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China spielt den Währungs-Trumpf aus: Warum der starke Yuan plötzlich gewollt ist

Der Devisenstratege Geoff Yu von BNY sieht in der aktuellen Stärke des chinesischen Yuan einen strategischen Vorteil, da China seine Importe von Halbleitern aus Japan, Südkorea und Taiwan ausweitet. Ein stärkerer Renminbi gegenüber den Währungen der sogenannten NA-3-Staaten (Japanischer Yen, Südkoreanischer Won und Taiwan-Dollar) sowie gegenüber US-Dollar und Euro schwäche zudem die Argumentation der USA und der EU, China halte seine Währung künstlich unterbewertet. Der Bericht verweist zudem auf hohe Handelsüberschüsse der NA-3-Staaten und anhaltende Kapitalströme, die diese Ungleichgewichte stützten.

Strategische Stärke gegenüber den NA-3-Staaten

„Die derzeitigen Wechselkursverzerrungen verschärfen sowohl die bestehenden Ungleichgewichte als auch schwächen sie jede Argumentation der USA und der EU gegen Chinas Währungspolitik erheblich. Mitte Juni forderte Bundeskanzler Friedrich Merz ein neues Plaza-Abkommen, um das Handelsdefizit der EU gegenüber China anzugehen. Dabei deutete er an, der Yuan sei um 30 Prozent unterbewertet. Tatsächlich hat der Renminbi seit Jahresbeginn gegenüber dem US-Dollar, dem Euro und den Währungen der NA-3-Staaten nominal aufgewertet, darunter um fast 11 Prozent gegenüber dem südkoreanischen Won.“

„Die größere Überraschung ist aus unserer Sicht, warum China eine so deutliche nominale Aufwertung des Renminbi zulässt. Die schwache Inflation begrenzt zwar den Anstieg des real effektiven Wechselkurses (REER), dennoch stehen diese Bewegungen den Bemühungen um eine Wiederbelebung der Inflation kaum im Weg. Zudem hat sich Peking zu diesem Thema bislang weitgehend zurückgehalten.“

„Unsere Einschätzung für dieses Jahr war, dass der REER des Yuan steigen würde – allerdings vor allem aufgrund von Inflationsunterschieden und nicht durch eine nominale Aufwertung. Tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten.“

„Wir sehen einen klaren strategischen Grund für die Duldung der Yuan-Stärke. Offizielle Daten zeigen, dass die Importe aus Japan, Südkorea und Taiwan kräftig gestiegen sind, wobei die Nachfrage nach Halbleitern der entscheidende Treiber ist. Nach der Harmonisierten Systematik zur Handelsklassifizierung stiegen die gesamten Einfuhren aus den drei Volkswirtschaften in der Warengruppe HS 85, zu der Halbleiter zählen, allein im Mai auf mehr als 300 Milliarden Yuan. Das entspricht einem Anstieg von nahezu 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“

„Wir erwarten, dass der Renminbi seine Aufwertung gegenüber den Währungen der NA-3-Staaten beendet, sobald dieser Druck nachlässt. Zudem könnte viel dafür sprechen, dass der Yuan wieder nachgibt, wenn Chinas eigene Produktion in der Lage ist, den derzeit dominierenden Exporteuren Konkurrenz zu machen.“

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