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Yen im freien Fall: Japan greift zu neuem Trick – doch der Dollar bleibt stärker

Japan könnte seine Strategie bei Devisenmarktinterventionen ändern – doch das dürfte den stark unter Druck geratenen Yen kaum nachhaltig stützen. Während sich das Währungspaar USD/JPY in der Nähe eines Vier-Jahrzehnte-Hochs bewegt, wird die Schwäche der japanischen Währung inzwischen weniger von Spekulationen als vielmehr von einem strukturellen Faktor bestimmt: dem großen Zinsabstand zwischen den USA und Japan. Zinserhöhungen der japanischen Notenbank könnten den Abwärtstrend zwar bremsen. Solange der Carry-Trade jedoch attraktiv bleibt, dürfte der Markt weiter austesten, wie weit die japanischen Behörden zu gehen bereit sind.

Yen erhält nur kurz Rückenwind durch Risiko verdeckter Interventionen

Berichte über eine mögliche grundlegende Änderung der japanischen Interventionsstrategie stützten den Yen am vergangenen Donnerstag vorübergehend. Mangels konkreter Maßnahmen ließ die Nervosität am Markt jedoch schnell wieder nach, sodass sich USD/JPY erneut einem Vier-Jahrzehnte-Hoch näherte.

Zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten vergangene Woche der Nachrichtenagentur Reuters, japanische Behörden könnten sich von ihrer bisherigen Praxis verabschieden, Devisenmarktinterventionen im Voraus anzudeuten. Stattdessen könnten sie gezielt versuchen, Spekulanten unter Druck zu setzen.

Durch den Verzicht auf ausdrückliche Interventionswarnungen wolle Japan Händler im Unklaren lassen und die Kosten von Wetten gegen den Yen erhöhen. Dadurch sei ein neues Unsicherheitsmoment entstanden, das Leerverkäufer dazu veranlasst habe, Positionen einzudecken.

Großer Zinsabstand zwischen den USA und Japan hält Carry-Trade am Leben

Die unmittelbare Marktreaktion verpuffte allerdings rasch, da bislang keine offiziellen Maßnahmen bestätigt wurden. Zudem bezweifelten Analysten, dass ein solcher Schritt dem Yen dauerhaft Auftrieb verleihen oder den übergeordneten Trend verändern könnte.

„Die beste Strategie für Japan wäre, wenn die Bank of Japan das Tempo ihrer Zinserhöhungen beschleunigt, um dem Markt zu signalisieren, dass sie den Yen aktiver unterstützt. Sollte das nicht ausreichen und der Yen weiter in Richtung 165,00 fallen, wären Devisenmarktinterventionen sinnvoll“, sagte Takuji Okubo, Chefvolkswirt von Japan Macro Advisors, laut Reuters.

Hinzu kommt der große Unterschied bei den Finanzierungskosten zwischen den USA und Japan, der den sogenannten Carry-Trade attraktiv hält. Dabei leihen sich Investoren Yen zu niedrigen Zinsen und investieren das Geld in höher verzinste Anlagen. Entsprechend führte die Wiederaufnahme von Yen-Verkäufen dazu, dass USD/JPY am Mittwoch in den Bereich von 162,45 bis 162,50 stieg.

„Der Yen bleibt eine der bevorzugten Finanzierungswährungen am Markt. Das bedeutet, dass jede Erholung mit den attraktiven Renditen konkurrieren muss, die anderswo verfügbar sind“, sagte Vitalii Bulynin, Vorstandschef von Versus Trade. „Solange sich daran nichts ändert, dürften Händler einen stärkeren Yen eher als Gelegenheit sehen, ihre Carry-Positionen wieder aufzubauen“, fügte er hinzu.

Neue Spannungen zwischen den USA und Iran belasten den Yen zusätzlich

Unterdessen sorgt auch die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten weiter für Risiken bei den Energieversorgungsketten und beeinflusst nach Einschätzung von Marktteilnehmern die Wechselkursentwicklung. Die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, der erklärte, das Übergangsabkommen mit dem Iran sei beendet, haben die Sorgen über mögliche Lieferunterbrechungen in der Straße von Hormus neu entfacht – zu einem Zeitpunkt, als die Märkte bereits wieder mit einer Normalisierung der Energieversorgung gerechnet hatten.

Japan deckt mehr als 90 Prozent seiner Rohölimporte über die Straße von Hormus ab. Unterbrechungen auf dieser strategisch wichtigen Schifffahrtsroute stellen daher weiterhin ein erhebliches Risiko für die japanische Wirtschaft dar.

Japans Haushaltslage spielt den Yen-Bären in die Karten

Die sich verschlechternde Haushaltslage Japans belastet den Yen zusätzlich und könnte eine Erholung der Währung weiter erschweren.

Seit ihrem Amtsantritt im Oktober hat Premierministerin Sanae Takaichi eine verantwortungsvolle und zugleich aktive Finanzpolitik angekündigt. Anleger befürchten jedoch, dass die expansiven Ausgabenpläne der Regierung sowie Änderungen bei den Haushaltszielen die ohnehin angespannten Staatsfinanzen weiter verschlechtern könnten. Zudem hat die Unsicherheit über die Finanzierung zusätzlicher Ausgaben zu einem anhaltenden Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen beigetragen.

Steigende Renditen gelten grundsätzlich als positiv für die Landeswährung, erhöhen jedoch zugleich die Kosten für die Ausgabe neuer Staatsanleihen und die Zinszahlungen auf bestehende Defizite. Gleichzeitig hat die Sorge, dass Takaichis wachstumsorientierte Finanzpolitik die Bank of Japan zu einer weiterhin lockeren Geldpolitik zwingt, dazu geführt, dass höhere Anleiherenditen nicht mehr mit einem stärkeren Yen einhergehen. Das deutet darauf hin, dass mögliche Interventionen den Abwärtstrend lediglich verlangsamen könnten und der Weg des geringsten Widerstands für den Yen weiter nach unten führt.

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