Baumarkt-Beben in den USA: Bernstein sieht eine Aktie klar vorne
|Der US-Markt für Heimwerker- und Renovierungsprodukte wartet weiterhin auf das eine Signal, das Anleger wirklich sehen wollen: einen klaren Nachfrage-Inflektionspunkt. Genau das schreibt Bernstein – und positioniert sich trotzdem schon jetzt für das Geschäftsjahr 2026 (FY26). Denn auch wenn die Branche kurzfristig noch zäh bleibt, sieht die Investmentbank einen Händler deutlich besser aufgestellt als den Rest.
Und damit sind wir direkt bei der entscheidenden Frage: Wenn der US-Wohnungsmarkt irgendwann wieder stabilisiert – welche Aktie liefert dann das bessere Upside? Bernstein gibt darauf eine ziemlich klare Antwort: Lowe’s (LOW) schlägt Home Depot (HD) – nicht weil Home Depot schlecht wäre, sondern weil Lowe’s aus Sicht der Analysten aktuell das attraktivere Chancen-Risiko-Profil bietet.
Bernstein bleibt dabei: Lowe’s vor Home Depot
In einer Kundennotiz hat Bernstein die eigene Präferenz bekräftigt: Outperform für Lowe’s mit einem Kursziel von 313 US-Dollar. Home Depot bleibt dagegen bei Market-Perform mit einem Kursziel von 381 US-Dollar. Das ist keine kleine Nuance, sondern eine klare Positionierung: Wenn der Zyklus dreht, soll Lowe’s überproportional profitieren.
Kurzfristig bleibt es zäh: Erwartungen für 2026 sind gedämpft
Bernstein macht allerdings keine falschen Versprechen. Die Analysten betonen, dass die Nahfrist-Erwartungen für den Sektor weiterhin verhalten sind. Konkret hat die Bank ihre Annahmen für das vergleichbare Umsatzwachstum (Comparable Sales) im vierten Quartal bei beiden Ketten gesenkt. Der Grund: Winterstürme dürften zuletzt Profi-Projekte (Pro projects) und Aktivitäten rund um Neubau/Housebuilding ausgebremst haben.
Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet Bernstein jetzt etwa 1,5 % bis 2,0 % Comparable-Sales-Wachstum, sobald sich die zugrunde liegende Nachfrage etwas stabilisiert. Mehr ist kurzfristig aus Sicht der Analysten nicht realistisch.
Spannend ist dabei ein eher unterschätzter, saisonaler Hebel: zusätzliche Steuerrückerstattungen (tax refunds) könnten die Frühjahrssaison stützen – und zwar „gegen leichte Vergleichswerte“. Bernstein formuliert das aber bewusst vorsichtig: Das kann Sales helfen, ersetzt aber nicht den strukturellen Turnaround. Denn: Ein „echter“ Nachfrage-Inflektionspunkt im Home-Improvement-Sektor ist vermutlich noch eine ganze Weile entfernt.
Der Bremsklotz heißt Hypothekenzins: Lock-in-Effekt bremst alles
Der Kernpunkt, warum die Dynamik fehlt, ist aus Bernstein-Sicht der bekannte Lock-in-Effekt: Viele US-Hauseigentümer sitzen auf alten, niedrigeren Hypothekenzinsen und haben schlicht keinen Anreiz, umzuziehen oder zu refinanzieren. Ergebnis: weniger Housing Turnover, und damit weniger große Umbau- und Renovierungsprojekte.
Bernstein schreibt sinngemäß: Die meisten Eigentümer bleiben im „Abwarten-und-Teetrinken“-Modus – und genau das drückt weiterhin auf Transaktionen am Wohnungsmarkt und damit auf Home-Improvement-Aktivitäten.
Warum ausgerechnet Lowe’s? Bewertung + Kategorie-Mix
Vor diesem Hintergrund sieht Bernstein zwei Gründe, warum Lowe’s gegenüber Home Depot im Vorteil ist:
1) Bewertungsvorteil
Lowe’s handelt laut Bernstein mit einem „~4x Discount“ gegenüber Home Depot – und das sei höher als der langfristige Durchschnitt, der eher bei 2,5x bis 3x liege. Heißt übersetzt: Der Markt preist aktuell bei Lowe’s mehr Skepsis ein als üblich – und genau daraus entsteht die Chance, wenn die Lage sich normalisiert.
