KI-Blase an der Börse: Warum Yardeni noch keinen Crash erwartet
|Am Aktienmarkt hat sich nach Einschätzung von Yardeni Research eine Blase rund um künstliche Intelligenz (KI) gebildet. Ein neuer Indikator des Analysehauses deutet allerdings darauf hin, dass ein Platzen dieser Blase vorerst nicht unmittelbar bevorsteht. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie hervor.
Yardeni hat dafür einen sogenannten KI-Blasenindikator entwickelt, der mithilfe des KI-Modells Claude Fable 5.1 von Anthropic erstellt wurde. Das Instrument besteht aus zwei Messgrößen, die unterschiedliche Aspekte möglicher Übertreibungen an den Finanzmärkten erfassen.
Die erste Messgröße untersucht, ob die Voraussetzungen für eine Spekulationsblase vorliegen. Als Vergleich dienen die Entwicklungen vor dem Platzen der Technologieblase 1999/2000 und der Immobilienblase 2006/2007. Die zweite Messgröße erfasst mögliche Auslöser für das Ende eines Booms. Im Mittelpunkt stehen dabei eine starke Ausweitung der Kreditvergabe und ein über längere Zeit anhaltender Anstieg der Kapitalkosten.
„Der Indikator zeigt, dass es eine Blase gibt. Ein unmittelbar bevorstehendes Platzen signalisiert er jedoch nicht“, schrieb Yardeni.
Die Messgröße für die Entstehungsbedingungen einer Blase liegt derzeit bei 83 von 100 Punkten. Der Wert für mögliche Auslöser beträgt dagegen lediglich 34 Punkte. Ein Warnsignal ist nach Angaben von Yardeni bereits erkennbar: Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen ist seit ihrem Tief im Dezember um 115 Basispunkte gestiegen. Außerhalb der KI-bezogenen Wirtschaftsbereiche gibt es bislang jedoch keine Anzeichen für eine übermäßige Kreditexpansion.
„Die Voraussetzungen für eine Blase sind vorhanden und bestehen bereits seit einiger Zeit. Die Faktoren, die frühere Boomphasen beendet haben, sind bislang allerdings nur teilweise erkennbar“, erklärte das Analysehaus.
Ein Blick auf historische Marktdaten stützt diese Einschätzung. Seit 1965 folgte auf Quartale mit hohen Werten bei den Blasenbedingungen und gleichzeitig niedrigen Werten bei den möglichen Auslösern nur in neun Prozent der Fälle innerhalb der folgenden zwei Jahre ein Bärenmarkt im S&P 500.
Der mittlere inflationsbereinigte Kursgewinn des US-Leitindex belief sich in den anschließenden zwei Jahren auf 18,3 Prozent. Anders sah es aus, wenn beide Messgrößen hohe Werte erreichten. In solchen Marktphasen stieg die Wahrscheinlichkeit eines Bärenmarktes laut Yardeni auf 42 Prozent. Der mittlere Kursverlust lag dann bei 12,5 Prozent.
„Entscheidend ist jedoch die Messgröße für die möglichen Auslöser. Wenn sie in Richtung des hohen Bereichs steigt, nehmen auch die Risiken zu“, warnte Yardeni.
Das Analysehaus will deshalb insbesondere die Entwicklung der Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen beobachten. Vor dem Platzen der Technologieblase im Jahr 2000 und der Immobilienblase 2006 waren die Renditen jeweils um 200 bis 350 Basispunkte gestiegen. Zudem sollen die Quartalszahlen der großen Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber Hinweise darauf liefern, ob in der KI-Infrastruktur bereits ungenutzte Kapazitäten entstehen.
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