Preistreiber, hätten sich „seit Kriegsbeginn kaum verringert“. Das spiegele ein kleineres Defizit als erwartet sowie eine Konzentration der Bestandsrückgänge auf strategische Reserven, schwimmende Lagerbestände und China wider.
Zudem geht Goldman davon aus, dass sich das Angebot im Nahen Osten weiter anpasst. Die Produktion dürfte sich bis zur zweiten Jahreshälfte 2027 schrittweise erholen, wenn neue Pipelines in Betrieb gehen.
Niedrige sichtbare globale Ölbestände und geringe strategische Reserven in den OECD-Ländern signalisierten nicht zwangsläufig einen unmittelbar bevorstehenden Preissprung, erklärten die Strategen. Als die sichtbaren globalen Lagerbestände im November 2024 ihr Allzeittief erreichten, habe Brent bei 76 Dollar notiert. Goldman schätzt zudem, dass die weltweit angelandeten Ölbestände von 9,1 Milliarden Barrel vor dem Krieg auf heute 8,6 Milliarden Barrel gesunken sind. Damit lägen sie weiterhin deutlich über den Schätzungen für die operativ notwendigen Mindestbestände.
Auch die preissensiblen Rohölimporte Chinas, die im Jahresvergleich noch immer um etwa 30 % niedriger liegen, dürften den Aufwärtsspielraum bei den Preisen begrenzen.
Goldman erklärte, die Risiken für die Prognose seien unter dem Strich weiter „deutlich nach oben gerichtet, insbesondere kurzfristig“. In einem positiven Preisszenario könnte Brent auf mehr als 120 Dollar je Barrel steigen, falls die durchschnittliche Produktion am Golf 2027 um 4 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau bleibt. Im Basisszenario der Bank liegt sie dagegen nur 0,5 Millionen Barrel pro Tag darunter. Der wahrscheinlichste Auslöser für ein solches Szenario wären den Strategen zufolge verstärkte Angriffe auf die Schifffahrt in der Straße von Hormus und im Roten Meer.
In einem negativen Szenario könnte Brent 2027 in den Bereich von 60 Dollar fallen, falls die durchschnittliche Produktion am Golf um 1 Million Barrel pro Tag über das Vorkriegsniveau steigt.
Goldman empfiehlt weiterhin, geopolitische Risiken über aufgeschobene europäische Diesel-Timespreads von März 2027 bis Dezember 2027 abzusichern. Diese würden nach Einschätzung der Bank um mehr als 100 % steigen, falls anhaltende Raffinerieausfälle in Russland oder im Nahen Osten den nahe liegenden Neunmonats-Spread auf dem aktuellen Niveau halten.
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