2) Mehr Exposure zu „Big-Ticket“-Kategorien
In einem Erholungsszenario erwartet Bernstein, dass Lowe’s überperformt, weil das Unternehmen stärker in großen, eher diskretionären Warenkategorien hängt – also genau dort, wo die Nachfrage in einer Erholung typischerweise kräftiger zurückspringt. Das ist wichtig: Wenn der Zyklus dreht, drehen Big-Ticket-Segmente oft nicht langsam, sondern sprunghaft.
Aber: Kurzfristig entscheidet vor allem Makro – nicht Execution
So klar Bernstein pro Lowe’s argumentiert, so klar ist auch die Einschränkung: In der näheren Zukunft werden HD und LOW wohl weniger durch einzelne operative Details getrieben, sondern vielmehr durch Wohnungsmarkt-Makro und die Zinserwartungen des Marktes. Bernstein erwartet ausdrücklich, dass die Aktien kurzfristig „mehr von Housing-Makro und Rate Expectations als von Fundamentals“ gesteuert werden.
Das bedeutet für dich als Anleger: Selbst wenn das Management operative Dinge gut macht, kann der Kurs trotzdem seitwärts laufen, wenn Zinsen und Housing Turnover nicht mitspielen.
Was sagen die Daten? Big-Ticket schwach, „Repair“-Kategorien stabiler
Die im Bericht zitierten Industriedaten zeichnen ein Bild, das zu dieser Einschätzung passt: Die Nachfrage bleibt weich, vor allem in zyklischen und Big-Ticket-Segmenten. Gleichzeitig zeigen sich kleinere, eher reparaturgetriebene Kategorien wie Farbe (paint) und Sanitär/Plumbing robuster. Das ist typisch für eine Phase, in der Haushalte große Projekte verschieben, aber notwendige Instandhaltung weiterhin erledigen.
Branchenweit gehen viele Unternehmen laut Bernstein für 2026 von flachem bis niedrigem Wachstum aus. Preismaßnahmen helfen zwar, die weiterhin schwachen Volumina teilweise zu kompensieren – aber das ist eher Schadensbegrenzung als Boom.
Die Analysten bringen es auf den Punkt: Die Guidance ist vorsichtig, weil Housing Turnover gedämpft ist und diskretionäre Nachfrage begrenzt bleibt.
Welche Katalysatoren könnten Stimmung drehen?
Bernstein nennt mehrere potenzielle Sentiment-Katalysatoren:
- Zusätzliche Steuerrückerstattungen, die die Frühjahrssaison anschieben könnten.
- Die Möglichkeit von Zollrücknahmen (tariff reversals), die aus Margensicht helfen würden.
Gerade beim Zollthema wird Bernstein konkret: Falls Zölle zurückgenommen werden, könnten HD und LOW margenseitig profitieren, weil die Analysten erwarten, dass beide Unternehmen einen Großteil der bisherigen Preiserhöhungen behalten, während der Kostendruck nachlässt. Das wäre ein klassischer Margin-Tailwind: Kosten runter, Preise bleiben relativ stabil.
Der entscheidende Punkt bleibt: Ohne Housing Turnover keine nachhaltige Erholung
Trotz möglicher Katalysatoren bleibt Bernstein bei der zentralen Bedingung: Eine dauerhafte Erholung hängt vor allem davon ab, dass sich Wohnungsmarkt-Umschlag (turnover) und Bezahlbarkeit (affordability) verbessern. Ohne diese beiden Faktoren wird es schwer, den echten Nachfrage-Inflektionspunkt zu bekommen, auf den der Sektor wartet.
Mein Fazit
Der Home-Improvement-Sektor steht aktuell in einer klassischen Übergangsphase: Zu wenig Rückenwind für Euphorie, aber genug Ansatzpunkte, um sich für die nächste Zyklusbewegung zu positionieren. Bernstein bleibt deshalb vorsichtig bei der kurzfristigen Nachfrage – sieht aber Lowe’s als besseres Setup Richtung FY26.
Wenn du darauf setzt, dass sich Housing Turnover und Zinsumfeld mittelfristig entspannen, liefert Lowe’s laut Bernstein das attraktivere Upside: Bewertungsabschlag über dem historischen Schnitt plus höherer Hebel auf Big-Ticket-Rebounds. Home Depot bleibt qualitativ stark, dürfte kurzfristig aber genauso am Makro hängen.
Unterm Strich ist das die Logik: Der Turnaround kommt nicht sofort – aber wenn er kommt, will Bernstein lieber Lowe’s im Depot haben als Home Depot.
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